Französischer Präsidentschaftskandidat: Von Polizeigewalt zu Gottesmördern in einer Frage

Von Manuel Freund | „Ich weiß nicht, ob Jesus am Kreuz hing, aber er wurde offenbar von seinem eigenen Volke dorthin gebracht“. Dieser Satz stammt von keinem Geistlichen, sondern von dem Gründer der sozialistischen Partei „La France Insoumise“, Mitglied der Nationalversammlung und Präsidentschaftskanditaten Jean-Luc Melenchon

„Gott ist ermordet worden!“ – Bischof Melito von Sardes. Dieser Satz aus dem Jahr 160 nach Christus war der Anfang der Verfolgung der Juden durch die Christen. Laut neuem Testament waren es Juden selbst, die Jesus zum Tode verurteilten und am Kreuz hinrichteten. So kam der Begriff Gottesmörder auf. Die Juden hätten eine Kollektivschuld am Tod von Jesus. Diese Denkweise war der Ursprung allen Leids, dass die Christen den Juden jemals angetan haben – von den Verfolgungen und Pogromen im Mittelalter bis hin zum Holocaust. Heute sind wir – zumindest in der westlichen Welt – über religiös motivierte Massenverfolgungen und Sippenhaft hinweg. Dachte man zumindest. Bei einigen Menschen scheint die Botschaft noch nicht ganz angekommen zu sein. 

Jean-Luc Melenchon ist Gründer der sozialistischen Partei „La France Insoumise“ und Mitglied der Nationalversammlung (Pendant zum Bundestag). Der Nachrichtensender BFM-RTL führte mit dem Präsidentschaftskandidaten ein Interview über die gewalttätigen Proteste in Frankreich, bei denen bereits mehrfach auch Polizisten angegriffen wurden. Melenchon fiel im Interview vor allem mit zwei Sätzen negativ auf. Der Interviewer fragte, ob sich die französische Polizei bei den Protesten zurückhalten sollte. Melenchon äußerte dazu, dass sie „wie Jesus am Kreuz an Ort und Stelle bleiben soll, ohne zu reagieren“ und „Ich weiß nicht, ob Jesus am Kreuz hing, aber er wurde offenbar von seinem eigenen Volke dorthin gebracht“. Solche Aussagen sind einfach angesichts der Geschichte nicht vertretbar.


Melenchon weder Marx noch der Papst wären stolz auf dich

Das offensichtlichste zuerst: Wie kann man ernsthaft fordern, dass die Polizisten sich einfach raushalten sollen? Die Polizei ist dafür da, Straftaten wie Körperverletzung oder Vandalismus zu verhindern, oder dafür zu sorgen, dass sie geahndet werden. Genau das passiert aber teilweise auf den Demos. Nach Jean-Lucs Logik braucht man die Polizei nicht mehr. Außerdem werden Polizisten auch teilweise selbst angegriffen. Darauf bezieht sich Melenchons Äußerung vermutlich auch. Er möchte, dass sich die Polizisten ihrer Passion einfach hingeben und sich durch ihre „Mitfranzosen“ verletzen oder sogar töten lassen, so wie Jesus es damals tat. Das ist einerseits eine wilde Mischung aus linksextrem und religiös fanatisch aber definitiv auch in Frankreich verfassungswidrig. 

Zudem wirft Melenchon einen Vorwurf auf, der 1965 sogar in der päpstlichen Enzyklika Nostra Aetate verurteilt wurde. Vor allem, in einem Land wie Frankreich, in dem Antisemitismus noch ein riesiges Problem ist, schüren solche Aussagen nur Hass, zumal Melenchon in der Vergangenheit schon öfter mit „Grenzübertritten“ aufgefallen ist. Sticheleien, Provokationen und Beleidigungen sind Spezialität des Linksaußen. Allerdings – ein echter Linker ist auch nicht, denn nach Marx ist die Religion ja Opium fürs Volk und eigentlich abzulehnen. Aber er scheint es einfach überall mal zu versuchen

Am besten schon gestern aus dem gesamten politischen Geschehen zurückgezogen 


Dieser Verdacht bestätigt sich, wenn man sich seiner politische Karriere genauer anschaut. 1977 trat er in die Parti socialiste ein. Dort baute er sich nach und nach Rang und Namen auf und trat 2008 in einer Probeabstimmung um das Parteipräsidium gegen die amtierende Parteipräsidentin Ségolène Royal an. Als er diese verlor, beschuldigte er Royal, mit der Partei einen „Rechtskurs“ zu verfolgen, stieg aus der Partei aus und gründete die sozialistische Partei „Parti de Gauche“, bei der er sich direkt im nächsten Jahr als Spitzenkandidat für die Europawahl aufstellen ließ.

Wegen schlechter Wahlergebnisse trat Melenchon auf den öffentlichen Druck hin von seinem Vorsitz zurück. Doch anstatt es zu lassen und zu akzeptieren, dass man eine Partei in den Sand gesetzt hat und nun lieber andere machen lassen sollte, gründete er wenig später die „La France Insoumise“, für die er sich natürlich 2017 als Präsidentschaftskandidat aufstellen ließ. In meinen Augen ist dieser Mann ein linksextremistischer Ideologe, der sich am besten schon gestern aus dem gesamten politischen Geschehen zurückgezogen haben sollte.