Die Selbstzensur des Westens gegenüber Chinas Machthabern

Von Sebastian Thormann | Letzte Woche zeigte der Manager des Basketball-Teams Houston Rockets auf Twitter seine Unterstützung für die pro-demokratischen Demonstranten in Hongkong. Kurze Zeit später musste er den Tweet löschen und sich entschuldigen, die amerikanische Basketball-Liga NBA setze ein Statement ab, in dem es hieß der Tweet “habe viele chinesische Fans verletzt”. Was war passiert?

Die NBA überträgt ihre Spiele nämlich auch nach China, und hat mit China einen riesigen Basketball-begeisterten Markt für Sport-Übertragungen. Chinesische Staatsmedien hatten nach dem Tweet angekündigt, Spiele der Houston Rockets nun nicht mehr zu übertragen. Das führt dazu, dass nun mitunter sogar Fans mit “Free Hong Kong” Plakaten aus US-Stadien entfernt werden – während dort die amerikanische Nationalhymne gespielt wird, die vom “Land der Freien und der Tapferen” handelt. 

Das Vorgehen der NBA haben jetzt Kongressmitglieder von beiden Parteien, von der sozialistischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez aus New York bis hin zum konservativen Senator Ted Cruz aus Texas, in einem gemeinsamen Brief aufs Schärfste als “unamerikanisch” verurteilt. 

Diese Praxis ist aber nichts neues. Auch in der Filmbranche, die in China einen gewaltigen Absatzmarkt hat und immer häufiger mit chinesischen Unternehmen zusammenarbeitet, sieht man solche Selbstzensur. Beim Trailer zur Fortsetzung des Action-Films Top Gun zeigt sich etwa im Detail ein bemerkenswerter Unterschied zum ersten Teil aus den 80ern: Die Fahnen der amerikanischen Verbündeten in Asien und vor allem Gegenspielern Chinas, nämlich Japan und Taiwan, sind nun nicht mehr auf der Lederjacke des Protagonisten zu erkennen.

Einen aktuellen Fall dieser Zensur im vorauseilenden Gehorsam gegenüber der chinesischen Führung sieht man jetzt auch in der Videospiel-Branche: Entwickler Blizzard suspendierte am Wochenende den E-Sportler Ng Wai “Blitzchung” Chung, nachdem dieser in einem Interview seine Unterstützung für Hongkongs Demonstranten gezeigt hatte.

Es wäre wohl an der Zeit, dass sich diese Unternehmen auf die freiheitlichen Werte des Westen zurückbesinnen, auch weil diese ihnen oft überhaupt erst ihren Erfolg ermöglichten, statt sie in Anbiederung an Peking zu verraten.

1 Antwort

  1. moneypenny sagt:

    Danke für diesen informativen Artikel, der ja wegen der übrigen Ereignisse leider etwas unterging… Aber China wird zns wohl noch mehr beschäftigen, als uns lieb ist.
    Das mit den Aufnähern in Top Gun ist ja wirklich skandalös.