Die FDJ gibt es noch – und sie fordert “Revolution und Sozialismus“

 

Manuel Freund | Machen wir zum Anfang einen kleinen Geschichtsexkurs. Die Freie Deutsche Jugend war eine Jugendorganisation in der DDR. Vergleichbar mit der HitlerJugend diente sie der kommunistischen Regierung als Indoktrinationsapparat. Es war Pflicht für jeden Jugendlichen und jedes Kind, Mitglied in der FDJ zu sein. Wenn man sich der Gruppe entzog, konnte man mit Konsequenzen im schulischen und beruflichen Leben sowohl für die Kinder als auch für die Eltern rechnen. Schätzungsweise war kurz vor der Wiedervereinigung 80 bis 90% der DDR-Jugend Mitglied.

Die Organisation hatte vor allem zwei Ziele. Zum einen wollte die Regierung durch die FDJ den Kindern schon in frühen Jahren die Ideologie des Kommunismus aufdrängen. Zum zweiten sollte durch die Gruppe ein Gemeinschaftsgefühl entstehen. Die Kinder spielten, sangen und bastelten gemeinsam und vor allem trugen sie alle die gleichen Klamotten. Das blaue Hemd mit rotem Tuch war die Uniform eines jeden FDJlers. Zusammenfassend kann man also sagen, dass die FDJ ein korruptes politisches Instrument einer genauso korrupten und kommunistischen Diktatur war.

Sturz der Regierung und Errichtung eines sozialistischen Sowjetstaates 

Das Problem ist, die Gruppierung wurde nach der Wiedervereinigung nie verboten, sodass es bis heute einige DDR-Nostalgiker gibt, die sich als Mitglieder der Freien Deutschen Jugend bezeichnen. Mir war bereits bewusst, dass es die FDJ noch gibt, jedoch ist diese bisher medial nie sonderlich aufgefallen – bis jetzt.

Anfang dieses Monates lief ein Zug von ca. 40 FDJ-Anhängern durch die Innenstadt von Jena in Thüringen. Mit blauem Hemd, rotem Halstuch und alten DDR-Liedern zog die Truppe durch die Straßen, um so für „Revolution und Sozialismus“ zu demonstrieren. Jan Haas – offizieller Pressesprecher der FDJ – erklärt den „Sturz der Regierung und früher oder später im Kampf, im Streik, in der Organisierung die Errichtung eines sozialistischen Sowjetstaates“ als Ziele der Gruppierung.

Es gibt zwei Arten von Kommunisten: Die Ersten sind die, die es einfach nicht besser wissen. Sie wurden nie ausführlich genug über den Sozialismus und seine Vergangenheit aufgeklärt und wissen somit gar nicht, was sie da eigentlich fordern. Die Zweiten sind die, die genau wissen, was der Sozialismus mit sich bringt. Teilweise haben sie den selbst mitbekommen. Obwohl sie genau wissen, dass Sozialismus immer dazu führt, dass ein Teil der Bevölkerung unterdrückt werden muss, sind sie so in ihre Ideologie versteift, dass sie all dieses Leid und all die Unterdrückung hinnehmen würden, denn am Ende wird der kommunistische Staat wie die Sonne aus dem Meer am Horizont aufsteigen.


Solche Aussagen sind im Angesicht der 200.000 politischen Gefangenen in der DDR eine Beleidigung und eine Verherrlichung eines Schurkenstaates.



Bei dem folgenden Zitat eines älteren Mitdemonstranten handelt es sich offensichtlich um letzteres: „Was war für Unrecht? Ich habe kein Unrecht gesehen! Die ins Gefängnis kommen, die waren gegen die Regierung, die waren gegen den Staat und die waren mit Recht eingesperrt!“ Dieser Mann hat wohl selbst in der DDR gelebt und ist bis heute nicht über das Scheitern des Kommunismus in Europa hinweg. Solche Aussagen sind im Angesicht der 200.000 politischen Gefangenen in der DDR eine Beleidigung und eine Verherrlichung eines Schurkenstaates. Der ältere Herr meint vermutlich, er hätte das Wissen über das Schaffen von Frieden und Gleichheit gepachtet, in Wahrheit hängt er jedoch in irgendwelchen moralisch verwerflichen Dystopien fest und demonstriert gegen die Meinungsfreiheit.

Besonders auffällig ist, dass ein Großteil der Demonstranten aus Westdeutschland angereist ist. Wer wie Jan Haas über die Beschlagnahmung von Fabriken und über den Sturz der Regierung redet, den bitte ich herzlichst darum, den gesamten Geschichtsunterricht in der Schule nachzuholen.

Jeder sollte durch die Schule wissen, dass jedes kommunistische Regime zu Hungersnöten führt, dass im Kommunismus immer die Meinungsfreiheit durch Gewalt eingeschränkt werden muss und, dass kommunistische Regimes immer und ausnahmslos früher oder später moralische Grenzen nicht nur übertreten, sondern einfach gänzlich ignorieren (siehe Stalinistische Selbstbezichtigungsmethoden). Dass gerade Westdeutsche nach Ostdeutschland reisen, um dort pro-DDR Demos zu veranstalten, ist einfach nur erbärmlich.

Selbst aus der SED-Nachfolgepartei kommt Kritik

Erfreulich an der ganzen Sache ist eigentlich nur die Reaktion. Passanten äußerten sich: „Das ist gruselig, das ist abartig. Ich kenne diese Organisation noch aus meiner Kindheit, meiner Jugend.“ Die vorbeigehenden Blicke sind meist irgendetwas zwischen entsetzt und verstört und selbst ein ortsbekannter Linksautonomer soll sich vor den Zug gestellt und diesen lautstark beschimpft haben. Er meint: „Ich stehe auch links, aber ich stehe in jedem Fall für die Freiheit. Mein Vater war in der DDR in Bautzen im Knast!“

Auch aus der Politik kommt hauptsächlich Kritik. Die Parteien von der CDU und FDP bis hin sogar zur Linken, die nicht einmal die G20-Krawalle kritisierte, wollen nun gemeinsam mit Zeitzeugen eine Gegendemonstration veranstalten. „Wenn jemand 30 Jahre nach der friedlichen Revolution das verharmlost, im Internet damit wirbt, dass quasi die DDR annektiert worden ist, der vergisst, dass auf Plätzen wie diesem hier Menschen 1989 gestanden haben und gesagt haben: Wir wollen, dass diese Mauer fällt! Wir wollen gemeinsam für eine freie Gesellschaft kämpfen!“, meint Mario Voigt, CDU-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag.

4 Antworten

  1. Andreas Stueve sagt:

    Eigenartiger Weise ist Holocaustleugnung, aber nicht die Leugnung von 100 Millionen Toten des Sozialismus/ Kommunismus verboten. Hier marschieren Ewiggestrige unter Hammer und Sichel. Als ehemaliges Zwangsmitglied der FDJ packt mich die kalte Wut über die alten und neuen Kommunisten.

  2. Raubtierkapitalist sagt:

    >Selbst aus der SED-Nachfolgepartei kommt Kritik

    Ihre Kritik kann sich die Linkspartei aus vielerlei Gründen sparen, u.a. weil die FDJ ihren Sitz im Karl-Liebknecht-Haus hat – die Parteizentrale der Linkspartei.

  3. Jorgos48 sagt:

    Sie fordern den Sturz der Regierung, den Systemchange. Sie wollen die kommunistische Diktatur. Wo ist der Verfassungsschutz, wo ist das Verbot durch den Innenminister? Wo die Haftbefehle für die Rädelsführer. Jede noch so kleine Gruppe irrlichtender Neo-Nazis wird sofort verboten und deren Vermögen wird eingezogen.

  1. 21. Juli 2020

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