Diversität statt Spannung. Die Krimis von heute kann man in der Pfeife rauchen!

Von Anna Graalfs | Bei meinem wöchentlichen Krimiabend habe ich mir neulich „Rechnung mit einer Unbekannten” angeguckt und war dabei in Dauerspannung an meinen Sessel gebunden. Josef Rosenkötter gibt sich als Witwer bei einem Partnervermittlungs-Inserat aus und lädt die reiche Roswitha Mattusch zu sich nach Hause ein. Dort erschießt er sie und täuscht einen Einbruch vor. Vor der Polizei identifiziert Rosenkötter die tote Frau Mattusch als seine Ehefrau, mit dem geheimen Plan die Lebensversicherung seiner Frau zu kassieren, um seine Firma vor dem Bankrott zu retten. Doch er rechnet nicht damit, dass seine Frau, die eingeweiht ist, schlussendlich von einer Affäre zwischen ihrem Mann und seiner Untermieterin erfährt und dann ihren Mann mit der Tatwaffe erpresst. Die ganzen 85 Minuten werden musikalisch ausgeschmückt mit Rock-Banger “The Raven” von The Alan Parsons Project und Pink-Floyd-Knüller „Shines On You Like A Diamond”.

Nein, leider ist das nicht die zuletzt erschienene Tatortfolge, sondern eine Episode der ARD-Krimireihe aus dem Jahr 1978. Einen derart fesselnden Krimi, mit so raffinierter Komplexität, sucht man heute vergeblich. Als Krimi-Fan stelle ich fest: das Genre ist ausgelutscht, die Fälle ähneln sich immer mehr, und vor allem: Krimifolgen sind zur linken Meinungsmache geworden. Viel zu oft ist das Tatmotiv: Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit oder, noch besser, er war einfach ein Psychopath. Man bekommt den Eindruck, dass die Tatort-Autoren gar nicht erst versuchen, ihre politischen Sympathien zu verstecken. Erst letztes Jahr kam heraus, dass die Produktionsfirma für die NDR-Tatorte linksextremen Gruppen 3000 Euro gezahlt hat, um in einem linken Zentrum (der Monkrystraße) den Hamburger Tatort drehen zu können.

Zuschauerzahlen des Tatorts sinken zurecht

Lauert denn wirklich hinter jedem Stein ein blutrünstiger Frauenfeind? Und wäre es nicht spannender, sich kompliziertere Motive und Tatabläufe auszudenken? Das Beeindruckende an den alten Krimis ist doch, dass nicht nur die normalsten Menschen zu Tätern werden – im Affekt oder durch die verrücktesten Motive -, sondern dass diese Figuren auch noch von brillanten, aus dem Theater kommenden Schauspielern wie Peter Matic verkörpert wurden. Matic ist für die Synchronisierung des britischen Charakterdarstellers Ben Kingsley (Hauptrolle in „Gandhi” von 1982) bekannt. Ich glaube diejenigen, die sich Sonntagabend allein mit ihrem Müsli vor dem Fernseher einen Tatort reinziehen, weil sie nichts Besseres zu tun haben, wären im absoluten Krimi-Himmel, wenn sie in der goldenen Fernsehzeit eine Folge „Ein Fall für Zwei” gesehen hätten. Es gibt kein besseres Ermittlungsduo als der bodenständige Rechtsanwalt Dr. Renz und der ewig-junge Lederjacken-Privatdetektiv Josef Matula.

Der hoch-psychologische Tatort „Reifezeugnis” aus 1977, der eine Schülerin, die eine Affäre mit ihrem Lehrer hat, im Affekt zur Täterin werden lässt, hat mit 25,05 Millionen Zuschauern bei seiner Erstausstrahlung die zweitgrößte Zuschauerzahl ALLER Tatortfolgen erreicht. Die durchschnittliche Zuschauerzahl bei einem Tatort beträgt inzwischen nur noch ca. 9 Millionen (Stand 2016). Die große Krimi-Zeit ist vorbei, die Zuschauerzahlen sind insgesamt gesunken und Rekordzahlen wie Ende der 70er werden sie wohl nie wieder erreichen. Natürlich liegt das an dem momentanen Überangebot an Krimiserien (in den 70ern und 80ern gab es einfach längst nicht so viele Fernsehsender wie heute), aber es hat auch zweifellos etwas mit der Qualität der Krimis zu tun.

Sinnlose Gewalt erzeugt keine Spannung

Um die langweiligen Psychopathen-Mörder-Krimis aufzupushen und händeringend Zuschauer vor den Fernseher zu locken, wird neuerdings einfach grundlos unfassbar viel Gewalt angewendet. Kaum hat der Krimi richtig angefangen, schwenkt die Kamera in ein düsteres Zimmer, dessen Boden dem reinsten Blutbad nicht ähnlicher sein könnte. Die Schimanski-Tatorte hingegen (von 1981 bis 1991 ermittelte Kommissar Schimanski, gespielt von Götz George, insgesamt 29-mal im Ruhrgebiet), haben es immer geschafft, für einen spannenden, mit Verfolgungsjagden gefüllten Krimi zu sorgen, ohne dass den Zuschauer dabei die brutalsten Massaker bis ins Jenseits verfolgen. 60 oder 90 Minuten lang wird man heute mit ekligen Bildern bombardiert, sodass man gar nicht mehr dazu kommt, sich genauer über den Krimiplot Gedanken zu machen. Scheinbar „gruselige” Szenen sind viel zu direkt, sie erzeugen nicht mehr das schaurige, langsam aber sicher aufkommende Unbehagen beim Zuschauer. Wenn man gezwungen ist, die immer größer werdende Spannung auszuhalten, zum Beispiel bei alten Hitchcock-Klassikern wie Psycho, durch unscheinbare Andeutungen, Musik oder die Kameraführung, ist der Schockmoment umso haarsträubender, wenn er dann eintritt. In modernen Krimis wird man dagegen einfach in Dauerschleife mit abscheulichen Bildern überladen – bis man völlig überreizt und abgestumpft ist.

Aber was mich am meisten aufregt, ist die gezwungene Diversität in modernen Krimis. Es darf heute offenbar auf keinen Fall mehr so schlagfertige Kommissare wie „Derrick” (aus der gleichnamigen Krimiserie) geben. Dabei ist es legendär, wenn er mit zurückgegelten Haaren und ernstem Blick aus dem Polizeipräsidium kommt und zu seinem Assistenten sagt: „Harry, hol’ schon mal den Wagen.” Doch oh nein – er ist nun mal ein weißer, privilegierter, alter Mann. Natürlich wäre es komisch, gäbe es keine einzige weibliche Kommissarin in der ganzen Krimilandschaft, aber das ist nicht der Fall. Sigrid Göhler wurde als erste weibliche Kriminalistin im deutschen Fernsehen (beziehungsweise in der DDR) durch die Krimiserie „Polizeiruf 101” bekannt. Und alte, geliebte Detektivinnen wie Miss Marple sind natürlich auch nicht zu vergessen. Also waren auch in den 80ern All-Men-Besetzungen nicht die Regel, obgleich die Krimis mit Männern als Kommissaren insgesamt mehr Erfolg hatten.

Gezwungene Diversität nervt

Doch daran erinnert sich wohl keiner mehr. Heute ist das nervtötende Motto jedes Tatorts: Wir brauchen unbedingt mehr lesbische Kommissarinnen, deren Migrationshintergrund immer zum Thema werden muss! NDR schreibt Vielfalt im Tatort ganz groß. Seit Neustem machen sie sich sogar selbst Vorschriften, die vom „Inclusion-Rider-Concept“ der US-Unterhaltungsindustrie inspiriert sind. In der Tatort-Folge „Schattenleben” aus dem Juni dieses Jahres sind 17 % der an der Produktion beteiligten Personen „BIPOC” (Black, Indigenous and People Of Colour, die neue korrekte Bezeichnung). Außerdem sind ganze 65 % der Führungspositionen mit Frauen besetzt. Der Grund dahinter soll „äußere Repräsentation” sein, entschuldige den Kraftausdruck, aber: was ein Bullshit. Man wird nie jeden repräsentieren können. Und wenn man einmal damit anfängt, verrennt man sich schnell. Ich finde es gibt nicht genug rothaarige Kommissarinnen mit Sommersprossen, deswegen fühle ich mich nicht ausreichend repräsentiert. Das ist strukturelle Rotschopf-Feindlichkeit. Vielleicht sollten Krimiautoren sich einfach mal wieder neue, spannende Geschichten ausdenken, statt zu überlegen, welchen der Filmcharaktere sie noch trans- oder homosexuell machen können. Könnte es sogar sein, dass diese penetrante Diversität im deutschen Fernsehen eigentlich nur dazu dient, die Ideenlosigkeit der Drehbuchautoren zu kaschieren? Der „Wir sind divers!”-Ausruf in modernen Krimiserien ist nichts anderes als die erhobene weiße Flagge: Der Krimi ergibt sich, er hat nichts Besseres zu bieten, als seine ach-so-schöne Diversität.

 

Die Fähigkeit, ein guter Kommissar zu sein, hat doch nichts damit zu tun, welche Geschlechtsorgane oder welche Hautfarbe jemand hat. Ich gucke wöchentlich die alten Krimis und dabei fällt mir auf: Ich möchte auch so ein cooler Detektiv wie Matula sein. Und dass er ein vierzig-jähriger Frauenschwarm ist, hält mich nicht davon ab. Ob ich mich mit einem Kommissar identifiziere oder ihn als Vorbild betrachte, hängt nicht von seinem Geschlecht ab – sondern allein davon, wie der Charakter durch den Schauspieler dargestellt wird. Wie er spricht, wie er sich bewegt und gibt. Alles, was ich mir für moderne Krimis wünsche, ist weniger erzwungene Diversität. Also, liebe Tatort-Autoren: Statt gezielt nach schwarzen Schauspielern zu suchen, solltet ihr vielleicht lieber mal nach guten Schauspielern suchen – und wenn diese schwarz sind, dann sind sie schwarz – na und? Außerdem fände ich es cool, ein bisschen weniger sinnlose, brutale Gewalt zu sehen. Vielleicht ist dann – aber auch nur dann – endlich wieder Platz für neue, kreative und vor allem spannende Krimifilme.

4 Antworten

  1. Tim sagt:

    Habe zwar seit ungefähr einem Jahrzehnt keine Tatorte mehr gesehen – aber es war klar, dass die inzwischen nicht besser geworden sind. Die Münsterer waren wenigstens öfter mal lustig…. aber auch bei denen war immer klar: der Täter ist der Unternehmer, wenn es keinen gibt war es dieser junge blonde Unsympat der so offensichtlich gemeine Kommentare über die Dönerbude vom Stapel gelassen hat. (Und wenn er nicht der Mörder ist, wird zumindest noch 27mal klar gemacht, dass der voll fies und gemein ist und die Kommisare „geigen“ ihm mal richtig die Meinung!)

  2. Clara Schmied sagt:

    Ja! Sie sprechen mir aus der Seele. Die alten Serien wieder zu gucken ist allerdings eine sehr gute Idee…

  3. Ursula Singh sagt:

    Danke, danke, danke! So gut hätte ich es nie beschreiben können. Was diese Gutmenschen-Filmemacher nicht wissen, ist die Tatsache, dass sie mit diesem Diversity-Mix genau das Gegenteil erreichen. Ich kann es nicht mehr sehen!

  4. Thomas Behrendt sagt:

    Sehr geehrte Frau Graalfs,
    Sie haben ja so Recht. Auch ich habe in den 80ern und 90ern fast jeden Sonntag Abend den Tatort geguckt. Der Grund:: gute Unterhaltung – sonst nichts. Seit ca. 20 Jahren kann man nicht nur keinen Krimi mehr gucken, sondern eigentlich überhaupt kein Fernsehen. Auch das hat einen einfachen Grund: Genau wie in der Politik betreiben die Sender nur noch Volkserziehung. Unter dem ständigen Bemühen, unbedingt irgend eine vermeintlich diskriminierte Minderheit und deren Probleme in den Mittelpunkt zu stellen, leidet die Qualität. Das ist so erzwungen und gewollt. Die Zuschauer werden zum Erziehungsobjekt entmündigt. Typen wie Schimanski, Derrick, der Alte sind heute undenkbar, Aber wenn nur noch lesbische, schwule oder diverse Kommissare und innen durchs Bild stapfen, bleibt nur eins: abschalten. Ein Medium schafft sich ab.