Die kuriosesten Steuern Deutschlands – von denen kaum jemand etwas weiß

Von Sarah Victoria | Die Frage, wie sich der Staat finanziert, spielte in meinem Lebenslauf bislang keine große Rolle, was vor allem daran liegt, dass ich ihn bis heute nicht finanziert habe. Der Staat will nur mein Bestes – mein Geld, und davon habe ich keins. Damit das auch so bleibt habe ich extra ein geisteswissenschaftliches Studium gewählt. Dabei gibt sich gerade der deutsche Staat so viel Mühe, seinen Bürgern die Angst vor dem Griff in den Geldbeutel zu nehmen.

Steuern sind unser Wegbegleiter, durch fast alle Lebensbereiche hindurch und ein jeder zahlt, von morgens bis abends, bewusst oder unbewusst. Wie auch in der Integrationspolitik heißt es, Angst durch Berührungspunkte zu nehmen, Steuern in den Alltag zu integrieren und Vorurteile abzubauen. Zwar wurde bislang noch nicht vor Finanzämtern geklatscht oder „Kein Fiskus ist illegal“ auf T-Shirts gedruckt, aber nach meiner Recherche weiß ich jetzt: Von wegen deutsche Beamte hätten hinter der juristischen Sprachbarriere keinen Humor – manche Steuerarten können doch nur ein Witz sein.

Der Staat will nur mein Bestes – mein Geld, und davon habe ich keins.

Grundsätzlich handelt es sich bei Steuern um Zwangsabgaben, also Abgaben, die ohne Gegenleistung auf Güter, Dienstleistungen oder Geschäftsvorfälle erhoben werden. Das Steuersystem ist dabei keine Erfindung der Neuzeit, sondern begleitet die Menschheit schon mehrere Jahrtausende durch die Geschichte, sei es zu Zeiten von Kaisern, Zaren, Monarchen oder Demokraten gewesen. Nur die Steuererklärung und Begriffe wie „Lenkungssteuer“, also die Besteuerung mit guter Absicht, haben sich erst in der Moderne etabliert. Steuern können auf der Bundesebene, der Länderebene oder der Kommunalebene, also in den Gemeinden, eingenommen werden.

Dadurch gibt es auch unterschiedliche Gestaltungsspielräume, so dass die Gemeinden ihrer Kreativität mehr freien Lauf lassen können als etwa die Bundesregierung. Die musste bisher damit vorlieb nehmen, alte Steuerarten modern zu halten.  Kuriositäten lassen sich dabei vor allem bei den Verbrauchssteuern, also den Steuern auf Grundnahrungsmittel und bei der Besteuerung von Luxusgütern finden. Die Verbrauchssteuern werden dabei vom Zoll erhoben, allein 2020 wurden hier 63 Mrd. Euro eingenommen. Zum Vergleich, das ist mehr Geld, als die Ampelkoalition plant im gesamten nächsten Jahr zu investieren!

Hier eine kleine Auswahl an den kuriosesten Steuern, die ich finden könnte:

Die Kassenschlager

⇒ Biersteuer

Die Biersteuer wird als Verbrauchssteuer ausnahmsweise, auf Bestreben Bayerns natürlich, durch die Länder eingenommen. Der Steuersatz ergibt sich aus einer Kombination von Stammwürzgehalt und Produktionsmenge. Für Hobbybrauer (die sich übrigens beim Zoll registrieren müssen) wird es ab einer Menge von 200 Litern gefährlich. Alkoholfreies Bier ist übrigens nicht steuerpflichtig, Radler aber schon.

Einnahmen 2020: 617 Mio. Euro

⇒ Totalisatorsteuer

Totalisatorsteuer ist der Spitzname für die Versteuerung von Wetteinsätzen bei Pferderennen, Sportwetten und Lotterien. Scrabble-Liebhaber aufgepasst, die offizielle Abkürzung lautet RennwLottG-Steuer. Sie ist schon 1922 eingeführt worden, feiert dieses Jahr also 100. Geburtstag. Die Gelegenheit also, die Wetteinsätze etwas zu erhöhen, die Landeskasse gewinnt immer. Ganz vorne mit dabei sind übrigens Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg .

Einnahmen 2020: 2,4 Mrd. Euro


⇒ Tabak- und Kaffeesteuer

Nicht nur den Pflegekräften gebührt unser Dank, nein auch die Raucher und Kaffeetrinker haben durch ihren Konsum den Bundeshaushalt in den Pandemiejahren flüssig gehalten. Tabak und Zigaretten sorgen schon seit Jahrhunderten für Staatseinnahmen, die jetzige Gesetzesfassung stammt aus dem Jahr 1953 und wurde 2009 überarbeitet.

Einnahmen 2020: 14,65 Mrd. Euro und 1,06 Mrd. Euro

Die besonders Kreativen

⇒ Alkopopsteuer

Die Alkopopsteuer wird dieses Jahr volljährig (*2004)  und ist eine Sondersteuer auf alkoholhaltige Süßgetränke. Sie fällt neben der Schaumweinsteuer in den Topf der Alkoholsteuer. Das Alkoholsteuergesetz war bis 2018 noch bekannt unter dem Branntweingesetz und stammt aus dem Jahr 1919, finanzierte aber schon Jahrhunderte davor den Staatshaushalt. Insgesamt hat die Alkoholsteuer 2020 2,2 Mrd. Euro in die staatlichen Kassen gebracht.

Einnahmen 2020: 11 Mio. Euro

Bagatellsteuern

Bagatellsteuern sind kommunal erhobene Steuern mit einem besonderen Erhebungsgrund. Sie werden meist als belanglos abgetan, aber gerade dadurch finden sich hier besondere Schätze beamtlicher Kreativität. Diese Kreativität hat im Jahr 2020 insgesamt über eine Mrd. Euro in die Staatskassen eingebracht. Bislang wurden folgende Steuermöglichkeiten genehmigt:

⇒ Hunde- und Pferdesteuer

Gerechtfertigt wird dies als Aufwandsentschädigung für die erhöhte Verschmutzung von kommunalen Wegen. Aufpreis gibt es bei bestimmten Hunderassen. Eine Katzensteuer gab es seit der Gründung der Bundesrepublik nicht mehr.

⇒ Kinosteuer

Die Kinosteuer fällt unter die örtliche Vergnügungssteuer und wird seit den 30er Jahren auf die Vorführung von Filmen erhoben.

⇒ Sexsteuer

In manchen Kommunen müssen Prostituierte auf bestimmten Straßen eine Standgebühr bezahlen, in anderen wurde eine Zusatzabgabe für Bordellbesitzer eingeführt. Pro Prostituierte werden hierbei – wirklich – genau 6 Euro pro Veranstaltungstag eingenommen.

Was lernen wir also daraus? Der Staat wendet gerne umgekehrte Psychologie an, um die leeren Kassen zu füllen. Gerade in Deutschland gilt: Umsonst ist nur der Tod und selbst der kostet was. Eigentlich müssten wir den Rauchern, Kaffeetrinkern und Glückspiel-Süchtigen danken, dass sie unseren Staatshaushalt am Leben erhalten. Die neue Bundesregierung hat dieses Prinzip erkannt und mit der Legalisierung von Cannabis Werbung gemacht, immerhin winken hier Schätzungen von 2,5 Mrd. Euro Steuereinnahmen. Wer sagt, dass Steuern zahlen langweilig sein muss? Im Zweifel heißt es einfach: Ist wieder mal die Kasse leer, muss eine neue Steuer her!

Apollo-Umfrage

 

Der Preußenkönig Friedrich I. war bekannt für seine abstrusen Steuereinnahmen. Welche seiner Ideen sollte wieder eingeführt werden?

Welche Steuer fehlt noch in Deutschland?

Von welchem Spitzenpolitiker würdest du gerne die Steuererklärung einsehen können?

Was sollte man von der Steuer absetzen können?



Mehr zum Thema:

Zahlen des statistischen Bundesamtes: https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Steuereinnahmen/_inhalt.html

Schon fast 50 Jahre führt der Bund der Steuerzahler ein Schwarzbuch über die Verschwendung von Steuergeldern: https://www.steuerzahler.de/aktion-position/steuerrecht/steuernvonabisz/


»Nichts in dieser Welt ist sicher – außer dem Tod und den Steuern.«
– Benjamin Franklin


1 Antwort

  1. Cookie Monster sagt:

    Mir unverständlich, dass es immer noch keine Steuer aufs Atmen gibt. Dabei hat Kishon die in seinem Buch „Kishon für Steuerzahler“ bereits ausführlich beschrieben. Naja, wenn sie die CO2-Steuer auf Lebewesen ausdehnen, kommt’s ja auf dasselbe raus.