SUV-Verbot für Klimaschutz und Verkehrssicherheit?

Von Manuel Freund | Am 6. September, letzten Freitag Abend,  ist ein SUV in Berlin von der Straße abgekommen. Der SUV ist nach Angaben zu schnell gefahren und dann auf den Bürgersteig gekommen. Dort hat er vier Menschen erfasst, darunter ein Kleinkind. Alle von ihnen sind an den Folgen des Unfalls gestorben. Zurecht gab es am nächsten Tag eine Mahnwacht. Vier unschuldige Menschen, die noch viele Jahre vor sich gehabt hätten sind gestorben. 

Das ganze hat eine große Debatte angestoßen: Sollten SUVs innerhalb von Städten verboten werden? Hauptgrund ist die Sicherheit. Wenn ein SUV-Fahrer nur einen kleinen Fehler begehe, dann könne das sehr schnell zu einem tödlichen Unfall werden, so die SUV-Gegner. Des Weiteren fielen natürlich die üblichen Argumente: SUVs seien eine vermeidbare Umwelt und Lärmbelästigung. Florian Schmidt, ein grüner Baustadtrat postete auf Twitter: „Die SUV-Technik und -Marketingstrategie ist mitschuldig an einer Autokultur des Ich, Ich , Ich. Und davon motivierte, protzige Schnellfahrerei tötet. Lasst uns diese Wagen und viele mehr von den öffentlichen Räumen entfernen.“

SUVs sind, wenn man solche Tweets ließt, die absoluten Killer. Wenn man einen SUV auf öffentlichen Straßen sieht, dann sollte man am besten schon einmal vorsichtshalber in Deckung gehen, denn wer weiß, wann der böse egoistische SUV-Fahrer wieder zuschlägt. Ja, es stimmt, wenn SUVs Unfälle bauen, dann ist das Schadenspotential höher als bei einem gewöhnlichen Kleinwagen und ja, es stimmt auch, dass es oftmals nicht notwendig ist, einen SUV zu fahren, vor allem, wenn man bedenkt, dass Berlin nicht gerade als bergig bekannt ist. 

Trotzdem glaube ich nicht, dass man der Sicherheit wegen SUVs in Städten verbieten sollte. Das ist auch ganz simpel zu begründen: Ist es denn verboten, zu Hause scharfe Küchenmesser zu besitzen? Nein, natürlich nicht, obwohl ein scharfes Küchenmesser wesentlich mehr Schaden anrichten kann, als ein stumpfes und man könnte ja auch auf das scharfe Küchenmesser verzichten. Darf man Zucker, fettiges Essen oder sonstige ungesunde Genussmittel konsumieren, obwohl die Gesundheit darunter leidet und somit das Krankheitsrisiko steigt? Ja, natürlich. Man kann die Welt nicht zu 100 % sicher machen. Alles zu verbieten, was schädlich ist macht das Leben langweilig. Es ist schön, zu konsumieren, das macht den Menschen glücklich. Wir könnten natürlich alle unser Konsumverhalten aufs lebensnotwendige reduzieren – wie es ein jeder Sozialist fordert. Aber ist das überhaupt ein Leben, wenn man nichts genießen kann oder viel mehr ein simples Überleben?

Des Weiteren wage ich zu behaupten, dass ein Verbot von SUVs wirklich effizient wäre. Wenn man sich mal Statistiken über Verkehrsunfallursachen anschaut, dann fällt schnell auf, dass weit über die Hälfte der Unfälle dadurch entstanden sind, dass Verkehrsteilnehmer sich bewusst nicht an Regeln gehalten haben. Ganz oben stehen: Alkohol- oder sonstiger Drogeneinfluss, Geschwindigkeitsüberschreitung, falsche Straßenbenutzung, unerlaubtes Überholen und Verletzen von Vorfahrtsregeln. Die meisten Unfälle entstehen nicht durch Fehler, sondern durch bewusstes Brechen von Regeln. Verbote von SUVs oder das Herabsetzen von Höchstgeschwindigkeiten in vielen Straßen – eine auch sehr oft im Zusammenhang mit der Verkehrssicherheit genannten Forderung – bringen also wenig, denn die Verkehrsteilnehmer halten sich nicht dran. Vielmehr sollte darauf geachtet werden, dass die bestehenden Verkehrsregeln eingehalten werden. 

Mein Fahrlehrer erzählte mir bei einer Fahrstunde mal eine Geschichte. Er ist abends durch die Hamburger Innenstadt gefahren. In der Straße galt Höchstgeschwindigkeit 50 km/h, also ist er auch nicht schneller gefahren. Wenn man sich die anderen Verkehrsteilnehmer in der Straße angeschaut hat, hatte man allerdings eher das Gefühl, dass 50 km/h die Mindestgeschwindigkeit ist. Zufällig war gerade ein Polizeiauto in der Straße und natürlich wurden nicht die Autos angehalten, die zu schnell gefahren sind, sondern mein Fahrlehrer. Grund: Verdacht auf Alkoholkonsum, denn er fuhr – so die Polizisten – sehr langsam. Es ist inzwischen also komplett zur Gewohnheit geworden, die Geschwindigkeitsbegrenzung um 5-10 km/h zu überschreiten. Das sollte für die meisten nichts neues sein. Auch in der Spielstraße, in der ich wohne, sehe ich regelmäßig Autos mit 50 km/h durchrasen. 

Anstatt immer mehr Verkehrsregeln aufzustellen, sollte man lieber mal die bestehenden sichern. SUVs verbieten und eine generelle Maximalgeschwindigkeit auf Autobahnen zu etablieren, bringt rein gar nichts, wenn im allgemeinen Stadtverkehr auf Verkehrsregeln gepfiffen wird. Leute müssen lernen im Verkehr geduldig zu sein und nicht bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit den 3 km/h zu langsam fahrenden Vordermann, zu überholen.

6 Antworten

  1. Dietmar Ernst sagt:

    Ein Verbot der SUV in Städten oder auch ein generelles Herstellungsverbot wird mit der jetzigen Regierung wohl kaum möglich sein, aber man könnte ja mal über eine drastische Erhöhung der KFZ Steuer oberhalb eines bestimmten Grenzwertes an ausgestoßenem CO2 nachdenken.

  2. Valentin sagt:

    Das Gejammer über die Industrie ist totaler Unsinn. Es gibt keinen SUV Kaufzwang. Ich sehe vor allem grüne Vorstadtmuttis darin, die Kinder mit Massen an Kram durch die Gegend fahren, Hundbesitzer und Heimwerker.

  3. nordseeschwalbe sagt:

    Man wird den Verdacht nicht los, dass eine ganz andere Debatte verhindert werden soll, indem man nichts über die Identität des Fahrers preisgibt. Meiner Erfahrung nach stammen die Leute, die in Berlin sehr schnell mit dicken Autos fahren, meist aus einem speziellem Kulturkreis… Da gab es auch schon viele schlimme Unfälle, auch mit Todesopfern.

    • Thomas Jacobs sagt:

      Das Problem des zu schnellen Fahrens, des Drängelns, der Missachtung roter Ampeln etc. ist kein Problem der Zugehörigkeit des Fahrers zu einem bestimmten Kulturkreis, sondern ein allgemeines Phänomen kulturübergreifenden Unrechtsbewusstseins von Autofahrern. Ich war heute wieder mit dem Fahrrad unterwegs und wurde wieder einmal mehrfach von d e u t s c h e n Autofahrern fast über den Haufen gefahren und zudem von einer älteren Dame, die unvermutet hinter einem Wartehäuschen der Öffentlichen auf den Fahrradweg trat, zum Bremsen gezwungen. Automobiler Machismo mag außerhalb unseres Kulturkreises noch stärker verbreitet sein, doch der deutsche “Automichel” steht in seiner Dreistigkeit und Trotteligkeit Vertretern anderer “kulturfremden Ethnien” in wirklich nichts nach!

  4. Martin Hahn sagt:

    Ich stimme dem Autor in der Sache zu, aber dieser Satz war sicher nicht so gemeint: “Des Weiteren wage ich zu behaupten, dass ein Verbot von SUVs wirklich effizient wäre.”

  5. Jacobs sagt:

    Falls Aufklärung und Appelle an die Freiwilligkeit nicht helfen, eben genau das: flächendeckende Kontrolle mit anschließender, drastischer Bestrafung bei Übertretung wie in anderen europäischen Ländern auch (Frankreich, Schweiz u. a.). In den Siebzigern des letzten Jahrhunderts war Autofahren oder das Fußgängerdasein für Deutsche in Frankreich ein Alptraum angesichts des Verkehrsverhaltens vieler Franzosen. Seit Frankreich Geschwindigkeitsbegrenzungen radarkontrolliert konsequent auf nahezu allen Straßenarten durchgesetzt hat, ist Autofahren in Frankreich ein entspanntes Vergnügen für mich als Deutschen, der einmal im Jahr in Frankreich Urlaub macht. Kaum zurück über die Grenze nach Deutschland, vermiesen einem schlechte Straßen und die Disziplinlosigkeit der deutschen Autofahrer wieder das Fahren. “Wer nicht hört, muss fühlen”, sagte meine Mutter früher, also richtig zahlen, so dass es richtig weh tut. Dann braucht man auch keine Verbotsphantasien für große, schnelle SUV mehr. Wer diese technischen “Erektionshilfen”, aber auch andere Arten von PKW, um des schrankenlosen Auslebens seiner Freiheit missbraucht, sollte “bluten”: Erziehung durch Strafe statt durch pinscherartiges Verbotsgeschrei, das der deutsche Grün-Michel ja so liebt und das zu wenig führt! Zudem füllt drastische Bestrafung die Kassen der öffentlichen Hand. Andere europäische Länder machen es einem vor.