Der Geist des Winterkriegs

2 Antworten

  1. Siegfried Vocasek sagt:

    Zuerst: Ein sehr informativer Beitrag. Den man so nicht gerade überall findet.
    Dann: Ein Aber. Wenigstens ein bisschen. Eher ergänzt, mit Begründung.
    (1) Russland ist nicht die Sowjetunion. Diese beiden Staaten haben so gut wie nichts gemeinsam – außer dem Territorium, und eine Großmacht zu sein.
    Wir sollten nicht vergessen: Die damals alles beherrschende Staatsdoktrion – und die tatsächliche Überzeugung der Massen! – war der unvermeidliche Sieg der neuen Gesellschaftsordnung des Kommunismus. Die alle Übel dieser Welt ein für allemal beseitigen würde, den neuen Menschen erschaffen, so Gleichheit, Wohlstand und endgültigen Frieden für alle zu schaffen sich verpflichtet sah! Das unter allen Umständen zu erreichen, zuerst mit Überzeugung, dann als das nichts wurde mit Gewalt – davon waren wir nur Millimeter entfernt!
    So war es nun mal, ich war dabei, ganz nah dran und sehr gut informiert.
    Eine vergleichbare Ideologie gibt es heute nicht – und damit keine Welteroberungspläne.

    (2) Putin ist nicht Stalin. Letzterer hat all die unzähligen Morde, auch an seinen Mitkämpfern und an hohen Offizieren usw. allein aus diesem Grund befohlen: Aus einer zunehmend als schizzophren anzusehenden Angst um seine Person. Auch zum Schaden für seine eigenen Pläne.
    Aber letztendlich hatte diese Sowjetunion entscheidenden Anteil am Sieg über Hitler.

    Eine Psychologie Putins werde ich hier nicht versuchen. Offensichtlich scheint aber doch:
    Dass er ein Alleinherrscher ist, zunehmend geworden ist in den letzten Jahren. Aber vielleicht gibt es – jedenfalls z. Zt. – gar keine andere reale Möglichkeit? Entweder Macht zu haben wie ein Zar oder Stalin – oder das Chaos?? Wie gesagt, auf absehbare Zeit?
    Gewiss ist auch, sein Antrieb ist nicht die endgültige „Befreiung“ der ganzen Welt zu ihrem Glück, zu der die Sowjetunion – im Besitz der einzigen Wahrheit – mal quasi verpflichtet war.
    Was wir bei Putin erkennen können, und womit er in Russland überhaupt nicht allein dasteht: die „Schmach“ des Verlustes so vieler Teile des einstigen Riesenreiches, in denen doch auch Russen leben, die doch eigentlich zu Russland dazugehören sollten …Nur zum Beispiel.
    So gesehen ist es halbwegs folgerichtig, diese „heimholen“ zu wollen. Kaum folgerichtig: Er würde nirgendwo haltmachen, auch z. B. Schweden überfallen. Das ist schon eine steile These.

    Wozu diese lange Rede jetzt?
    Wegen der Frage, ob es wirklich gut ist, dass alle den Nato-Beitritt Finnlands, gar Schwedens so gut finden und Österreich bereits dazu gedrängt wird. Ich diskutiere hier nicht die Souveränität freier Staaten. Ich frage einfach, ob das im jetzigen Moment die Lage für ganz Europa eher entspannt oder verschärft. Das muss man angesichts der bedrohlichen Lage fragen dürfen.
    Und was ist das eigentlich Bedrohliche? Das, was noch auf uns zukommt, wenn es immer so weitergeht:
    – Eine absehbare Hungerkrise, zuerst in den ärmsten Ländern.
    Bei einem Sieg der Vernunft könnten die Getreidelieferungen schon bald Odessa verlassen.
    Die ukrainischen Bauern hätten ein Einkommen, könnten mit neuem Mut wieder anbauen.
    – Der Anstieg der Preise, den staatliche Maßnahmen nicht dauerhaft bremsen können – und das daraus
    unweigerlich folgende unabsehbare Konfliktpotential.
    – Die Frage, ob vielleicht taktische Atomwaffen doch zum Eisatz kommen, stünde nicht mehr.
    usw.
    Bei einem von maßgeblichen Mächten getragenen Abkommen wäre es möglich, das alles zu entkrampfen – aber es wäre doch nicht das Ende der Geschichte! Sie würde weitergehen, wie sie immer weitergegangen ist, letztlich immer im Sinne des Fortschritts. Mit gewonnener Zeit für kluges Handeln der freien Staaten dieser Welt …

  2. Cookie Monster sagt:

    Apollo History ist einfach super. Kleine Zusatzbemerkung: Finnland war eines der ganz wenigen Länder Europas, welches die einheimischen Juden unbehelligt ließ. Im Gegenteil: viele Juden kämpften in der finnischen Armee gegen die Russen.