Der Hamburger Weg: Wo Sozis Chancen finden können

Steffen Prößdorf | CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Von Max Roland | Für die SPD gilt: Hamburg bleibt Hochburg. Während die Partei vielerorts von Negativrekord zu Negativrekord fällt, sind die Genossen von der Elbe unbeirrt auf Erfolgskurs. Doch woran liegt das?

Vielleicht hilft ja ein Blick ins Wahlprogramm. Man muss gar nicht lange suchen, denn schon in der Präambel findet man einen Hinweis auf das Erfolgsrezept der SPD in der Hansestadt. „Wir sind der festen Überzeugung, dass unser Wachstum keine Gefahr, sondern eine große Chance für die Stadt und ihre Menschen ist“, heißt es da. Auffällig erfrischend, wenn es von der SPD kommt, oder? Eine SPD, die noch von Wachstum spricht. Nicht etwa für den Staatsapparat oder für die Steuerquote, sondern für die Wirtschaft und die Stadt. Vielleicht ist es die Tradition einer Handelsstadt wie Hamburg, die aus der SPD an der Elbe eine Partei macht, die den Blick für eine stabile Wirtschaft und saubere Haushaltsführung nicht verliert und so ein Gegenbeispiel für die Bundespartei darstellt, welche sich ja in der Hoffnung auf mehr Wählergunst in puncto Geld ausgeben so richtig austobt. Vor allem aber scheint die Hamburger SPD die einzige Partei zu sein, die sich nach wie vor breiter Unterstützung des bürgerlichen Teils der Gesellschaft sicher sein kann. Das ist in einer Stadt wie Hamburg immer noch ausschlaggebend. Gerade in Abgrenzung zu den Grünen hat die SPD unter Tschentscher den Versuch gewagt, im Widerspruch zur eigenen Partei, das Glück nicht noch weiter links sondern in der Mitte zu suchen. Strahlkraft auch ins bürgerliche Lager haben – Markenzeichen des anhaltenden Erfolges der SPD in der Hansestadt. 

Dafür spricht auch das Abschneiden der zweit- und drittplatzierten bei der Wahl: Den Grünen und der CDU. Durch Umfragen vor der Wahl getrieben, musste sich die SPD offensiv von den Grünen abgrenzen. Tschentschers Botschaft: Die SPD steht für Realismus und Vernunft. Die SPD in Hamburg hat den Erfolg nicht im Fahrwasser der Grünen gesucht, sondern dezidiert an Vernunft und so an viele bürgerliche Skeptiker appelliert. Schnell hieß es: Wer die Grünen verhindern will, muss Tschentscher wählen. Sicherlich ist nicht alles, was den Erfolg Tschentschers ausgemacht hat, auch auf die Bundespartei übertragbar. Aber der Wahlsieg in Hamburg zeigt, dass die SPD dort Chancen finden kann, wo sie sie nicht suchen will: Abseits des absoluten Linkskurses. 

1 Antwort

  1. 23. Februar 2020

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