Ein Bericht aus dem Herzen der Republikanischen Partei

Von Sebastian Thormann | Man trifft auf lange Warteschlangen und Sicherheitskontrollen des Secret Service, während man aus dem Convention Center auf den Potomac River schaut, der Maryland von Virginia trennt. Ich stehe zusammen mit ein paar amerikanischen Freunden an der Eingangskontrolle zum Auftakt der alljährlichen CPAC, die ich mir im Zuge meiner USA-Reise vor kurzem angesehen habe. 

CPAC, das ist die Conservative Political Action Conference, die seit über 40 Jahren im Großraum von Washington DC stattfindet. 1974 fand die Konferenz das erste Mal statt, Ronald Reagan damals noch Gouverneur von Kalifornien hielt dort eine bewegende Rede, in der er von seiner Vision für Amerika als “City upon a Hill” sprach. Von einst mehreren hundert Teilnehmern ist die Konferenz auf fast 20.000 Teilnehmer in den letzten Jahren angestiegen,  fast die Hälfte davon ist im College-Alter.

Am ersten Tag steht nun die Rede des US-Vizepräsidenten Mike Pence an. Er bekräftigt die pro-israelische Haltung der US-Regierung, den Kampf gegen Terrorismus, Grenzschutz, Deregulierung, Meinungsfreiheit. Unter tosendem Applaus erklärt er: “Es geht also um Sicherheit, es geht um Freiheit, es geht um unsere am meisten geschätzten Werte. Und es geht um drei weitere Dinge: Jobs! Jobs! Jobs!” Die Reaktion aus Saal: ”Vier weitere Jahre! Vier weitere Jahre!”- Rufe.

Auf der Bühne rekapituliert Pence eine humorvolle Anekdote aus einem Familienurlaub, wo ihm ein Strandbesucher ansprach: “Du bist Pence, oder? […] Du musst dem Präsidenten sagen, dass er weitermachen muss mit dem was er macht, weil ich im letzten Jahr doppelt so viel Geld verdient habe wie im Jahr zuvor. […] Und ich weiß nicht, was du selbst tust, aber mach auch damit weiter.”

Als ein als Trump verkleideter Störer wild um sich schreit, muss Pence für einen Augenblick seine Rede unterbrechen, bis derjenige abgeführt wurde. Nicht, weil dessen Störung groß bemerkbar war, sondern vielmehr weil der ganzen Saal mit “USA! USA! USA!”-Rufen darauf reagiert.

Kippas, Cowboy-Hüte, MAGA-Kappen

Und es gibt immer wieder stehenden Applaus für Seitenhiebe gegen die demokratischen Kandidaten. Die Konferenz steht dieses Jahr unter dem Motto “America vs. Socialism” auch gerade als Reaktion auf die radikalen Forderungen des selbsterklärten“demokratischen Sozialisten” Bernie Sanders, der gemeinsam mit anderen für einen massiven Linksruck in der Demokratischen Partei gesorgt hat. Als CPAC vor zwei Wochen stattfand, war Sanders noch der klare Spitzenreiter – das war vor dem Super Tuesday, an dem Biden durch das Ausscheiden und die Unterstützung vieler anderer Kandidaten die Führung übernahm.

CPAC deckt dabei das ganze Spektrum der Republikaner ab, von Reagan-Konservativen, Libertären bis hin zu glühenden Anhängern des Präsidenten. Hier sieht man Kippas, Cowboy-Hüte, MAGA-Kappen (MAGA = Make America Great Again). Man darf wohl sagen, dass die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer mit den zentralen Errungenschaften Trumps einverstanden ist, insbesondere mit der Verlegung der US-Botschaft in Israel nach Jerusalem, der Ernennung von Richtern, die die Verfassung nach ihrer ursprünglichen Bedeutung auslegen, sowie den Steuersenkungen. Bei Trumps Politikstil gibt es viele, die sich wünschen würden, dass er die ständigen Twitter-Triaden und Attacken zurückfährt, auch wenn es wieder andere gibt, die gerade darin anscheinend eine gewisse Authentizität sehen.

Bei CPAC hört man eine Reihe verschiedener Redner: Kabinettsmitglieder, Senatoren, Abgeordnete, Publizisten, Kommentatoren und einige “Influencer”. Die Qualität der Reden ist unterschiedlich. Es gibt interessante und tiefgründige Beiträge, eine meiner Favoriten war z.B. John James, ein konservativer Senatskandidat für Michigan, der in einer bewegenden Rede für mehr Eigenverantwortung, Freiheit und den American Dream argumentiert und die Erfolgsgeschichte seiner Familie, aus Sklaverei und Diskriminierung zu erfolgreichen Unternehmern erzählt.

Von solchen cleveren und mitreißenden Reden bis hin zu oberflächlichen Beiträgen mit den typischen, sich wiederholenden Argumenten, ist alles dabei. Außerhalb des Potomac Ballrooms, wo die große Bühne steht, reihen sich Stände mit Kameras und Mikrophonen aneinander, wo diverse Medienunternehmen Videos und Podcast aufnehmen. In der CPAC-Austellungshalle sieht man eine Vielzahl weiterer Medien und Organisationen. Hier findet man z.B. auch junge Konservative, die sich gegen den Klimawandel mit marktwirtschaftlichen Maßnahmen einsetzen, verschiedene Studentenorganisationen, Think-Thanks, Stiftungen, Merchandise-Stände. Hier wird mir nochmal verdeutlicht, was mir eigentlich schon lange klar war: Die amerikanischen Konservativen und Klassisch-Liberalen sind denen in Deutschland was Organisation, Professionalität und Ressourcen angeht weit voraus.

“Amerika ist eine Kraft für das Gute”

Am zweiten Tag spricht dann Außenminister Mike Pompeo. Er zählt die von der aktuellen Regierung getöteten hochrangigen Terroristen auf, etwa Terror-General Soleimani und IS-Chef al-Baghdadi. “Können wir uns alle einig sein, dass die Welt ein besserer Ort ist, weil diese Leute erledigt sind?” fragt er und erhält begeisterten Beifall. Er zählt weitere außenpolitische Erfolge auf und zum Ende seiner Rede verteidigt er in einem eindringlichen Appell die Interventionen der USA, denn sowohl Diktatoren als auch deren Opfer wüssten, wieso Amerika manchmal interveniere: “Amerika ist eine Kraft für das Gute, auch wenn wir es nicht immer richtig hinbekommen haben.”

Das große Finale war aber eindeutig die Rede von Präsident Trump als allerletzter Punkt auf der dreitägigen Agenda. Um dafür einen Sitzplatz zu haben, mussste man bereits morgens da sein und sich die vorhergehenden Reden anhören. Zu Beginn merkt man, anders als etwa bei Pence, dass hier der Altersdurchschnitt deutlich höher ist, viele der jungen Konservative sehen eher in einer neueren Generation an Politikern, z.B. Ted Cruz, Dan Crenshaw, Nikki Haley, Ben Sasse, ihre Vorbilder, auch wenn sie mit vielen Punkten von Trumps Politik einverstanden sind. Seine Rede ist eigentlich weniger eine Rede als eine Show. Trump ist nunmal kein großer Staatsmann, er ist in vieler Hinsicht ein Entertainer. Letztes Jahr ging er off-script und sprach über zwei Stunden lang, was die bisher längste Rede seiner Präsidentschaft wurde.

Dieses Jahr war es ähnlich, und Emir wurde klar, dass es eben dieser off-script Trump ist, der authentisch wirkt. Das sieht man gerade an den Reaktionen seiner Anhänger zum abgelesenen und frei daher gesprochenen Teil. Aber wenn er so redet kann er tatsächlich lustig sein, auch wenn er das ganze gerne recht albern in die Spitze treibt. Er ist und bleibt kein typischer Politiker. Er hat seinen ganz eigenen Unterhaltungswert, wenn auch seine ganz eigene Logik mit dabei ist (etwa dass die USA einen “Gewinn” aus den Zöllen im Handelskonflikt machen würden). Trump bleibt schließlich Trump.

2 Antworten

  1. moneypenny sagt:

    Ein Bericht aus einer anderen Welt – bleiben Sie bloß in Trumpland, so lange hier der Virus-Wahnsinn abgeht. Und berichten Sie weiter!

  1. 12. März 2020

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