Deutsche Städte führen Punktesystem für nachhaltige Lebensweise ein

Von Elisa David | Unsere Regierung ist bekannt dafür, sich als wahre Weltretter berufen zu fühlen, und dadurch zu drastischen und verheerenden Maßnahmen zu greifen. Doch in einigen Städten setzen die Behörden nun einen drauf und führen ein kleines Stückchen chinesische Diktatur ein, um den Klimawandel zu bekämpfen. Als Beispiel dienen die Städte Vilshofen und Mainz-Bingen, die eins teilen: sie sind beide große Fans des Konzepts eines Punktesystem für nachhaltiges Leben. Mit dem Projekt sollen die Bürger zur Nachhaltigkeit erzogen und für besondere Verdienste auf dem Gebiet belohnt werden.

In Vilshofen sollen ab 2020 grüne Hausnummernschilder erhältlich sein, die man sich erarbeiten kann, indem sie 51 Kriterien erfüllen, die in einem Katalog zusammengefasst sind. Wenn man zum Beispiel in einem autofreien Haushalt lebt, bekommt man 20 Punkte. Auch ein geringer Stromverbrauch, der Besitz eines Elektroautos oder die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmittel gehören dazu. Hat man brav alle Vorgaben beachtet, darf man sich nicht nur das tolle Nummernschild an die Hauswand klatschen, sondern bekommt sogar noch einen 50€ Gutschein für die Pflanzung eines Baumes dazu. Na wenn das mal kein Ansporn ist. In Mainz-Bingen ist man schon einen Schritt weiter und hat das ganze System schon längst eingeführt. Hier kann man sich auch Punkte verdienen, wenn man sein Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt kauft, stolzer Besitzer der BahnCard 100 (die ja auch nur schlappe 4395€ kostet) ist oder als Mitglied Greenpeace beehrt. Das ganze muss dann mit Fotos und Rechnungen belegt werden und steht dann der Verzierung der Außenwand nichts mehr im Wege.

Das ganze Konzept hat zwar als einzigen Vorteil, dass Kinder zu Halloween nun schon von vornherein wissen, welche Häuser sie meiden sollten, wenn sie nicht mit Rosinen abgespeist werden wollen, aber ansonsten kann man es wohl getrost als doch sehr fragwürdig einstufen. Wie der Vizegeneralsekretär der CSU Florian Hahn ganz richtig sagte: “China lässt grüßen!“ Denn China hat ein sehr ähnliches Punktesystem, nur dass die Regierungstreue dort nicht auf die Nachhaltigkeit beschränkt ist. Ein bisschen erinnert die grüne Auszeichnung auch an das Mutterkreuz, nur dass das nicht so bescheiden an der Hauswand trumpfte, sodass jeder der vorbei kommt, sofort sehen kann, was für ein toller Mensch man doch ist. Und anders herum erkennt man jetzt, wo die untätigen Klimaleugner wohnen. Aber ich habe eine Frage: warum muss das Teil nach draußen gehängt werden? Hätte eine Urkunde nicht schon gereicht? Oder sollen wir in Zukunft tatsächlich in so einem Überwachungstaat leben, dass man die Verdienste und die politische Einstellung an der Hauswand ablesen kann? Was ist, wenn man der einzige in der Nachbarschaft ohne Schildchen ist? Wer soweit geht, ein Mitglied von Greenpeace zu werden und ein Elektroauto und die BahnCard 100 zu kaufen, ist nicht nur sehr wohlhabend, sondern wahrscheinlich auch nicht sonderlich tolerant. Und wo ich schon bei wohlhabend bin – was ist mit denen, die sich eine Hausfassade und ein Hausnummernschild mit anderen teilen müssen, weil sie in Mehrfamilienhäusern wohnen? Was ist mit denen, die sich kein Elektroauto leisten können? Werden die von vornherein ausgeschlossen? Verdienen die etwa nicht die gleiche Anerkennung? Es ist sehr kleinkariert und diskriminierend so verschiedene Menschen in so vorgefertigte Schubladen stecken zu wollen, wenn man mich fragt.

Aber populistisch wie ich bin hab ich mich natürlich nur auf die schlechte Seite gestürzt, die das grüne Schildchen hat. Denn hey, es gibt nen 50€ Gutschein für ein ganz eigenes Bäumchen dazu. Das ist doch mal was… Auch wenn man einen eigenen Garten haben müsste, wenn man von dem Baum auch was haben will…

5 Antworten

  1. Madeleine Nass sagt:

    Klingt nach dem Einstieg in den orwellschen Überwachtungsstaat mit gürner Färbung. Nein Danke.

  2. Joachim Bühler sagt:

    Auch wenn Bürger, die sich ihr grünes Hausnummernschild mit Selbstkasteiung und darbender Lebensweise mühsam errungen haben es als demütigende Abwertung ihrer Auszeichnung empfinden könnten, was spricht dagegen, dass ich mir selbst einfach so ein grünes Nummernschild am Haus anbringe? Oder wird die Gestaltung der Hausnummer dann zum hoheitlichen Akt erklärt und deren Manipulation so eine Art Urkundenfälschung?

  3. karlchen sagt:

    Irre. Eine Wohlfühl-Diktatur im Namen des grassierenden Klimaschwachsinns… Diesen ganzen Irrsinn erträgt man nur, wenn er so witzig beschrieben wird wie hier.

  4. Mark sagt:

    Die Sozial schwachen der Diktat Politik können sich ein Obst Bäumchen kaufen ,die Früchte und Vitamine werden sie durch die Mangel Zeiten der Grünen Plan Wirtschaft bringen.
    Gruß nach Deutschland.

  5. Thomas Jacobs sagt:

    Gesinnungsdiktatur durch Ausschlussverfahren: Nicht das vermeintliche “Ökoprekariat” wird öffentlich angeklagt, sondern es klagt sich selbst an, und zwar durch Unterlassung der guten, grünen Werke, was eben dazu führt, nicht sichtbar belobigt werden zu können oder auch zu wollen! Was ist der nächste Schritt? “Kauft oder klingelt nur bei grünen Hausnummern???” Als das Christentum in seiner Frühzeit, als es noch verfolgt wurde, nur durch Geheimsymbole an Häusern seiner christlicher Bewohner erkennbar war, schützten diese Symbole die Bewohner, die sich nicht zu erkennen geben durften. Heute würden dann die schwarzen oder braunen Hausnummern, die Normalfarbe für Hausnummern, als Symbole die “Unbelehrbaren”, Mittellosen etc. stigmatisieren und teilen die Welt in vermeintlich Gut und Böse, Ökos und ökologisches “Prekariat”! Ist das politisch korrekt? Objektiv gesehen sicher nicht! Doch wo sind Gesinnungstäter, auch ökologische, schon objektiv!! ??Höchstens politisch korrekt!!