Das China-Problem der WHO

United States Mission Geneva | CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Von Glenn Antoine | Der US-Präsident erklärte, Amerika werde bis auf weiteres kein Geld mehr an die WHO überweisen – ein harter Schlag für die Weltgesundheitsorganisation. Immerhin sind die Vereinigten Staaten der größte Beitragszahler: mit mehr als 400 Millionen Dollar deckte Washington 2019 rund 15 Prozent des Budgets ab.
Es ist bekannt, dass Trump und die WHO nicht die dicksten Freunde sind, vorallem da das Verhältnis der WHO gegenüber China sehr intransparent ist.
Die Aussetzung solle solange erfolgen, bis klar sei, welche Rolle die WHO bei der schlechten Handhabung und Vertuschung der Ausbreitung des Coronavirus gespielt habe.

Was ist dran an den Behauptungen?

Zuerst muss man klarstellen, dass die WHO viel zu einfallslos ist, um solch ein Virus zu vertuschen. Man kann ihnen aber sehr wohl vorwerfen, dass sie viel zu langsam gehandelt haben. Sie haben die Erklärung des internationalen Gesundheitsnotstands verschleppt. Ende Januar traf sich das Notfallkomitee, wo ein Vertreter des betroffenen Landes laut den Richtlinien teilnehmen darf, in dem Fall China. Der chinesische Vertreter hat darauf gepocht, den Notfall nicht auszurufen, da China der Meinung war, sie schaffen es auch so. Eine Woche später wurde dann doch der Notfall ausgerufen, da die Faktenlage eindeutig war. Diese Verzögerung spricht nicht gerade für die WHO. Der zweite Punkt war die Erklärung der Pandemie. Die WHO hat bei der Ausrufung gezögert und sogar die amerikanische Administration kritisiert, als die Grenzen des Landes für Reisende aus China geschlossen wurden. Durch das Missmanagement der WHO und deren Vertrauen auf die Angaben aus China habe sich die Epidemie dramatisch verschlimmert und rund um die Welt verbreitet, sagte Trump. Die WHO habe es zudem versäumt, die Angaben der chinesischen Regierung kritisch und zeitnah zu überprüfen. Mit einem schnelleren und entschlosseneren Einschreiten der WHO hätte die Epidemie mit wenigen Toten auf ihren Ursprungsort begrenzt werden können, so Trump weiter.
Trump erweist sich mal wieder als guter Stratege. Er verbindet seine beiden liebsten Feindbilder: eine internationale Organisation und seinen geopolitischen größten Konkurrenten China.

Der chinesische Einfluss nimmt zu

Dass der Einfluss Chinas in der internationalen Politik immer größer wird, lässt sich kaum abstreiten. So kontrolliere China unter anderem die Welternährungsorganisation FAO, die Organisation für industrielle Entwicklung, die Internationale Fernmeldeunion sowie die WHO, die heute von dem „äthiopischen Freund Pekings“ angeführt wird. Sein Name: Tedros Adhanom Ghebreyesus – laut Le Figaro ein ehemaliges Mitglied der kommunistischen Partei Äthiopiens. Seitdem wurde jegliche Kritik an China vermieden – im Gegenteil, China wurde für die angeblich transparente Vorgangsweise gelobt. Desweiteren stiegen die chinesischen Beiträge, sodass eine gewisse Machtübernahme immer wahrscheinlicher wird. Seit dem Ausbruch des Virus versucht China seine Macht auszubreiten.


Zurück zur WHO: Die WHO ist durchaus eine politische Organisation. Sie ist keine Polizei, sondern eher der Vermittler. Und dies zeigte sich auch deutlich bei der Corona-Krise. Erst nach mehreren Anläufen durfte Ghebreyesus nach China reisen und musste dort dann auch alles mit Samthandschuhen anfassen. Und: China wurde hoch gelobt, es gäbe keine andere Regierung, die so entschieden gegen das Virus ankämpfe.

Die Taiwan-Frage

Taiwan hat aus den Lehren der Sars-Epidemie die richtigen Schlüsse gezogen. Am 31. Dezember 2019 wurden dort schon die ersten Maßnahmen gegen das Corona-Virus beschlossen – und das auch erfolgreich. Daraufhin wollten taiwanesische Wissenschaftler aufs Festland reisen, um sich die Sache vor Ort selbst anzusehen – China lässt die Forscher nicht einreisen. Obwohl Taiwan ein gutes Beispiel ist, wird
seit Jahren eine Mitgliedschaft Taiwans in der WHO von der kommunistische Staats- und Parteiführung in Peking verhindert, mit der Begründung, die Inselrepublik sei Teil der Volksrepublik China.

Fakt ist, dass die WHO gerade zum Schauplatz der Auseinandersetzung zwischen den USA und China wird. Ist sie zu streng, dann stellt China die Zahlungen ein, ist sie zu chinafreundlich dann stellen die USA die Zahlungen ein. Die WHO muss also reformiert werden.
Es sind mehrere gravierende Fehler unterlaufen unter anderem: Sars 1, die Schweinegrippe oder bei dem Ebola-Ausbruch. Gerade Letzteres war sehr gravierend, sodass immer mehr Menschen eine unabhängige Seuchenpolizei forderten. Die WHO jedenfalls wird ihrem Namen nicht gerecht. 

3 Antworten

  1. moneypenny sagt:

    Toller, interessanter Artikel! Das habe ich sonst nirgendwo so erläutert bekommen. Danke!

  1. 17. April 2020

    […] über Das China-Problem der WHO — Apollo News […]

  2. 17. April 2020

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