Ehrt die Gewaltherrscher: Gelsenkirchen soll Lenin-Statue bekommen

Von Manuel Freund | Erst vor einigen Monaten war ich kurz vor dem Verzweifeln. In Trier wurde eine von China finanzierte Karl-Marx-Statue in der Innenstadt errichtet. Ziel ist offensichtlich die Förderung des Kommunismus in Deutschland. Eben wegen dieser Absichten war dieses Denkmal schon sehr zweifelhaft. Marx ist jedoch selbst nicht direkt für irgendeinen Tod verantwortlich. Ich bin mir sogar sicher, dass Marx seine Ideologie des marxistischen Kommunismus mit besten Absichten entwickelt hat. Verglichen mit heute waren die gesellschaftlichen Verhältnisse damals katastrophal. Es gab quasi keine Arbeitnehmerrechte, sozialer Aufstieg war so gut wie unmöglich und keiner hatte jemals von Sozialabgaben gehört. Karl Marx sah diese Umstände und versuchte ein System zu entwickeln, das diese Ungerechtigkeiten milderte.

Das Gleiche gilt jedoch nicht für Wladimir Iljitsch Lenin. Auch Lenin sah die ungerechten Verhältnisse in seinem Land. Zum Ende der Zaren-Monarchie stiegen die Lebensmittelpreise, es entstanden Versorgungsengpässe und Kritik am Zarenhaus und dem Dreierbündnis wurde möglichst unterdrückt. Auch wenn sich Lenin an Marx orientierte, so waren seine Absichten doch nicht gerade friedlich. Er wollte das Land gewaltvoll revolutionieren. Die gesamte Zarenfamilie solle hingerichtet werden und man müsse anti-bolschewistische Strömungen in der Bevölkerung in einer Revolution ausmerzen.

Nachdem der Zar 1917 wegen fehlender Unterstützung – selbst von der Armee – zurücktreten musste, entstand ein Machtvakuum. Dieses sollte langfristig durch eine Demokratie ausgefüllt werden, doch die Menschewiki und Bolschewiki verhinderten dies. Nach der Rückkehr Lenins aus dem Schweizer Exil wurden die sozialistischen Bestrebungen immer extremer. In der Oktoberrevolution stürzten die Bolschewiki putschartig die vorübergehend eingesetzte Regierung und begannen mit der Errichtung der sozialistischen Diktatur. Dies führte zum Russischen Bürgerkrieg. Er war die von Lenin erwünschte Revolution zur Vernichtung der Bourgeoisie. Regimekritiker wie die Weiße Armee oder die Grünen Truppen wurden von der Roten Armee in brutalen Kämpfen niedergestreckt. Insgesamt sind im Russischen Bürgerkrieg 8 Mio. Menschen ums Leben gekommen.

Für alle diese Toten ist Lenin mitverantwortlich. Das ist für ihn jedoch kein Problem. Er distanzierte sich niemals von dem roten Terror in seinem Land. Er äußerte sich folgendermaßen: „Jetzt aber können und wollen die Repräsentanten und Anwälte der Bourgeoisie ebenso wenig wie die Reformsozialisten, die von der Bourgeoisie eingeschüchtert worden sind und vor der Revolution Angst haben, nicht begreifen, dass der Bürgerkrieg notwendig und gerecht ist.“ Zudem bereitete Lenin den Weg für Stalins Schreckensherrschaft, er ist also faktisch für unglaublich viel Leid verantwortlich.

Trotzdem will Gelsenkirchen nun ein Denkmal zu Ehren Lenins aufstellen lassen. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer der Sowjetunion und für alle, die in der DDR gelitten haben. Man arbeitet grausame europäische Geschichte nicht auf, man verehrt sie auch noch. Tatsächlich hatte das Verwaltungsgericht von Gelsenkirchen den Bau vorerst gestoppt, jedoch nicht wegen irgendwelcher moralischen Bedenken, sondern weil es an der erforderlichen denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis fehle. Diese wurde jedoch nachgereicht, sodass die Statue laut Plan am 14. März eingeweiht wird. Dies wäre die erste Lenin-Statue in Westdeutschland. Jedoch werden vor allem in Ostdeutschland vermehrt solche Statuen (wieder-)errichtet.

Kritisch ist auch die Herkunft dieser Statue. Die Idee stammt nämlich von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschland (MLPD). Diese ist laut Verfassungsschutz linksextrem und fordert wie Lenin die sozialistische Revolution.

3 Antworten

  1. Sebastian Laubinger sagt:

    Das wiederum bestaetigt meine schlechte Meinung ueber Linke. NeoNazis und extrem Linke schenken sich gar nichts. Die Ziele sind weitgehend dieselben (kleinere Differenzen, aber im Grossen und Ganzen laeuft es auf Gesinnungsdiktaturen hinaus), die zum Erreichen der Ziele anzuwendenden Methoden ohnehin.

    Als liberal/konservativer Mensch ist das fuer mich zum Kotzen.

    Lustig (wenngleich auf bittere Art und Weise), wie Linke sich staendig als Verfechter von Menschenrechten und Freiheit gerieren, auf alle anderen mit den Fingern deuten, gleichzeitig aber Diktatoren die Stange halten und nicht sehen KOENNEN (bzw. WOLLEN), was ihre Wunsche fuer alle anderen Menschen bedeuten (muessen!).

    Die Gruenen sind ganz genauso. Gott schuetze uns, wenn rot/rot/gruen an die Macht kommt. Erschiessungen/Arbeitslager wird es (vorerst) sicherlich nicht geben . . . aber sobald die braune Masse so richtig in den Luftverwirbler geraet, werden solche Massnahmen nicht mehr ausgeschlossen, denn Suendenbocke wird man finden, und mit denen wird man kurzen Prozess machen.

    Ich hoffe, dass das nicht passiert . . . aber es erscheint momentan unausweichlich.

  2. dasLinkeParadox sagt:

    In der Arte-Mediathek (Geschichte) finden sich derzeit hervorragende Dokus zum SU-Kommunismus. Ohne die üblichen Relativierungen und Aussparungen. Wer danach immer noch ne Lenin-Statue befürwortet, kann auch gleich ne Hitler-Büste fordern. Viel genommen haben die sich jedenfalls nicht!