Bleibt-Zuhause-Botschaft aus dem Urlaub

Von Elisa David | Der Lockdown mit seinen Einschränkungen ist für uns alle schwer zu ertragen. Dass man an der einen oder anderen Stelle für sich selbst mal die Regelungen etwas lockerer auslegt, hier und da mal ein wenig schummelt – das ist menschlich. Und auch Politiker sind Menschen. Das zeigen einige Beispiele aus den USA, die dort medienwirksam kursieren.

Die USA sind für Deutschland das große Negativbeispiel der Corona-Politik. Karl Lauterbach twitterte zum Beispiel: „Abwahl von Trump kam keine Minute zu früh“ und er solle, um seine Mitbürger zu schützen, „schlicht alle Zuständigkeiten an das Team Biden/Harris abgeben“. Oder: „Während Europa die 2.Welle langsam wieder in den Griff bekommt ist die Situationin den US völlig ausser Kontrolle. Man kann nur hoffen, dass Biden Regierung erfolgreich die Weichen umlegt. Es zeigt sich, wie wichtig konsequente möglichst frühe Shutdowns sind. Ohne sie geht es nirgendwo!“ Wie verfahren die US-Demokraten denn so mit Corona?

Es ist schon ein paar Monate her, als Nancy Pelosi ohne Maske in einem Friseursalon erwischt wurde. Das Problem daran: Erstens hatte sie ganz besonders auf die Wichtigkeit von Masken hingewiesen, als sie die Maskenpflicht im Kongress festlegte. Zweitens hätte sie gar nicht in dem Salon sein dürfen, weil der zu der Zeit geschlossen sein musste – wegen der Corona-Maßnahmen. Darauf angesprochen sagte sie, dass sie sich ja nur die Haare waschen gelassen habe, und dass sich doch sicher niemand dabei eine Maske aufsetzt. Ihr Mantra in den zahlreichen Amtsenthebungsversuchen gegen Trump lautete immer: „Niemand steht über dem Gesetz.“

Ohne Maske für die Maske

Aber es gibt eine ganze Liste von Demokraten, die sich nicht an ihre eigenen Regeln hielten, zum Beispiel Michael Hancock, Bürgermeister von Denver in Colorado. Er twitterte: „Überreiche die Kartoffeln, nicht COVID. Bleibt zu Hause, so viel ihr könnt, besonders wenn ihr krank seid. Trefft euch online statt in echt. Vermeidet zu reisen, wenn ihr könnt. (…)“ Interessanterweise entstand dieser Tweet laut Medienberichten in einem Flughafen, eine halbe Stunde bevor er nach Mississippi zu seiner Ehefrau und Tochter flog.

Los Angeles County Supervisor Sheila Kuehl wurde dabei beobachtet, wie sie im Außenbereich ihres Lieblingsrestaurants „Il Adorno“ saß – nur wenige Stunden, nachdem sie für das Verbot von Outdoor Dining (also dem Essen im Außenbereich eines Restaurants) gestimmt hatte. Auch wenn die Maßnahme zu der Zeit noch nicht in Kraft war – warum sollte es zu der Zeit sicherer sein, als nach dem Inkrafttreten? In ihrer Entschuldigung sagte ihre Sprecherin, Kuehl sei traurig gewesen, dass das Restaurant vorübergehend schließen muss, und sie noch einmal dort essen wollte – sie habe dabei aber auch auf „angemessene Vorsichtsmaßnahmen“ geachtet. Aber wenn man Ansteckungen in Restaurants durch Hygienemaßnahmen verhindern kann, kann man dann nicht… die Restaurants einfach offen halten?

Andrew Cuomo, Gouveneur von New York, warnte bei WAMC, dass man zum traditionellen Erntedankfest Thanksgiving lieber zu Hause bleiben und niemanden treffen soll. Nachdem er das ganz überschwänglich verkündet hatte, wurde er gefragt, was er denn für Pläne zu Thanksgiving habe. Ob er wirklich so dreist ist, oder einfach nicht so schnell lügen konnte, weiß ich nicht, aber seine Antwort war: Seine Mutter wird ihn besuchen kommen. Angesichts der Tatsache, dass Cuomo 63 Jahre alt ist, kann man davon ausgehen, dass die gute Dame zur Risikogruppe gehört. Sein Auftritt hatte dann so viel Kritik nach sich gezogen, dass er seine Pläne änderte.

Dann gibt es noch Gavin Newsom, den Gouverneur von Kalifornien. Sein Fall war einer der skandalösesten. Er hat immer wieder auf das Tragen einer Maske gepocht. So sehr, dass sein Staat die Bürger dazu anwies, beim Essen in Restaurants zwischen den Bissen, die Maske wieder aufzusetzen, außerdem war das Zusammentreffen von mehr als drei Haushalten verboten. Das hinderte ihn aber nicht daran, mit mehr als zehn Leuten ohne Maske bei einer Geburtstagsfeier im Luxusrestaurant „French Laundry“ erwischt zu werden. In seiner Entschuldigung behauptete er, dass er im Außenbereich gegessen habe, obwohl Fotos das widerlegen. Außerdem sagte er, es wären mehr Leute da gewesen, als er erwartet hatte, aber da sein Freund sich für seinen Geburtstag so viel Mühe gegeben hätte, sei er geblieben, obwohl es falsch war.

Im gleichen 3-Michelin-Sterne-Restaurant und im gleichen Raum wie Newsom feierte die Bürgermeisterin von San Francisco London Breed am nächsten Tag ebenfalls einen Geburtstag. Das Restaurant ist wohl ein Geheimtipp unter kalifornischen Politikern. Zu der Zeit war der bloße Besuch eines Restaurants nicht verboten, nur das Zusammentreffen von mehr als 3 Haushalten. Da laut eines Sprechers 10 Gäste da gewesen sein sollen, von denen die Namen nicht veröffentlicht werden, kann man aber mutmaßen, dass dagegen verstoßen wurde. Drei Tage danach verbot die Bürgermeisterin schließlich Indoor Dining (also innerhalb eines Restaurants zu essen, so wie sie es getan hat).

Die Liste ist immer noch nicht zu Ende. Steve Adler, Bürgermeister von Austin, hat gleich gegen mehrere Vorschriften verstoßen. Er postete eine Videobotschaft, in der er seine Bürger anwies, zu Hause zu bleiben und die Maßnahmen einzuhalten. Was er dabei nicht erwähnte: Dieses Video hat er in seinem Ferienhaus in Mexiko gedreht. Und bevor er da mit seinem Privatjet hingeflogen ist, nahm er an der Hochzeitsfeier seiner Tochter in Austin Teil. Die Feier fand mit 20 Gästen im South Congress Avenue Hotel statt – zu einer Zeit wo höchstens 10 erlaubt gewesen wären. Trotzdem behauptete der Bürgermeister in einer Stellungnahme, seine Tochter hätte die Feier an die Regeln angepasst.

Im Vorfeld der Feiertage zu Thanksgiving hatten die Gesundheitsbehörden in der gesamten Bay Area (also auch San José) die Menschen aufgefordert, nicht zu reisen oder sich mit Menschen außerhalb des Haushalts zu treffen. Die Gesundheitsbeauftragte des Santa Clara County, Sara Cody, riet, sich nicht mit mehr als zwei anderen Haushalten zu treffen. Doch Sam Liccardo, der Bürgermeister von San José feierte gleich mit fünf Haushalten Thanksgiving. Ein Journalist fragte ihn, ob er von den Regeln nichts wusste oder ob sie ihn einfach nicht interessierten, worauf er antwortete, er habe die Entscheidung mit seinem Herzen, nicht seinem Kopf getroffen.

Was sagen uns diese Fälle?

Dass Politiker auch mal die Maske falsch tragen, auch mal die Abstände nicht wahren, auch mal in den Urlaub fahren, auch in zu großen Kreisen beieinander sind – wer will es ihnen verdenken! Politiker sind Menschen und Menschen sind nicht für den Lockdown geschaffen.

Dieser Artikel von Elisa David erschien zuerst auf TichysEinblick.

1 Antwort

  1. 2. Januar 2021

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