Die historische Schande?

Von Max Zimmer | Donald Trump wurde vom japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe für den Friedensnobelpreis nominiert – und die europäische Presse erlebt ein kleines Beben.

Allerorts hört man empörte Stimmen, aber auch als Satire-Gold wird die Nominierung aller Orts als Steilvorlage betrachtet.
Doch ist Trump wirklich die größte Empörung, die das Nobelpreis-Komitee je auf ihrem Tisch liegen hatte?

Seit 1901 wird der Friedensnobelpreis an Menschen verliehen, die mit ihrem Engagement (angeblich) zu einem friedlicheren internationalen Miteinander beigetragen haben.
Sieht man sich jedoch die Auszeichnungen und Nominierungen der letzten Jahrzehnte für eben diesen “Friedens“preis an, kann man an der Integrität der Jury zumindest Zweifel äußern und Donald Trump getrost als eine durchschnittliche Nominierung bezeichnen.
So wurden nicht nur Koryphäen des Pazifismus wie Adolf Hitler oder Joseph Stalin einst nominiert, auch jüngere “Ausrutscher“ des Komitees führen zu einer gar nicht mal so kurzen Liste fragwürdiger Auszeichnungen.

Darunter befinden sich:

Jassir Arafat – der palästinensische Politiker, der 1957 die Fatah (palästinensische Terrororganisation, verantwortlich für viele Anschläge auf zivile Ziele) mit gegründet, und Zeit seines Lebens mit gewaltvollen Mitteln gegen die Existenz des israelischen Staates gekämpft hat.
Auch unterstützte er den Einmarsch des Hussein-Regimes 1991 in Kuwait, und bekannte sich solidarisch zur Intifada.
1993 wurde er durch die schwindende Unterstützung für ihn und die PLO in der arabischen Welt zu Friedensverhandlungen mit Israel gezwungen, die in den Osloer Friedensverträgen mündeten.
Dessen Inhalt wurde zwar vom Knesset (israelisches Parlament) völkerrechtlich bindend ratifiziert, nie aber von der PLO.
Dennoch bekam Arrafat zusammen mit Yitzhak Rabin und Schimon Peres den Friedensnobelpreis.

Jimmy Carter – der amerikanische Präsident, der im Jahre 1979 Taiwan verraten hat, indem er in Folge der ersten diplomatischen Aktivitäten mit der Volksrepublik China die Ein-China Politik etablierte, die Vertretung der USA aus Taipeh formal abzog und sich damit dem kommunistischen Regime in Peking vor die Füße warf, ist ebenfalls ein Friedensnobelpreisträger.
Auch war es Carter, der sich im Wahlkampf mit dem Kriegsverbrecher William Calley Jr. solidarisierte, der für das Massaker von My Lai in Vietnam verantwortlich war, und der während seiner Amtszeit zu Indonesien weiterhin gute Beziehungen unterhielt, trotz des Massenmordes in Osttimor.
Die islamische Revolution im Iran bekämpfte die Carter-Administration auch nicht, es hieß sogar, dass diese in den eigenen Reihen begrüßt werden würde, da der persische Schah sich zuvor eher von den USA abgewandt hatte.
Nach der Geiselnahme der Mitarbeiter in der US-Botschaft in Teheran gelang Carter keine erfolgreiche Verhandlung oder Beendigung der Geiselnahme, sie dauerte 444 Tage an.
Wenige Minuten nach der Vereidigung seines Nachfolgers Ronald Reagans wurde sie im Januar 1981 in Verhandlungen ohne Blutvergießen beendet.

IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) – Der UN-Klimarat, seit 1988 hoch offiziell damit beauftragt, “Beweise“ für den menschengemachten Klimawandel zusammenzutragen, wurde ebenfalls mit der hohen Auszeichnung gewürdigt.
Was genau dieser “Rat“ mit Frieden zu tun hat bleibt zwar ein Rätsel, aber es ist doch schön, wenn die Elite der Welt so energisch die Rettung derselbigen vorantreibt, dass sie sich selbst dafür auszeichnet.

Die Europäische Union – die EU wird oft als “das Friedensprojekt der letzten Jahrzehnte“ gepriesen.
Vergessen wird dabei jedoch, dass die EU in ihrer heutigen Form erst seit den Verträgen von Maastricht und Lissabon besteht, und mit der eigentlichen europäischen Integration sowie der Deutsch-Französischen Freundschaft nichts zu tun hat – das ist nämlich das Ergebnis der etwa 40 Jahre älteren “Europäischen Gemeinschaft“, die viel mehr ein loser Bund der westeuropäischen Staaten ohne gemeinsame Währung oder bürokratische Verordnungen war – so, wie es sich viele Bürger der europäischen Nationalstaaten auch heute zurückwünschen.

Barack Obama – der ehemalige US-Präsident hat kurz nach seinem Amtsantritt den Friedensnobelpreis entgegennehmen dürfen.
Es waren Vorschusslorbeeren, die der erste schwarze Präsident nie verdient hat.
Unter ihm hat die NSA ihre eigenen Bürger ausspioniert. Er hat Assad in Syrien gewähren lassen, versprochene “rote Linien“ wurden nie eingehalten, und er hat den Aufstieg des IS ermöglicht.
Mit dem Iran-Abkommen wurde ein “Deal“ ausgehandelt, der den Iran de facto zu nichts verpflichtet, außer (nach vorheriger Anmeldung) Inspekteure der Atomenergiebehörde die eigenen Anlagen untersuchen zu lassen.
Im Gegenzug wurden Sanktionen fallen gelassen und Gelder gezahlt, auch vorher eingefrorene Konten wurden vom Regime in Teheran wieder benutzt – insgesamt hatte es dadurch Mehreinnahmen von bis zu 150 Milliarden Dollar.
Mit diesem Geld finanziert der Iran unter anderem Terrororganisationen in Syrien, Palästina, Libanon und Jemen.
Auch verbietet das Abkommen nicht die Entwicklung von Langstreckenraketen, der eigentliche Kernpunkt der atomaren Aufrüstung.
Auch dieser US-Präsident ist Träger dieser “Friedensauszeichnung“.

Im besten Fall also kann der Friedensnobelpreis mehr als eine Empfehlung, ehrlicher ausgesprochen als eine Farce gesehen werden.
Zwar wurden auch immer wieder wirklich tolle Menschen und Projekte ausgezeichnet, das muss an dieser Stelle auch gesagt werden.
Aber die künstliche Aufregung, die sich um die alleinige Nominierung Donald Trumps abzeichnet, ist ein einziges Affentheater, wenn man sich anguckt, dass sich bei den oben aufgeführten Auszeichnung so gut wie niemand kritisch mit dem Preis auseinandersetzt hat.
Die Anti-Trump Hysterie kennt keine Rationalität, sondern kommt meist, wie die Reaktion eines Kleinkindes auf das Wegnehmen des Spielzeugs daher – laut, unangebracht, infantil.
Der Friedensnobelpreis wird wohl nicht an Trump gehen – vielleicht spricht das aber auch mehr für ihn, als wenn er ihn bekommen würde.

1 Antwort

  1. karlchen sagt:

    Potztausend, Hagel und Granaten… wer hätte das gedacht?! Koryphäen des Pazifismus – köstlich!
    Würde mich nicht wundern, wenn demnächst wer auch noch unsere Sonnenkanzlerin vorschlagen würde.