Freie Waffen für freie Bürger? – das große Apollo Battle

Lesen Sie hier: Das große Debattenduell. Kalaschnikow-Jonas vs. Wasserpistolen-Gesche. Sollte es jedem Bürger frei stehen eine Waffe zu besitzen und bei sich zu tragen? Oder sollten die Deutschen lieber die Finger davon lassen? Wer überzeugt Sie mehr?

Achtung: Dieser Beitrag könnte vereinzelt Spuren von Humor enthalten. Weder Waffen-Hilbillies noch Kanonen-Verweigerer wurden bei der Produktion dieser Kolumne ernsthaft verletzt. Dieser Austausch spiegelt in keiner Weise das Arbeitsklima bei Apollo News wieder, sondern dient schlichtweg Unterhaltungs- und Ausbildungszwecken. Seelsorgerische Unterstützung stand den Autoren zu jeder Zeit zur Verfügung.


Get your Guns! – Waffen sollten legal sein

Von Jonas Kürsch | “Guns don’t kill people, people kill people“ ist inzwischen zu einem geflügelten Schlagwort in den Vereinigten Staaten geworden. Der non-binäre und linksliberale (wer hätte das gedacht!) Comedian Eddie Izard ergänzte diese Aussage noch um die sarkastische Bemerkung: “Well, I think the gun helps.“ Diese Sichtweise ist unter Befürwortern härterer Waffengesetze – so Leuten wie Gesche, die anscheinend zu viele schlimme Filme geguckt hat – weit verbreitet. Ihnen zufolge sei es die nahezu ungehinderte Zugänglichkeit von Waffen, die es mordenden Straßenräubern, Amokläufern und Terroristen leicht möglich macht, ihre abscheulichen Verbrechen auszuüben. 

Obwohl ich diese Besorgnis grundsätzlich nachvollziehen kann und die Gefahr durch solche Menschen durchaus ernst nehme, halte ich es für hochgradig fahrlässig, dem freien Menschen seine selbstverantwortliche und vernünftige Handlungsfähigkeit mit solchen Totschlagargumenten gänzlich abzusprechen. Es gibt gute Gründe für die Legalisierung des privaten Waffenbesitzes – ob du willst oder nicht, liebe Gesche. 

Waffen dienen dem defensiven Bürger

Der Besitz einer Schusswaffe bedeutet in erster Linie die Gewissheit darüber zu haben, sich selbst vor Angreifern verteidigen zu können. Und genau das wird im „besten Deutschland, das es jemals gab“ für viele Menschen zu einer immer größeren Notwendigkeit – da kannst du wohl kaum widersprechen Gesche, ich denke mal du liest ab und an Nachrichten. Wenn nicht, gebe ich dir hier mal ein Beispiel: Einer jungen Studie des Statista Research Department zufolge sind Vergewaltigungsdelikte in Deutschland seit 2015 von 8,6 auf 11,9 pro 100.000 Einwohner angestiegen, der zwischenzeitliche Höchstwert lag sogar bei über 13 Vergewaltigungen pro 100.000 Einwohner. Und auch in anderen Bereichen der Kriminalstatistiken zeigen sich klare Tendenzen in Richtung einer immer höher ausfallenden Quote von Gewaltverbrechen. Salopp gesagt: unsere Straßen werden unsicherer. Und daher kann ich dir nur ans Herz legen, die deutlichen Worten der amerikanischen Lyrikerin Lydia Lunch mal auf dich wirken zu lassen: “Women, get your guns!“ – ich unterstütze das jedenfalls zu 100 Prozent. 

Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass das StGB im Rahmen von §32 das Recht auf Selbstverteidigung (also die Möglichkeit, sich selbst und sein Eigentum gegen rechtswidrige Angriffe zu verteidigen) als legitimen Bestandteil eines demokratischen Rechtsstaates anerkennt. Der Besitz von Waffen zum Schutze unserer individuellen Freiheit ist vor allem im Hinblick auf diese Tatsache, anders als Gesche behauptet, also keine wirre Spinnerei, sondern eine durchaus logische Schlussfolgerung.

Führen Waffen zwangsweise zu mehr Gewalt?

Die klare Antwort: nein. Schauen wir doch einfach mal in die Schweiz – ihre Verfassung gibt jedem unbescholtenen Bürger das Recht auf den Besitz einer Waffe. Trotzdem liegt die jährliche Mordrate der Eidgenossenschaft weit unter der Homizidrate unserer schwerregulierten Bundesrepublik – wie erklärst du das jetzt? Und wenn dir ein Beispiel nicht reicht: In Serbien zeigt sich ein ähnliches Bild – ein Großteil der Bevölkerung ist in Besitz von funktionsfähigen Schusswaffen und dennoch ist die Mordrate des Landes in den letzten zehn Jahren insgesamt zurückgegangen. 

Und ich weiß schon Gesche: Als nächstes wirst du die brutalen Amokläufe in den USA als Argument gegen die Einführung von liberaleren Waffengesetzen anführen, doch so schrecklich diese Verbrechen auch sein mögen, sollte man gerade bei solchen Fallbeispielen über den Tellerrand hinausschauen und die wahren Ursachen hinter diesen Anschlägen erforschen. Einer der brutalsten und international bekanntesten Mordzüge ist vermutlich der Amoklauf an der Columbine High School aus dem Jahr 1999, der etlichen Menschen das Leben kostete. In diesem Fall stellt sich vor allem die Frage, weshalb weder Lehrer, noch Eltern bei den schweren Verhaltensauffälligkeiten und morbiden Gewaltfantasien der Täter nicht schon vorher aufmerksam geworden sind. Die meisten Täter leiden unter schweren (häufig auch früh wahrnehmbaren) psychologischen Störungen, die leider nur allzu selten ernst genommen oder behandelt werden. 

Auch der Täter des jüngsten Massakers an der Robb Elementary School litt nachweislich an schweren sozialen Störungen, die unter anderem durch das problematische Verhältnis zu seiner drogenabhängigen Mutter verursacht worden sind. Es sind nicht die Waffen, die Menschen vom einen auf den anderen Tag zu einem Gelegenheitsmörder machen, sondern das jeweilige Umfeld der Täter und ein vollkommen falscher Umgang mit bedenklichen Warnsignalen in deren Verhalten. Wenn man das Problem an der Wurzel anpacken will, gilt es solche Taten durch Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu verhindern, schließlich könnten die Täter ihre Waffen im Zweifelsfall auch über das Darknet erwerben, was nicht allzu selten auch schon passiert ist – das sollte doch jedem klar sein.

Freie Waffen für freie Bürger

Insgesamt gibt es viele Gründe, die den privaten Besitz von Schusswaffen legitimieren. Vor allem der Schutz der eigenen individuellen Sicherheit sollte in dieser Diskussion nicht außen vorgelassen werden. Der Forderung nach stärkeren Waffeneinschränkungen und neuen Verboten, gerade auch in den USA, sollte man daher mit den Worten der republikanischen Politikerin Sarah Palin entgegentreten: „We say keep your change, we’ll keep our God, our guns, our constitution.“ 


Vernunft und Eigenverantwortung als Fremdwort, aber Waffen für alle? – Nein, danke!

Von Gesche Javelin | Auch wenn der Jonas als Kind gerne Cowboy werden wollte und das deshalb vielleicht schick findet – ich will mir nicht vorstellen, dass jeder in unserer Gesellschaft mit einer Waffe herumlaufen kann. Und das liegt nicht nur an den grotesken Bildern aus Amerika, wo man sich selbst beim friedlichen Spaziergang im Park oder an der Supermarkt-Kasse eine Kalaschnikow umschnallt. Das liegt daran, dass ich – entgegen Jonas Ausführungen – ganz nüchtern die deutsche Realität betrachte. Schauen Sie sich doch mal in ihrer Wohngegend um – würden Sie sich wirklich sicherer fühlen, wenn der halbstarke Prolet von Gegenüber und die Schnapsnase zwei Ecken weiter eine Waffe tragen würden? Auch wenn Sie selber eine Glock am Gürtel haben? Ich nicht. Allein die Vorstellung, dass mein Mathelehrer eventuell eine Waffe zu Hause haben könnte, treibt mir Schweißperlen auf die Stirn. Wobei der mit Sicherheit noch einer der Harmloseren wäre.

 

Kriminalität ist ein Problem für die Polizei, nicht für meinen Waffenschrank

Und ja Jonas, ist mir schon klar – diejenigen, die unbedingt an Waffen herankommen wollen, die bekommen sie auch jetzt schon. Wir reden dann aber hauptsächlich von Kriminellen – von Drogendealern, Dieben und sonstigen Irren. Und für die gibts in einem Rechtsstaat eigentlich schon eine Zuständigkeit – nennt sich Polizei, hast du bestimmt schonmal gehört. Wenn du schon auf die Verfassung und das Strafgesetzbuch pochst: Die Frage ist doch eher, warum unsere Polizei der Lage nicht mehr Herr wird. Warum können sich überall Kriminelle herumtreiben? Warum kann man im Park um die Ecke überhaupt illegal Waffen kaufen? Dass du über meine Sicherheit als Frau besorgt bist, rührt mich – wirklich, ich weiß das zu schätzen. Ich wünschte unsere Bundesregierung würde diese Sorge teilen und entsprechend Handeln. Zum Beispiel durch mehr Geld für die Polizei, statt den zweihundertsiebenundachtzigsten Gender-Lehrstuhl. Oder auch durch eine Abkehr von ihrer ach so geliebten „Toleranz“-Politik.

Genau das ist es wahrscheinlich auch, was uns von der Schweiz unterscheidet. Die Schweizer Politik ist nicht perfekt, aber sie ist lange nicht so bekloppt wie unsere. Ich hätte zumindest nicht davon gehört, dass die Schweiz 2015 genauso bedenkenlos die Tore aufgemacht hätte, wie wir – du etwa Jonas? Ne, die denken noch ein bisschen mehr nach. Und das ist nur eins von vielen Beispielen. Die mögen auch immer noch ihr Geld und sowas wie Gesetze und deren Durchsetzung – das suche ich bei uns inzwischen vergeblich. 

 

Fatale Unfälle

Aber weg von den Kriminellen, hin zu den „normalen“ Leuten – immerhin gibt es (noch) genug Menschen, die eine gewisse Hemmschwelle bei Illegalem haben. Wenn es auf einmal legal wird, eine Waffe zu kaufen, dann wird es automatisch normaler eine Waffe zu besitzen – und damit habe ich aus mehreren Gründen ein Problem.

Der erste ist ganz einfach, den verstehst du bestimmt auch Jonas: Wenn ich eine Waffe zu Hause habe, dann kann es natürlich auch sein, dass diese in Benutzung kommt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du wirklich willst, dass selbst dein gruseliger Nachbar auf einmal mit einer Schusswaffe ankommt, nur weil er ein verdächtiges Geräusch gehört hat. Vielleicht bringst du nur nichtsahnend den Müll raus und schmeißt eine Tonne um – er erschreckt sich und -zack- liegst du am Boden. Hältst du für utopisch? In Amerika sind solche Unfälle nicht selten. Ich habe mal von einem Fall gehört, bei dem ein alter Mann mit Sehschwäche in Amerika ausversehen seinen Sohn erschossen hat, nur weil der unangemeldet vorbei kam. Hätte er ihm „nur“ eins mit dem Baseballschläger übergebraten, hätte der Mann mit Glück einen verletzten und wahrscheinlich sehr wütenden Sohn, aber er hätte noch einen.


Waffen für alle – auch für die Bekloppten

Ich denke schon, dass ein Großteil der Menschen grundsätzlich einschätzen kann, was eine Waffe ausrichten kann und verantwortungsbewusst damit umgehen könnte. Doch wenn man Waffen legalisiert, macht man sie für jeden zugänglich; auch für weniger vernünftige Menschen. Denk doch mal an die ganzen komischen Gestalten in der Gegend Jonas – irgendwelche Angeber-Prolls, Hypochonder, besonders penetrante Moralapostel oder so richtig Verrückte. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit der Liberalisierung, sodass man beispielsweise ein psychologisches Gutachten braucht, um eine Waffe zu besitzen. Doch selbst ein psychologisches Gutachten ist am Ende nur eine Momentaufnahme. Und welcher Psychologe möchte schon dafür verantwortlich sein, dass ein Attentäter an eine Waffe gekommen ist?

Ich finde außerdem, dass wir in Deutschland generell ziemlich realitätsfern leben. Dazu nur ein paar Beispiele: Wir verbringen durchschnittlich knapp vier Stunden pro Tag am Smartphone. Ich setze mich vor den PC und bekomme ein Maschinengewehr in die Hand gedrückt, kann Panzer fahren und Menschen töten; aber es ist ja nur im Spiel. Nicht real. Ich sitze in der Schule und bekomme gesagt, dass ich gegen den Ukraine-Krieg eine Minute kürzer duschen soll. Ich laufe durch die Stadt und die Straßen sind leer, weil man sich vielleicht draußen – wahrscheinlich auch mit Abstand – anstecken könnte. Beim Thema Corona wurde besonders deutlich, wie gerne wir die Realität verlassen und die Verantwortung abgeben. Die Deutschen wollen Versicherungen, Regeln über Regeln, ein „gutes“ Gewissen und bald vielleicht auch noch das bedingungslose Grundeinkommen. Wieso nicht? „Der Staat kümmert sich“ –  egal was passiert.

Und jetzt stellen wir uns vor, diese realitätsferne Gesellschaft bekommt legal Zugang zum Waffenmarkt. Ein Blick rüber nach Amerika und man bekommt eine Vorstellung wie es bei uns laufen könnte, auch wenn die USA natürlich nochmal ein anderes Kaliber sind als Deutschland. Immerhin trennen wir Deutschen unseren Müll. Das heißt, wir sind eindeutig zivilisierter – oder in einigen Fällen vielleicht auch ein bisschen fanatisch. Ganz ehrlich, wenn ich mir manche FridaysforFuture-Aktivisten anhöre, dann will ich denen keine Waffe in die Hand drücken. „Die Menschen sind Umweltsünder und Böse.“ Da kommt nicht selten der Spruch, dass die Welt eine bessere wäre, wenn die Menschen einfach ausgerottet oder zumindest auf ein Minimum reduziert werden. 


Back to Reality

Eigenverantwortung und Freiheit sind mir sehr wichtig – dem Jonas auch, dass weiß ich. Aber der Gute ist einfach zu idealistisch. Wenn ich mir unsere heutige Gesellschaft angucke, frage ich mich schon, ob manche überhaupt noch das Wort Eigenverantwortung kennen. Der Staat macht doch alles für uns. Er gibts uns vor wie wir zu leben haben, welche Werte wir haben sollten und eigentlich auch, was wir denken sollen. Deswegen finde ich: Unser Land sollten erst mal wieder in die Realität zurückkommen, bevor wir uns überlegen, reale Schusswaffen salonfähig zu machen.

2 Antworten

  1. Sofia sagt:

    Ich kann die Argumente der Waffen-Befürworter, wie Jonas, wirklich nachvollziehen – aber ich muss doch sagen, dass mir die Vorstellung Angst macht, dass meine Nachbarn Waffen zuhause haben…

  2. Schmiddi sagt:

    Die Duelle bei Apollo sind einfach eine geniale Idee. Beim Thema Waffenbesitz finde ich: bevor sich jeder eine Knarre kauft, sollte man besser das Gewaltmonopol des Staates stärken. Denn im Bereich innere Sicherheit find ich einen starken Staat ausnahmsweise richtig gut.