Die Fleischsteuer – falsche Ziele, mit falschen Methoden

Von Leopold Vogt | Die Problematik der Niedrigstlöhne in der Fleischproduktion ist seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten bekannt. Trotzdem wurde nie wirklich etwas unternommen, erst jetzt, wenn der Druck auf Politiker untragbar wird, wird ernsthaft etwas für die Arbeiter getan. Doch damit ist die Debatte nicht beendet, sie weitet sich stattdessen immer weiter aus: Aus einer Diskussion um bessere Arbeitsbedingungen wurde eine allgemeine Verbotskampagne gegen tierisches Essen .

Das Argument ist simpel: Durch niedrige Preise können sich die Bürger zu viele gute Lebensmittel kaufen und die Tiere und Bauern würden rücksichtslos ausgebeutet. Da scheint die Lösung natürlich ganz klar: Der Preis für Fleisch muss steigen, soll der Pöbel doch Kartoffeln essen. Denn dann – und nur dann, werden die magischen Kräfte der drohenden Betriebsinsolvenz die Putenmast zum Wellness-Urlaub machen! Dass das nicht funktionieren kann ist offensichtlich, oder führt die Tabaksteuer etwa zu schöneren Tabakfeldern?

Tatsächlich ist das Problem hinter ungenügenden Haltungsbedingungen nicht der niedrige Erzeugerpreis – sondern undurchsichtige und inkonsequente Vorgehensweisen in den zuständigen Ministerien. Denn sowohl die Haltungsbedingungen für Nutztiere als auch die Arbeitsbedingungen für Menschen unterliegen jetzt schon strenger Regulierung. All diese Gesetze sind ja genau dazu erlassen worden, bedrückende Situationen wie bei Tönnies zu verhindern. Geringe Anpassungen helfen hier schon maßgeblich, um die Bedingungen erheblich zu verbessern, wie das mit Werkverträgen jetzt auch geschieht.

Auch in der Tierproduktion ist genau festgelegt, wie viel Fläche jedes Tier mindestens haben muss, auch wie mit ihm umgegangen wird unterliegt staatlicher Kontrolle. Dass das Verbot von betäubungsfreier Ferkelkastration wieder verschoben wurde war hier öffentlichkeitswirksame Demonstration fehlenden Willens zu tun, was lange angekündigt wurde und einfach – und verhältnismäßig günstig – möglich gewesen wäre.

Im Zweifel eine Steuer

Statt hier anzusetzen und einen Plan zu erstellen, welche Mindestanforderungen in Zukunft in Kraft treten sollen, versucht sich Frau Klöckner am modernen Mittel der staatlichen Umverteilung: Tierprodukte werden stärker besteuert, um mit dem eingenommenen Geld Stallneubauten zu subventionieren.

Doch dieses Vorgehen ist unsinnig und teuer, auch wenn bis jetzt noch nicht konkret feststeht, wie viel teurer alles wird. Denn bis 2040 – und bis dahin will Klöckner die Haltungsbedingungen verbessern – werden sowieso die meisten Stallungen neu bzw. maßgeblich umgebaut werden, so rechnet das sächsische Landwirtschaftsamt mit einer Abschreibung von Stallgebäuden in 30, der Ausrüstung in 12 Jahren. Das bedeutet, selbst ein 2015 fertiggestellter neuer Stall kann betriebswirtschaftlich gut bis 2040 saniert und bis 2050 neu gebaut werden, ohne jemandem übermäßige finanzielle Belastungen zuzumuten. Verbesserte Bedingungen für die Tiere sind bei Sanierungsmaßnahmen ohnehin alltäglich und werden ohnehin oft schon bezuschusst.

Oft rationalisiert man beim Umstieg auf artgerechte Haltung auch viel Arbeitsaufwand weg, so sind Laufställe für Rinder generell viel einfacher (und damit preiswerter) zu betreiben als Anbindeställe und der Betrieb allgemein profitabler. Mehr Tierwohl geht oft mit weniger Arbeit und damit geringeren Produktionskosten einher, sodass rein wirtschaftliche Bestrebungen mittelfristig zu mehr Tierwohl führen.

Auch sonst ist die Agrarwirtschaft und die Lebensmittelindustrie kein rechtsfreier Raum, in dem jeder nach schlechtestem Gewissen handeln könnte, sondern ein durchreguliertes und kontrolliertes Geschäft, in dem inzwischen jedes Korn Dünger dokumentiert wird. Gleichzeitig wird – um die globale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten – per Subventionen die Produktion bezuschusst, auch und gerade zur Pflege der Kulturlandschaft und Verbesserungen zugunsten des Tierwohls. Hier könnten kleine Umstellungen in der Subventionspolitik zu deutlichen Verbesserungen führen: zum Beispiel, wenn Mittel noch mehr auf die Förderung artgerechter Haltung konzentriert werden. Entsprechende Verbesserungen sind zum Beispiel größere Laufställe, aber auch Verwendung von besseren Bodenbelägen in der Schweine- und Geflügelhaltung.

Der Kampf gegen das Fleisch

Frau Klöckner wird vermutlich umfassend von Experten beraten, warum greift sie also zur Verteuerung qua Finanzamt, wenn diese offensichtlich nicht notwendig ist? Immerhin müssen besonders in Krisenzeiten einkommensschwache Familien auf jeden Cent achten, mit ordentlicher Besteuerung wird da der Sonntagsbraten für fünf Personen schnell zum weihnachtlichen Privileg.

Eine ins Auge stechende Erklärung hierfür ist das Motiv, dass seit Jahren die Diskussion über die vermeintlich bessere Ernährung dominiert: Fleischverzehr wird als böse, als klimaschädlich, als unmenschlich und naturzerstörend betrachtet.

Mit zumindest der Wirkung, dass man sich inzwischen in vielen Gruppen rechtfertigen muss, will man auch unter der Woche einmal ein kleines Steak genießen. Wer den Menschen das verbieten will, wird natürlich begeistert sein, wenn einkommensschwache Familien in Zukunft voller Sehnsucht von etwas Siedfleisch träumen könnten, wie DDR-Bürger von Bananen.

Von diesen Zeitgenossen mit Mao Zedong-Ader scheint es tatsächlich mehr zu geben als der Otto-Normal-Liberale sich eingestehen möchte. Es drängt sich einem geradezu der Eindruck auf, die Menschen betteln darum, endlich mehr zahlen zu dürfen für ein Stück Essen. Fleischesser scheinen von Wahnvorstellungen ergriffen, von einer “Fleisch-Scham”, nach der ein Steak intrinsisch böse wäre.

Tatsächlich ist ein Stück Fleisch eine sichere Quelle hochwertiger Nährstoffe, die jedem zur Verfügung stehen sollte – auch armen Familien! Gerade Bestrebungen wie ein staatliches und vertrauenswürdiges Tierwohllabel, bei dem es wirklich um das Wohlbefinden der Tiere und nicht um Bio-Ideologien geht,  eröffnet hier jedem die Möglichkeit, aktiv mit dem Einkaufswagen zu bestimmen, welche Lebensmittel und welche Bedingungen die Verbraucher wirklich nachfragen.

So erscheint die Tendenz in Talkshows und manchen Medien zu einem angeordneten Fleischverzicht nur als weiterer Traum vom Nanny-Staat, der den Menschen auch noch vorschreibt, was sie essen dürfen.  

Maxime der Landwirtschaftspolitik sollte es sein, hochwertige Lebensmittel für eine gesunde Ernährung für alle erschwinglich zu machen. Stattdessen wird per Extrasteuer der Preis für Grundnahrungsmittel garantiert getrieben ohne dass die Qualität sich verändern würde oder weniger Tiere leiden müssten. Der einzige Effekt ist, dass fundamentale Veganisten die Gewissheit hätten, dass der durchschnittliche Pleb seinen Grill in Zukunft nicht mehr ganz so reich bestücken kann und Ideologen dann erklären könnten, dass in armen Familien auch 2-3 mal pro Woche Fleisch vollkommen in Ordnung wäre. Kindern eine vielseitige Ernährung zu ermöglichen heißt, nicht jeden Tag einen Hamburger zu essen, es heißt aber auch, nicht jeden Tag einen Tofu-Burger mit Salat zu essen.

Wer (arme) Familien zu fleischarmer Kost faktisch zwingen will, wenn auch subtil per Finanzamt, muss sich zumindest fragen lassen, was soziale Teilhabe für ihn bedeutet – wenn er erschwert, was eh schon selten ist: ausgewogene, hochwertige Ernährung. Denn zu dieser gehört auch tierisches Protein, essentielle Aminosäuren und Spurenelemente ohne Nahrungsergänzungspille.

Für Klöckners Zeitplan bis 2040 ist es äußerst einfach zu erreichen, selbst ohne steigende Preise. Die Möglichkeiten dafür sind schon längst vorhanden. Stattdessen scheint es, wird die Situation als Blendgranate verwendet, um den Menschen eine sinnvolle, artgerechte Ernährung zu vermiesen.

 

1 Antwort

  1. Tim Ludwig sagt:

    Wahrscheinlich hat Klöckner die Studie gelesen, nach welcher eine Cholinzugabe bei Veganern und Vegetariern eine erhebliche Steigerung der kognitiven Leistung erzielte. bei Probanden mit ausreichendem Anteil Fleisch in der Nahrung blieb der Effekt aus…. will heißen dort war bereits genug enthalten…. ob Klöckner und co nun lieber Anteile an einem “Cholinproduzenten” günstig erwerben möchten um anschliessend von der Zwangsversorgung der Bevölkerung durch die Krankenkassen zu profitieren – oder ob sie erkannt hat dass ihre Wiederwahlchancen bei niedrigerem Durchschnitts IQ höher sind, darf jeder selbst spekulieren 🙂