Coronavirus: Bloß kein Bail-out!

Von Marvin Wank | Die deutsche Wirtschaft wird von der Covid-19-Pandemie schwer getroffen werden. Unterbrochene Lieferketten, Augangssperren für Mitarbeiter und die Umstellung auf die Produktion medizinischer Güter reißen weltweit tiefe Löcher in die Bilanzen von Konzernen.

Solch tiefe Löcher sogar, dass selbst die Pleite alterwürdiger deutscher Industrieimperien nicht mehr auszuschließen ist. Zurecht sorgen sich deren Mitarbeiter also um ihren Arbeitsplatz – auch wenn Peter Altmaier so großspurig wie naiv verkündete, das Coronavirus werde keine einzige Stelle kosten.
Durchaus nachvollziehbar erscheint da der Ruf nach einem Bail-Out, der Rettung von in Schieflage geratenen Konzernen durch Staatsmittel.

Doch das wäre ein schwerer Fehler. Viele Unternehmen sind hochverschuldet. Einige haben große Reserven. Welches Signal würde an alljene gesendet werden, die in guten Zeiten Rücklagen für schlechte Zeiten gebildet haben? Sie würden für ihr nachhaltiges Wirtschaften bestraft werden, während der Steuerzahler die Schulden unverantwortlicher Firmen begleicht.

Was viele zu vergessen scheinen: Geht eine Firma pleite, verschwindet ihr Kapital nicht auf magische Weise: Maschinen bleiben erhalten, Mitarbeiter verlernen ihre Ausbildung nicht und geschriebene Programme werden nicht gelöscht. Hat eine Firma nicht nachhaltig genug gearbeitet, so wird sie im Fall ihrer Pleite von einer Firma aufgekauft, die besser gewirtschaftet hat oder ihre Produktionskapazitäten werden auf andere Weise wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt. So stellt der Markt sicher, dass knappe Ressourcen stehts in den fähigsten Händen liegen. Der Staat sollte dieser permanenten Effizienzssteigerung nicht im Wege stehen.

Marktwirtschaft ist keine Einbahnstraße.

Die EZB trägt einen entscheidenden Teil dazu bei: Durch scheinbar unbegrenzte Liquidität verschafft sie denen einen künstlichen Marktvorteil, der sich am höchsten verschuldet. Das ist eine Peversion der Marktwirtschaft: Der Staat sorgt dafür, dass nicht mehr das innovativste und effizienteste Unternehmen den größten Erfolg verbuchen kann, sondern jenes, das sich am meisten am Zentralbankgeld bedient.

Mittelständische Firmen bis hin zum 1-Mann Handwerksbetrieb würden vom Bail-Out Kuchen selbstredend nichts abkriegen und pleite gehen. Dadurch könnte es vielerorts zu künstlicher Mono- und Oligopolbildung kommen.

Es gibt unter Liberalen den bedenklichen Reflex, Unternehmen per se als schützenswert zu betrachten, weil sie ja „die Wirtschaft“ sind. Doch das ist falsch. Die Wirtschaft ist organisch; Firmen sind als ein Bestandteil auf der gleichen Stufe wie die Konsumenten. Wer gegen die Umverteilung von oben nach unten ist, muss auch gegen die Umverteilung von Bürgern zu Unternehmen sein.

Es ist richtig und wichtig, dass Firmen Gewinne für sich behalten dürfen. Aber sie dürfen dann nicht erwarten, dass der Staat den Steuerzahler zwingt, für ihre Verluste aufzukommen. Marktwirtschaft ist keine Einbahnstraße.

1 Antwort

  1. 22. März 2020

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