Elon Musk lässt grüne Idealvorstellung platzen: Speichermöglichkeiten reichen doch nicht aus

Von Manuel Freund | Die Regierung Australiens hatte sich selbst als Ziel gesetzt, 50 % des gesamten Energiebedarfs in Südaustralien mit erneuerbaren Energien zu decken. Davon sollte ungefähr die Hälfte aus Energie speichernden Batterien kommen. Der Gedanke dahinter ist, überschüssige Energie aus Phasen, in denen Energieanlagen mehr erneuerbare Energie erzeugen, als benötigt wird, zu speichern und in Phasen, in denen die Energieanlagen den Energiebedarf nicht decken können, wieder in das System einzuspeisen. Dies sollte die ganze Nation beeindrucken und stärkte den Ruf von Südaustralien als eine der fortschrittlichsten Regionen der Welt in Bezug auf erneuerbare Energien.

Um diesen Plan umsetzen zu können, beauftragte die australische Regierung Elon Musk mit dem Bau der größten und teuersten Lithium-Ionen-Batterie jemals. Diese sollte Australien 150 Mio. Euro kosten und eine maximale Leistung von 100 MW haben. Viele Autoren schreiben dazu, dass man mit dieser Leistung durchschnittlich 30 000 Haushalte mit Energie beliefern könne. Dies ist auch nicht falsch, doch bedenkt man, dass in ganz Australien über 25,3 Mio. Menschen leben, ist das ein irrelevanter Bruchteil. Des Weiteren müssen nicht nur Haushalte mit Energie versorgt werden, sondern auch öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und noch sehr viel mehr, sodass die Batterie auf Hochtouren gerade mal gut ein Prozent des gesamten Energiebedarfs Südaustraliens decken können. Um ein Viertel der in ganz Australien benötigten Energie durch solche Batterien decken zu können, müsste man ca. 100 solcher Batterien bauen. Wenn man bedenkt, dass die 67 Tage, die Elon Musk und sein Team für den Bau dieser Batterie gebraucht haben, noch enorm kurz sind, dann wird einem sehr schnell klar, dass nicht nur die hohen Kosten, sondern auch der enorme Arbeitsaufwand große Probleme darstellen würden. In der Realität konnte die Batterie nicht einmal 1 % des südaustralischen Energiebedarfs abdecken.

Australien musste also trotzdem auf fossile Brennstoffe zurückgreifen, sodass zu Spitzenzeiten des Energieverbrauchs immer noch 97 % der benötigten Energie aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Da Dieselgeneratoren, welche in Australien hauptsächlich zur Energiegewinnung verwendet werden, allerdings eine Anlaufzeit von ca. 20 Minuten haben, musste Australien zeitweise sogar Energie importieren. Die Batterie war also, anders als in vielen Artikeln dargestellt, ein absoluter Flopp. Selbst ein angebliches Paradies für grüne Energie ist nicht in der Lage innerhalb weniger Jahre eine enorme Energiewende durchzuführen.

Elon Musk war durchaus bewusst, dass die aktuelle Technik im Bereich Speichern von Energie noch lange nicht ausgereift genug ist, um einen großen Anteil des Energiebedarfs einer Region zu decken. So bleibt also weiterhin das Problem, dass man in Phasen, in denen weder genug Wind weht, noch genug Sonne scheint, alternative Energiequellen wie Kernkraft oder fossile Brennstoffe her müssen. Auch Deutschland musste in letzter Zeit aufgrund des vorschnellen Atomausstiegs importiertes Gas als zusätzliche Energiequelle verwenden. Eindeutig ist jedenfalls, dass wir mit dem aktuellen Stand der Technik nicht komplett auf Kohle und Atomkraft verzichten können, wenn wir nicht vorhaben, im Dunkeln zu sitzen. Wann genau wir in der Lage dazu sein werden, auch das letzte Kohle- und Kernkraftwerk abzuschalten, ist unklar, jedoch mit Sicherheit unmöglich ist ein kompletter Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2037, wie Bündnis 90/Die Grünen ihn aktuell fordern.

2 Antworten

  1. callmegreta sagt:

    Wie wäre es mit Stromgewinnung aus Schüler-Hüpfen? In Australien vielleicht in Kombination mit Kängurus? Die können den Überschuss dann gleich in ihrem Beutel speichern…

  2. Michael Weinberger sagt:

    100 MW ist eine Leistungsangabe und für eine Batterie nicht das wichtigste Datum. Entscheidend ist die speicherbare Arbeit, üblicherweise in Wh angeben. In einigen Q-Medien wurden 126 MWh für die Batterie genannt. Auch geschrieben wurde, dass die 30000 Haushalte für 10 Minuten (i.W. zehn) versorgt werden können. Das den Journalisten nicht vor Lachen die Maus aus der Hand fällt…In der Zeit kann ich mich vielleicht noch über Whatsapp für unbestimmte Zeit verabschieden, mehr aber auch nicht.
    Und, mit 100 weiteren Batterein kannst auch nicht ein Viertel der Bevölkerung _realistisch_ versorgen. Australien hat einen Stromverbrauch von 224 TWh/a, also 614 GWh/d. (en.wikipedia). Für ein Viertel davon bräuchte man 1218 Batterien zum Schnäppchenpreis von 182 Mrd EUR. Aber selbst, wenn ich mit nur 10 Min. Überbrückungzeit rechne komm ich bereits auf 210 und nicht 100.
    Das ganze Projekt ist sowas von daneben, dass es sich auch perfekt für DE eignen würde 😉