Der Traum vom Fliegen – ausgeträumt

Von Sebastian Thormann | Um die Welt reisen, andere Kulturen entdecken, Weltbürger werden – gehörte das nicht einmal zum kosmopolitischen Traum Linksliberaler? Und warum auch nicht? Unsere Technologie, allen voran das Fliegen, hat es möglich gemacht. Das war vor mehr als hundert Jahren gerade noch ein Traum – oder wie es Orville Wright, einer der Wright-Brüder formulierte: „Der Wunsch zu fliegen ist eine Idee, die uns unsere Vorfahren überliefert haben, die in prähistorischer Zeit bei ihren zermürbenden Reisen durch wegloses Land neidisch auf die frei schwebenden Vögel schauten.”

Heute sieht es ganz anders aus: Fast jede Reise, die nicht mit dem Fahrrad zu bewerkstelligen ist, gilt da schnell als Klimasünde – erst recht natürlich Flugreisen. Versprachen diese einst noch jeden an die entlegensten Orte der Welt zu bringen, gehören sie heute zu den schlimmsten Dingen, die man seinem Klimagewissen antun kann. „Du bist geflogen? Da sind doch direkt ein paar Zentimeter Insel in Polynesien im Meer verschwunden!“, kann man schon die FFF-Flughafen-Demonstranten schreien hören.

Wenn Grüne, FFF und Co. es Ernst meinen mit ihren Forderungen, sieht die Welt von morgen dann tatsächlich internationaler, globaler aus? Das kann sie wohl kaum. Besonders verhasst bei ihnen ist ja das Reaktionäre, die Welt von gestern – bloß, wenn es um Mobilität angeht, klingen ihre Vorschläge selbst nach der Welt von vorvorgestern. 

Mit dem Lastenrad gibt es keine Europa- geschweige denn Weltreise. Jeder bleibt in seinem Land, in seiner Provinz. Das ähnelt eher dem Europa vor gut hundert Jahren, wo man sein Land vielleicht für sein ganzes Leben lang nicht verlassen hat (es sei denn es herrschte Krieg). Erscheint das auf den zweiten Blick nicht auch ein bisschen nationalistisch? „Aber es gibt doch die Bahn“ schallt es da einem entgegen. Ja genauso wie die E-Autos. Aber trotzdem will nicht jeder seinen halben Griechenland-Urlaub im Zug oder an der Ladestation verbringen.

Wird also im grünen Utopia niemand mehr eine Weltreise machen? Doch, aber nur diejenigen, die das nötige Kleingeld haben, um sich von ihren Klimasünden mit ein paar Klimawohltaten rein zu waschen, können dann auch ganz „klimaneutral“ fliegen. Verboten wird es nicht, nur so teuer, dass es sich immer weniger Menschen leisten können. Und damit machen wir dann auch zivilisatorisch einen Rückschritt: Statt die Bürger immer mobiler zu machen und immer mehr Menschen die Möglichkeit des technologischen Fortschritts nutzen zu lassen, gehen wir zurück und schränken unsere Mobilität und unsere technologischen Fortschritt weiter ein.