Cem Özdemir und sein Platz an der Sonne

Cem Özdemir bei einer Abstimmung im Bundestag: Will er zurück auf die große Bühne? Foto: Olaf Kosinsky (Lizenz)

Von Arne B. | Cem Özdemir, der 10 Jahre lang Bundesvorsitzender der Partei „Die Grünen“ war, kündigte an, bei der Wahl am 24. September für den Fraktionsvorsitz anzutreten. Dabei holt er sich sich die eher unbekannte Kirsten Kappert-Gonther als Mitbewerberin, die neuen Schwung für den nächsten Wahlkampf bringen soll. Zusammen treten die zwei in einen Showdown gegen die aktuellen vorsitzenden Katrin Göring- Eckardt und Anton Hofreiter an. Die zwei jedoch reagierten ziemlich gelassen, kündigten an, ihren Posten zu verteidigen. 

“Toni und ich führen die Fraktion zusammen aus der Mitte heraus”, sagte Göring-Eckardt. “Dieser Kurs hat sich für Fraktion wie Partei bewährt und hat dazu geführt, dass wir als die führende Kraft der Opposition wahrgenommen werden, das will ich gerne fortsetzen.” Fügte sie hinzu. Hofreiter dazu sagte: “Katrin und ich haben die Fraktion immer mit einem Blick für den Zusammenhalt und den Ausgleich geführt”. Beide aktuell vorsitzenden werteten die Ankündigung des Konkurrenz- Duos jedoch nicht als Kampfansage, sondern begrüßten, dass es mit Özdemir und Kappert-Gonther nun zwei weitere Bewerber um den Fraktionsvorsitz gibt. Wie ernstgemeint das war, wird sich jedoch noch zeigen, denn ohne Frage schwächt es die Partei, bei der es so lange harmonisch lief. 

Statt sich nun voll auf die Haushaltswoche zu konzentrieren, beschäftigen sich die Grünen vor allem mit sich selbst und dem Comebackversuch von Özdemir. In den letzten Monaten jedoch ist es ziemlich still um den Politiker aus dem Exil geworden, als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur kümmerte er sich vor allem um Fachfragen, welche Qualifikationen er mit seinem Diplom in Sozialpädagogik dafür aufweist ist mir jedoch ziemlich rätselhaft. 

Inzwischen ist es vorerst vorbei mit der Ruhe, Özdemir will zurück an die Spitze. Er möchte es nochmal wissen und zieht in den Kampf gegen die Doppelspitze. Özdemir glaubt, dass sich die aktuelle Situation ändern muss und er es besser könnte als Göring-Eckardt und Hofreiter. Tatsächlich sind nicht alle glücklich mit den beiden. Vor allem mit Hofreiter hadern viele grüne, laut einer Civey-Umfrage sind nur 56 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden. 

Für Özdemir steht viel mehr auf dem Spiel, denn eine Niederlage könnte das Ende all seiner politischen Ambitionen bedeuten. Selbst wenn er am 24. September gewinnt, würde die Frage um den Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg aufkommen. Noch immer ist nicht klar, ob der amtierende Ministerpräsident Winfried Kretschmann dort bei der Landtagswahl 2021 noch einmal antritt, tut er es jedoch nicht, wäre der selbsternannte “anatolische Schwabe” einer der naheliegenden Nachfolger. 

Özdemir setzt noch einmal alles auf eine Karte, was die anderen für Karten haben und ob es zu internen Schwierigkeiten kommen wird, zeigt sich noch. Sucht er seine letzte Chance? 

Der Autor ist 16 Jahre alt und Mitglied der “Liberalen Jugendbewegung”.

1 Antwort

  1. nordseeschwalbe sagt:

    Macht es denn wirklich noch einen Unterschied, wer bei den grünen Kaspern den Oberkasper macht?