Der Corona-Pushback

Von Manuel Freund | Corona-Pushback, was ist damit gemeint? Kurz gesagt drückt dieser Begriff das Phänomen aus, dass die Corona-Maßnahmen und deren Härte und Dauer dazu führen, dass sie vermehrt nicht eingehalten werden und dass jede Lockerung direkt exzessiv genutzt wird.

So sind viele Strände in Deutschland bereits jetzt gänzlich überfüllt, obwohl bis jetzt nur Hamburg, Brandenburg, Berlin, MV und seit Samstag auch SH und NRW Ferien haben. Forscher warnen nun davor, dass eben diese Massenversammlungen an Stränden und anderen Bademöglichkeiten – auch wenn an der freien Luft – vor allem in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zu einer erhöhten Ansteckungsrate führen könnten. Zudem warnt der ADAC, dass es vor allem auf klassischen Urlauberrouten wie der A3, A7, A8 und A9 vermehrt zu Staus kommen könnte. Es gibt laut ADAC aktuell auch besonders viele Autobahnbaustellen. 

Jetzt geht’s los?

Die Situationen am Strand und im Verkehr werden zusätzlich dadurch belastet, dass Reisen in andere Länder nur eingeschränkt möglich sind. Zudem haben einige Familien ihren Sommerurlaub ins Ausland storniert und machen nun Strandurlaub an den norddeutschen Küsten, entweder, weil sie befürchtet haben, dass ihre Reise wegen des Lockdowns sowieso storniert wird, oder weil sie befürchten, dass sie sich in Ländern wie Italien oder Spanien eher anstecken. Entgegen jeder Erwartung ist gerade die Tourismusbranche in Deutschland aktuell sehr ausgelastet. Selbstverständlich müssen auch die Badestrände gewisse Hygieneregeln befolgen. So müssen Strandkörbe beispielsweise in einem Mindestabstand von 3,25 Metern stehen. Beim aktuellen Andrang sei die Einhaltung der Corona-Abstände noch möglich, Forscher befürchten jedoch, dass gerade in den Ferienzeiten so viele Menschen den Strand besuchen wollen, dass Einhaltung der Mindestabstände teilweise sehr schwer und vor allem nicht überprüfbar wird.

Doch auch außerhalb der Öffentlichkeit werden die Lockerungen genutzt. Jetzt, wo die Kontaktbeschränkungen und -verbote langsam aufgehoben werden, trifft jeder erstmal auf einen Schlag alle seine Freunde wieder. Kleine private Parties werden vermehrt veranstaltet und die Familie kommt endlich wieder zu Besuch. Doch gerade bei solchen privaten Treffen mit vielen Personen auf engem Raum, die sich zur Begrüßung alle umarmen und auch sonst nicht auf Mindestabstände achten, ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch.

 Durch den Lockdown konnten wir vielen normalerweise selbstverständlichen Aktivitäten nicht mehr nachgehen. Dies sorgte dafür, dass viele Personen ihre Handlungsfreiheit in Gefahr sahen. Viele Menschen mussten Aktivitäten aufgeben, die für sie existenzielle Bedeutung haben. Und gerade weil Menschen ihr Umfeld, ihre Existenz oder eventuell die Oma, die sie nun mehrere Wochen nicht sehen durften, in Gefahr sehen, wollen sie sich um diese Dinge jetzt besonders intensiv kümmern und ihre Verwandten sehen. 

Geschenke für Gehorsamkeit

Zudem erwarten viele Menschen nun eine „Gratifikation“ oder auch Belohnung für ihren Gehorsam. Auch wenn es klingt, als wären wir wie Hunde, ist es tatsächlich nachgewiesen, dass Menschen eine gewisse Belohnung dafür erwarten, sich an Regeln zu halten oder Besitz und Freiheiten abzugeben. So werden die stückweise erfolgenden Lockerungen als ebendiese gesehen. Und ein Geschenk schlägt man selten aus.

Wirklich gefährlich könnte es werden, wenn es zu einer zweiten Welle kommt. In diesem Fall würde ein Lockdown nämlich bedeuten, dass man den Menschen dieses Geschenk wieder wegnimmt. Zudem würden die Zustände nicht mehr als Ausnahme oder einmaligen Zustand gesehen werden. Viele Personen hätten Angst davor, dass solche Zustände sich vorerst zur Normalität entwickeln könnten. Vor allem durch Aussagen von Politikern darüber, dass der Lockdown erst aufgehoben werden könne, wenn es einen Impfstoff gebe, würde dieses Angstfeuer noch geschürt werden. In solch einem Fall, würde sich wohl immer weniger an die Maßnahmen gehalten werden.

Was heißt das jetzt für uns? Durch den Corona-Pushback steigt die Ansteckungsgefahr nun wieder enorm – von den wirtschaftlichen und psychologischen Schäden mal ganz abgesehen. Da wir an der Vergangenheit jetzt nichts mehr ändern können, steht nun die Frage im Raum: Sollen die Lockerungen schnell oder schrittweise kommen? Und auch, wenn die öffentliche Meinung aktuell in Richtung schrittweise tendiert, gibt es durchaus auch gute Argumente für eine plötzliche Lockerung. Erstens – ziemlich offensichtlich, trotzdem sehr wichtig – wäre der Lockdown dann schneller aufgehoben. Zweitens: Auch wenn viele glauben mögen, dass der Pushback-Effekt bei einer plötzlichen Lockerung viel stärker auftreten würde, gibt es auch plausible gegenteilige Meinungen. Es ist nämlich tatsächlich wahrscheinlich, dass sich diese “Jetzt-erst-Recht” Haltung durch die schrittweise erfolgenden Lockerungen über einen längeren Zeitraum halten würde. Vielleicht ist es besser, möglichst schnell zur Normalität zurückzukehren und die Bevölkerung für eine mögliche neue Welle Kraft tanken zu lassen. Drittens kann ein zu lang gezogener Pushback dafür sorgen, dass die Akzeptanz eines erneuten Lockdowns unter der Bevölkerung enorm sinkt, da die Befürchtung aufkommt, dass die Loslösung aus dem Pushback wieder enorm lange dauert. Dies führt wiederum dazu, dass die Maßnahmen weniger eingehalten werden.

4 Antworten

  1. Peisistratos sagt:

    “Drittens kann ein zu lang gezogener Pushback dafür sorgen, dass die Akzeptanz eines erneuten Lockdowns unter der Bevölkerung enorm sinkt…”

    Warum zum Teufel sollen wir Lockdowns akzeptieren? Und dazu noch einen “erneuten”? Geht’s noch?

  2. Marc sagt:

    Der deutsche Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Prof. Dr. Sucharit Bhakdi meint, es könne gar nicht zu einer zweiten Welle kommen, da die Kreuzimmunität bei ca. 80% läge. Auch sonst gibt es interessantes Fachliches über Viren und Infektionen zu erfahren.
    Nachdem ich einige verschiedene, auch konträre, Meinungen von Experten gehört habe, stimme ich dem zu. Vorsicht ist gut, aber es braucht weder Masken, noch Lockdown. Hier das Gespräch zwischen Professor Bhakdi und Sky du Mont. Wurde schon einmal von Youtube gelöscht/zensiert, ist wieder hochgeladen worden. Falls nicht vorhanden, bitte suchen. Titel: „Corona Fehlalarm?“ Regierungskritisches Buch stürmt Bestsellerliste!

  3. moneypenny sagt:

    Das sind kluge Überlegungen, sowas findet man sonst kaum, meist gibts nur pauschale Pro- oder Contra-Meinungen… Vielen Dank!

  4. Tim Ludwig sagt:

    Wir sind gerade in Frankreich am Strand – Maskenpflicht besteht nicht (nur dort wo besonders irre Inhaber dies wünschen) und die Grippewelle dieses Jahres ist (fast) vergessen…. Besonders positiv im Vergleich zu den letzten Jahren….. diese Blockwarte mit Socken in Birkenstocklatschen die einem sonst schonmal auf dem Parkplatz des Supermarché erklären: “der Teutsche solle Vorrbild sein und annständig einparrken” scheinen alle Angst gehabt zu haben Anweisungen auf französisch nicht zu verstehen oder – Gott bewahre!: nicht mehr ins gelobte Land gelassen zu werden!… Noch besser kann es im Moment nur in Skandinavien sein!