Die ist uns zu amerikanisch – Frau in Saudi-Arabien verliert Sorgerecht

Von Manuel Freund | Bethany Vierra ist eine Amerikanerin. Sie heiratete einen Mann aus Saudi-Arabien und bekam mit ihm ein Kind. Ihre Tochter Zaina ist inzwischen vier Jahre alt. Kürzlich trennte sich das Ehepaar, die genauen Gründe sind unbekannt, man kann nur spekulieren. Nun stellt sich natürlich die Frage: Wer bekommt das Kind?

Hier konnte sich saudi-arabische Gleichberechtigung wieder in voller Pracht zeigen. Selbstverständlich wurde der Mutter das Sorgerecht entzogen. Die Begründung war jedoch nicht Geschlechts-bedingt. Saudi-Arabien ist nämlich neben der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau für noch etwas anderes bekannt: Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen. Das Urteil wurde vom Gericht damit begründet, dass die Frau den Islam nicht kenne. Sie könne dementsprechend dem Kind nicht die richtigen Werte vermitteln. Außerdem ist sie eine Ausländerin und lebt weiterhin nach westlichen Werten. Man dürfe ein Kind nicht mit diesem schlechten Einfluss alleine lassen. Am Ende wird das Kind noch aufgeschlossen und das wäre ja schrecklich. Besonders die amerikanischen Traditionen waren dem Richter ein Dorn im Auge. Bethany besuchte das “Burning-Man-Festival”, für Saudis ein wahrer Hexentanz. Die Kostüme, das viele Tanzen und der Konsum von Alkohol auf dem Festival bewegten den Richter dazu, das Burning-Man-Festival als das seltsamste der Welt einzustufen. Und wie wir alle wissen, verbietet die Scharia zu viel Spaß.

Des Weiteren trug der Anwalt des Vaters vor, dass Bethany auf diversen Social-Media-Plattformen Accounts gefolgt ist, die Freizügigkeit und Erotik zeigen. Dies sei – so der Anwalt – nicht mit der heimischen Religion und den saudi-arabischen Werten vereinbar.

Nun, die Begründung ist schon bizarr genug. Jetzt gibt es allerdings noch ein paar Umstände, die das ganze wirklich pervers machen. Der Erziehungsberechtigte ist aktuell gar nicht der Vater, sondern die Oma väterlicherseits. Dies soll nur übergangsweise so sein, denn der Vater leidet aktuell unter einem Drogenproblem und wohnt deswegen auch bei seiner Mutter. Achso, der Mutter wird also das Kind entzogen, weil sie auf einem Festival war, auf dem teilweise Drogen konsumiert werden und dann gibt man das Kind in die Obhut eines Mannes mit Drogenproblemen – klingt logisch.

Der Richter erklärt uns noch einmal, warum er so entschieden hat, obwohl das für jeden gesunden Menschenverstand klar sein sollte: Der Vater komme sicherlich nur übergangsweise bei seiner Mutter unter.

Außerdem liege es nicht in der Natur des Mannes, sich um die Erziehung zu kümmern, deswegen sei die Oma eine gute Unterstützung. Interessant, dann ist es ja gut, dass der Mutter das Sorgerecht entzogen wurde.

Das Beispiel zeigt mal wieder, wie unaufgeschlossen Saudi-Arabien ist. Es wird tunlichst versucht, Aufklärung zu vermeiden. Das Volk soll sich dem Islam beugen und das tun, was die örtliche Scharia besagt, denn nur so ist ein Volk leicht zu unterdrücken und regierbar. Wenn sich jemand nicht diesem Lebensstil anpasst, dann gnade ihm Allah.