Ein historisches Abkommen für den Nahen Osten

 

Von Sebastian Thormann | Unter Vermittlung der Trump-Administration haben sich Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate auf ein Friedensabkommen geeinigt. Das haben Israels Premierminister Benjamin Nethanjahu und Kronprinz Mohammed Bin Zayed von den VAE bei einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump vereinbart.

Das ist das erste Mal seit mehr als 25 Jahren, dass ein arabischer Staat Frieden mit Israel schließt. Zuvor taten dies nur Jordanien 1994 und Ägypten 1979, und galten damit bisher auch als Ausnahme in der arabischen Welt, die Israel lange als Erzfeind ansah und dem jüdischen Staat das Existenzrecht absprach.

Unter dem Abkommen sollen nun offiziell diplomatische Beziehungen zwischen den Ländern aufgenommen werden, beide Länder wollen gegenseitig Botschafter entsenden. Außerdem wurde eine Kooperation in Sachen Tourismus, Gesundheitswesen, Handel und Sicherheitsfragen vereinbart.

Im Gegenzug auf die Normalisierung der Beziehungen hat Israel zunächst Pläne aufgeschoben, israelische Souveränität über Gebiete in Judäa und Samaria auszudehnen. Der sog. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, seines Zeichen in Jahr 15 seiner eigentlich vierjährigen Amtszeit, forderte natürlich trotzdem umgehend die Rücknahme des “schändlichen Abkommens”.

Israels Premierminister Nethanjahu dagegen erklärte auf Twitter: “Ich bin sehr optimistisch, dass auf die heutige Ankündigung mit den VAE weitere arabische Nationen folgen werden, die sich dem Friedenskreis unserer Region anschließen.” Auch Präsident Trump deutet an, dass weitere arabische Staaten auf Israel zugehen werden.

Und tatsächlich wurde das Abkommen zwischen Israel und den VAE bereits jetzt von anderen arabischen Staaten, Bahrain, Oman und Ägypten, ausdrücklich begrüßt. Die Jerusalem Post berichtet außerdem, dass Washington wohl im Gespräch mit weiteren arabischen Nationen ist. Gut möglich also, dass bald weitere Abkommen folgen.

Die Annäherung ist eigentlich nur logisch, schließlich haben die arabischen Nachbarn vor dem kleinen jüdischen Staat nichts zu fürchten – nicht, dass sie dazu jemals Grund gehabt hätten, immerhin war es die arabische Welt, die die Existenz Israels jahrzehntelang nicht akzeptieren wollte und stattdessen mit Krieg auf Israels Gründung antwortete.

Aber mehr und mehr arabischen Staaten wird jetzt klar, dass die eigentliche Bedrohung vom Terror-Regime in Teheran ausgeht, das einen Stellvertreterkrieg im Jemen führt, Terrorgruppen im der Region finanziert und mit seinen Milizen am liebsten den Irak übernehmen würde. Von Angriffen auf saudische Ölanlagen mal ganz abgesehen.

Da ist Israel auf einmal ein interessanter Partner, denn Israel will genauso wenig wie große Teile der arabischen Welt, dass der Terrorstaat Iran an Atomwaffen gelangt, sondern den Einfluss der Mullahs in der Region so weit wie möglich zurückdrängen. Diese Kursänderung zeichnete sich schon ab als viele arabische Staaten überraschend den US-amerikanischen Plan für eine Zwei-Staaten-Lösung unterstützten, während der Iran und die Palästinenserführung ihn ablehnten.

Das alles heißt natürlich nicht, dass die arabische Welt jetzt beste Freunde mit Israel wird, aber es zeichnet sich damit eine Normalisierung ab. Israel als eine Nation unter vielen und sogar als Partner in einigen Bereichen zu behandeln ist ein weiter Schritt für ein arabisches Land.

Das Abkommen ist damit also ein großer Erfolg für Israel, für den israelischen Wunsch schlichtweg in Frieden und normaler Nachbarschaft mit den Staaten der Region zu leben. Für die Trump-Administration ist die Vermittlung des Abkommens auch ein großer außenpolitischer Triumph. Damit widerlegt man nebenbei all jene Kritiker, die sich sicher waren, dass die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem die Region in Flammen stecken und Frieden für immer verhindern würde.

Alles in allem also ein Gewinn für Israel, die amerikanische Nahost-Politik und vor allem den Frieden in der Region.