Gendersprache an einer deutschen Schule: Eine Erfahrung

5 Antworten

  1. Um sagt:

    Es geht bei der gendergerechten Sprache nicht explizit um Feminismus, sondern darum, dass sich alle Menschen wiederfinden und angesprochen fühlen. Die Sprache ist immer ein Spiegel der Gesellschaft und wenn diese sich wandelt, dann soll/wird sich das nun mal in der Sprache widerspiegeln, das ist ein normaler nicht aufzuhaltender gesellschaftlicher Prozess. Sprache wandelt sich fortlaufend, wir sprechen heute anders als noch vor 100 Jahren. Erstaunlich ist, dass sich ausgerechnet junge Leute über diesen Wandel echauffieren, wo doch die Ablehnung gegenüber Veränderungen eher den Alten zugeschrieben wird. Hier von Verhunzelung der Sprache zu sprechen und gleichzeitig die sprachliche Ästhetik durch den grenzenlosen Einzug von Anglizismen unerwähnt zu lassen, spricht für die typisch einseitige Sicht eines nicht Betroffenen. Ebenso der Seitenhieb in die linke Ecke hinterlässt den Duft der ja angeblich so liberalen Note. Es klingt, als wäre es liberal, dass sich nun mal nicht jeder sprachlich angesprochen fühlt.
    Sternchen, Schrägstriche, Bindestriche usw. sind in der Tat keine schöne Lösung, aber gendergerechte Sprache bedeutet eher, eine Ausdrucksform zu finden, in der sich ALLE Geschlechter wiederfinden. Dabei lässt die deutsche Sprache weitaus kreativere Möglichen zu, man muss sich halt nur die Mühe machen, neutrale Begriffe zu finden. Einige werden schon lange genutzt, z.B. Auszubildende. Dies ist alles eine Frage der Gewohnheit. Diese aufzubrechen, fällt scheinbar nicht mal vermeintlich liberal Denkenden leicht.
    Mit “Lieber Kunde”, “Schüleraustausch”, “Bürgertelefon” sind automatisch auch die nicht männlichen Personen gemeint – das zumindest wird unterstellt und gar nicht hinterfragt. Ob sich allerdings im umgekehrten Fall männliche Personen wie Sie immer auch angesprochen fühlen würden, wenn diese Begriffe grundsätzlich “Liebe Kundinnen” oder “Schülerinnenaustausch” oder “Bürgerinnentelefon” lauten würden, weil sie ja damit sowieso auch gemeint sind, wage ich zu bezweifeln. Aber dann zumindest bräuchten wir die gendergerechte Sprache nicht 😉

  2. Jochen Schaaf sagt:

    Sehr geehrter Herr Michelsen,

    diese undemokratische Art der Durchsetzung einer Sprachideologie ist mehr als bedenklich.
    Ich bin selbst Lehrer in Luxemburg.
    Ich rate Ihnen, dem Verein Deutsche Sprache beizutreten.

    Gerne kommen wir weiter ins Gespräch!

    Alles Gute im Neuen Jahr

    Jochen Schaaf

  3. Um sagt:

    Es geht bei der gendergerechten Sprache nicht explizit um Feminismus, sondern darum, dass sich alle Menschen wiederfinden und angesprochen fühlen. Die Sprache ist immer ein Spiegel der Gesellschaft und wenn diese sich wandelt, dann soll/wird sich das nun mal in der Sprache widerspiegeln, das ist ein normaler nicht aufzuhaltender gesellschaftlicher Prozess. Sprache wandelt sich fortlaufend, wir sprechen heute anders als noch vor 100 Jahren. Erstaunlich ist, dass sich ausgerechnet junge Leute über diesen Wandel echauffieren, wo doch die Ablehnung gegenüber Veränderungen eher den Alten zugeschrieben wird. Hier von Verhunzelung der Sprache zu sprechen und gleichzeitig die sprachliche Ästhetik durch den Einzug von Anglizismen unerwähnt zu lassen, spricht für die einseitige Sicht dieses Artikels. Ebenso der Seitenhieb in die linke Ecke hinterlässt den Duft der ja angeblich so liberalen Note. Es klingt, als wäre es nicht liberal, wenn sich wirkkich alle sprachlich angesprochen fühlen.
    Sternchen, Schrägstriche, Bindestriche usw. sind in der Tat keine schöne Lösung, aber gendergerechte Sprache bedeutet, eine Ausdrucksform zu finden, in der sich ALLE Geschlechter wiederfinden. Dabei lässt die deutsche Sprache weitaus kreativere Möglichen zu, man muss sich halt nur die Mühe machen, neutrale Begriffe zu finden. Einige werden schon lange genutzt, z.B. Auszubildende. Dies ist alles eine Frage der Gewohnheit. Diese aufzubrechen, fällt scheinbar nicht mal vermeintlich liberal Denkenden leicht.
    Mit “Lieber Kunde”, “Schüleraustausch”, “Bürgertelefon” sind automatisch auch die nicht männlichen Personen gemeint – das zumindest wird unterstellt und gar nicht hinterfragt. Ob sich allerdings im umgekehrten Fall männliche Personen wie Sie auch angsprochen fühlen würden, wenn diese Begriffe grundsätzlich “Liebe Kundinnen” oder “Schülerinnenaustausch” oder “Bürgerinnentelefon” lauten würden, weil es ja sowieso klar ist, dass sie damit auch gemeint sind, wage ich zu bezweifeln. Aber dann zumindest bräuchten wir das Gender-Sternchen nicht.

  4. MI sagt:

    Was will man dazu sagen? … Beamte haben halt Zeit.
    Erstaunlich, dass das Thema immer von der gleichen Richtung her weht. ÖRR, Bildungssektor, Politik sowie Teilen der Wirtschaft, die nicht mehr “physisch produktiv” arbeiten, z.B. Sozialarbeit, hochrangige Manager, etc.

    Anderswo lebt man aber einfach weiter. “Hier auf dem Land” wird trotzdem noch ein Witz der Kategorie “schwarzer Humor” erzählt. “Hans an der Drehbank” oder “Paul auf dem Bau” interessiert das abgehobene Geschwätz einen Feuchten. Man verdreht bei diesen Themen die Augen. Nur wenn die beiden aufhören würden zu arbeiten, würden alle ganz oben genannten schnell merken wie systemrelevant sie sind.

    Schade nur, dass den Lehrern ihre Position im Sinne einer neutralen Bildung nicht bewusst ist. Gerade, wenn die Kaste sich selbst ja als besonders intelligent wahr nimmt. Feminismus hin oder her. Ähnlich wie bei Religion, Politik, etc. sollte jedem Schüler bewusst gemacht werden, dass jeder für sich entscheiden kann was richtig ist. Ohne Zwang.

  1. 24. Dezember 2020

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