EU will Landwirtschaft regulieren: Für Klimaschutz hungern? Nein danke!

Von Luca Tannek | Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Um Bedürfnisse hierarchisch zu veranschaulichen, verwendet man gut und gern die wohl bekannteste Graphik des Psychologen Abraham Maslow. Nämlich: die maslowsche Bedürfnispyramide. Sie illustriert insgesamt sechs aufeinander aufbauende Bedürfnisse des Menschen. Die unterste und wohl wichtigste Etage der Bedürfnisse besteht aus Essen, Trinken und Schlafen – auch genannt „physiologische Bedürfnisse“. Weiter folgen Sicherheitsbedürfnisse (Wohnen, berufliche Sicherheit), Soziale Bedürfnisse (Freundschaft, Liebe), Individualbedürfnisse (Anerkennung, Geltung) und das Non-Plus-Ultra – die Selbstverwirklichung. Jüngst gab es einen schmerzhaften Peitschenhieb auf die unterste und wichtigste Bedürfnishierarchie. Und nicht nur das: Auch ein ohnehin schon durch regulierter Wirtschaftszweig, nämlich die Landwirtschaft, steht erheblicher Schaden bevor. Denn die EU-Kommission hat beschlossen, dass Bauern EU-weit ab 2023 einen Teil ihrer Ackerflächen nicht mehr bewirtschaften dürfen. Natürlich im Deckmantel des Guten, dem Klimaschutz. Dabei sind die realen Folgen dieser höchst fragwürdigen Maßnahme verheerend.

Keine Achtung vor Landwirten

„Bewirtschaftet die Vier! Farm the four!“ appelliert Bauer Willi in einer Video-Botschaft. Sie wendet sich an sämtliche Landwirte in der EU, die keinesfalls die neue EU-Regelung einhalten sollen. Denn die Bauern müssen laut neuem Gesetz auf sage und schreibe vier Prozent ihrer Flächen für Ackerbau verzichten. Das wäre eine Fläche von 4,22 Mio. Hektar, etwa die Größe von Österreich, den Niederlanden, Belgien, Portugal und Luxemburg zusammen. Als Gegenzug soll den Farmern eine sogenannte Einkommensgrundstützung ausgezahlt werden, die aber laut Experten nicht ertragreich ist und nur in Kraft tritt, wenn weitere vier Punkte der Agrarregelungen eingehalten werden. Eine ideologiegetriebene Wirtschaftspolitik a la EU, die keinerlei Wertschätzung für Nahrungsproduzenten übrig hat, so wie anti marktwirtschaftlich ist.

Wer auch nur ein bisschen über die aktuelle Versorgungslage informiert ist, weiß, dass in etlichen Ländern sowieso schon Engpässe und Hungerkrisen drohen.

Und nicht nur wirtschaftlich, sondern auch versorgungstechnisch hat der EU-Bürokratismus wieder einmal gezeigt, für welch realitätsfernes und vor allem fahrlässiges Handeln er in der Lage ist. Denn wer auch nur ein bisschen über die aktuelle Versorgungslage informiert ist, weiß, dass in etlichen Ländern Engpässe und – explizit in ärmeren Staaten – Hungerkrisen drohen. Die Gründe hierfür sind der Ukrainekrieg, der dafür sorgt, dass aus den „Kornkammern“ Europas (Russland und Ukraine) wenig bis gar kein Weizen und Getreide in allerlei Länder importiert werden kann. Diese Verknappung führt logischerweise zu höheren Preisen. Gut zu sehen ist die Teuerung speziell bei Weizen. Seit Kriegsbeginn ist der Kurs auf ein Rekordhoch gestiegen (über 400 Euro pro Tonne) und schlägt sogar die Höchstwerte von 2007 und 2010. Wann diese Verknappung endet ist unklar. Sie könnte mehrere Monate andauern. Durch die 4%-Regel würde ein Verlust von zirka 25,70 Millionen Tonnen Weizen entstehen. Zum Vergleich: der jährliche Importbedarf von Ägypten, Marokko, Tunesien, Algerien und Äthiopien liegt bei 28,50 Millionen Tonnen.

Aber all diese massiven Einschnitte für Landwirte und Dritte Welt-Länder dürften den holländischen und sozialdemokratischen EU-Kommissar für Klimaschutz Frans Timmermanns wenig kümmern. Satte Bäuche armer Menschen sind nicht seine politische Devise. Schließlich will der Bonzen-Soze das Klima retten und muss sich bei seiner Diät keine Sorgen machen, die lebenswichtige Etage der maslowschen Pyramide zu erreichen. So sehen also die Folgen des European Green Deal aus? Nein danke!