Diskussionen in der Schule. Warum sind alle so empfindlich? 

Von Gesche Javelin | Neulich im Deutschunterricht sollten wir über die Gesundheitsdiktatur in dem Buch „Corpus delicti“ von Juli Zeh diskutieren. Das Problem war nur: unsere Deutschlehrerin hat eine sehr besondere Auffassung von Diskussionskultur. Egal welche These aufgestellt oder welches Argument von uns Schülern vorgebracht wurde – sobald man von ihrer eigenen Meinung abgewichen ist, hat sie unsere Worte irgendwie so hingedreht, dass sie doch wieder ihren Ansichten entsprachen.

Beispiel gefällig? Ich habe an einer Stelle gesagt, dass es doch besser wäre, Menschen von Gesundheitsmaßnahmen zu überzeugen, damit sie diese freiwillig umsetzen, anstatt sie dazu zu zwingen. Ihre Antwort darauf war: „Aber die Intensivbetten sind ja so überfüllt, wenn wir keine Maskenpflicht hätten, würden noch mehr Menschen sterben.“ Das war mir dann echt zu doof. So etwas ist doch keine Diskussion! Vielleicht bin ich ja naiv, aber ich dachte immer, ein Streitgespräch ist ein Austausch verschiedener Meinungen und das beinhaltet auch auf die andere Meinung einzugehen und eventuell sogar überzeugt zu werden und nicht partout auf seiner Meinung zu beharren. Aber vielleicht bin ich da ja nicht auf dem aktuellen Stand.

Emotionen statt Argumente

Die meisten Diskussionen, die ich in letzter Zeit beobachtet habe, laufen leider ähnlich ab, wie die mit meiner Deutschlehrerin. Argumente werden nicht gehört, stattdessen wird sofort emotionalisiert – der Gegenpart kann gar nicht anders als ausweichen oder abwehren. Ein Austausch findet kaum statt – wenn der Mensch dann noch aus dem anderen politischen Lager kommt, wird es ganz schwierig.

In der Schule wird uns beigebracht, dass es schlecht ist, kritisch zu denken. Am besten man plappert dem Lehrer nach, dann ist man auf der sicheren Seite. Und wenn man mal etwas gegen beliebte Personen äußert, gehört man nicht mehr dazu. Bei Diskussionen in der Schule muss man inzwischen bei jedem zweiten Satz verdeutlichen, dass man damit auch niemanden verletzen oder diskriminieren möchte. Wenn man sich dann doch mal traut, etwas gegen die vorherrschende Meinung zu sagen, wird nur geschockt geguckt – „Wie kannst du es wagen!“ – gleich wird von allen Seiten auf einen eingeredet oder nur spöttisch gelacht. Es wird einem beigebracht, Angst vor anderen Meinungen zu haben.

Angst vor politisch unkorrekten Meinungen

Doch nicht nur in meinem Umfeld sind Diskussionen fast unmöglich geworden – auch in Talkshows kann man kaum noch eine Streitkultur entdecken. Illner und Co sollten uns ein Bild von dem aktuellen Meinungsspektrum geben – stattdessen zeigen sie uns nur unkritisch moderierte Darstellungen von „wichtigen“ Persönlichkeiten. Unsere Diskussionskultur spiegelt sich eigentlich ziemlich gut in den Talkshows wider. Es wird nur die politisch korrekte Meinung zugelassen, ansonsten wird unterbrochen, rausgeschnitten oder die Moralkeule geschwungen. Es herrscht Angst vor anderen Meinungen, weil die politisch unkorrekt sein könnten. Es geht den Diskutanten nur noch darum, ihr Gesicht zu wahren und unbedingt die stärksten Schläge zu haben – einander zuzuhören und Argumente inhaltlich abzuwägen ist nebensächlich.

Die aktuelle Diskussionskultur kommt mir vor wie ein immer engerer zugeschnürtes Meinungskorsett: Jeder, der bei dem Mainstream-Blabla nicht mitmachen möchte, wird einfach ausgeschlossen. Angeblich gibt es heute nicht mehr so viel Tabuthemen wie früher. Okay, über Sex wird heute offen geredet und Kinder werden in der dritten Klasse über verschiedene Sexualitäten und Geschlechtsumwandlung unterrichtet, doch wenn man anfängt, den menschengemachten Klimawandel oder Corona zu hinterfragen, herrscht allgemeine Panik. Sollten wir nicht inzwischen gelernt haben, dass Tabuthemen nur bewirken, dass sich die wildesten Theorien entwickeln? Nicht umsonst haben früher viele Mädchen geglaubt, dass man nur durch Blickkontakt mit einem Jungen schwanger werden kann.

Es bringt doch einfach nichts, um kontroverse Themen einen großen Bogen zu machen, so als wären sie eine ansteckende Krankheit. Diskussionsvermeidung bewirkt nur, dass die Menschen gar nicht mehr an ihren Überzeugungen zweifeln. Ich bin dafür, dass wir auch die wildesten Theorien offen diskutieren. Die Welt ist doch viel spannender, wenn man sich streitet. Und: Jede große Entdeckung war am Anfang mal eine wilde Theorie.

1 Antwort

  1. Tim sagt:

    Lehrer sind (mit Masse) das was man im Englischen als „midwit“ bezeichnet. Also „Halbintelligente“ deren größte Sorge es ist, in den Augen der Intelektuellen als doof dazustehen. Deshalb war es auch so einfach sie mit den staatlichen Medien zu beeinflussen. Ein paar Forsaumfragen nach welchen „Abiturienten“ zu größeren Teilen Atomkraft ablehnen und Türken toll finden als die blöden „Hauptschüler“ und schon war für die Midwits klar wie man sich mit einem 110er IQ als Genie ausgeben kann. Das Menschen mit einem IQ über 130 (und erst recht jene deutlich darüber) eine so plumpe Frage (bspw. „Sind Sie für oder gegen Atomkraft?“) günstigstenfalls belächeln – meist jedoch Kopfschmerzen bekommen, dass auf solche Art und Weise politische Entscheidungen beeinflusst werden, ist denen schlicht egal. Die „Hauptschulabbrecher haben deshalb häufiger die gleichen Ansichten wie intelligente Menschen, weil ihnen die Alüren der Halbintelligenten fremd sind (es nimmt ihnen ohnehin niemand ab, das sie – „fast beinahe“ die Professur für angewandte Physik bekommen hätten) und sie sind mit der Realität sehr viel unmittelbarer konfrontiert. (Sie schmerzen steigende Energiepreise schneller – und wieviele Tote pro kwh welche Energieerzeugung „produziert“ können sie auch googeln! …. Nicht mehr googeln können sie – aufgrund politischer Entscheidungen – die verschiedenen Vergewaltigungsraten …. aber die erleben sie in ihren Wohnvierteln (in denen ja nicht die syrischen Ingenieure und iranischen Ärzte leben) – und sie haben eben auch keine politisch besetzte Stelle als „Genderbeauftragter“ zu verlieren – oder müssen als Maurer auch nicht befürchten dass die Disziplinaraufsicht ihnen auf die Finger klopft…. wie es bei einem Lehrer für Sozialkunde geschieht, wenn er ein Gehirn hat (und es auch benutzt).