Bekenntnisse einer Sächsin

Von Marikka Wiemann | Es gibt wohl kaum ein Bundesland, das so von Klischees umworben ist wie Sachsen. Allgemein habe ich schon mehrfach den Eindruck gehabt, dass vor allem Westdeutsche denken, dass Sachsen aus lauter glatzköpfigen, springerstiefelstragenden und den Geburtstag von Hitler zelebrierenden Nazis besteht. Und das alles nur, weil der Anteil der AfD-Wähler in keinem anderen Bundesland so hoch ist wie in Sachsen. Deswegen an dieser Stelle ein paar aufklärende Worte von einer echten „Sächsin“.
Vor ein paar Wochen war das Thema Wahlen ein permanentes Thema – egal, wohin ich gegangen bin, sei es bei meinen Eltern, in meiner WG oder auch in der Schule.

Und die Ergebnisse dieser Gespräche waren fast immer die gleichen:  Eigentlich ist es egal, was man wählt. Zwischen den einzelnen Parteien besteht kaum ein Unterschied und ändern wird sich ja doch nichts. Soweit, so gut, in gewisser Weise kann ich dem auch zustimmen. Aber es gibt eine einzige „verbrannte“ Partei, die du einfach nicht wählen darfst. Die AfD! Denn die Mitglieder dieser Partei sind das personifizierte Böse. Alle anderen Parteien sind wählbar und kein Grund sich zu schämen, egal wie radikal sie ihre Programme durchsetzen wollen. Sei es die Einführung einer Vermögenssteuer, das Erreichen von Klimaneutralität (was auch immer das bedeuten soll) oder Frauenquoten in allen möglichen Berufsfeldern. Man kann von der AfD wirklich halten, was man möchte und ihr Programm und Wertvorstellungen befürworten oder auch nicht. Aber dieses permanente Bashing nervt mich mittlerweile einfach nur noch.

Wir sind bunt und vielfältig, aber die Farbe blau wurde aus dem Farbkasten entfernt.
Es gibt also auch in Sachsen viele Sympathisanten für den rot-grünen Mainstream. Und das wäre in Ordnung, wenn wirklich jede politische Meinung akzeptiert und man nicht direkt als Nazi abgestempelt werden würde, sobald man eine vom Mainstream abweichende Meinung vertritt. Die Angst vor der sozialen Ächtung ist auch in Sachsen unglaublich hoch. Ich finde es persönlich einfach nur erschreckend, dass die AfD nicht als Partei akzeptiert werden kann. Denn das ist sie. Eine Partei in einer (hoffentlich noch funktionierenden) Demokratie, die genau wie die CDU oder die Grünen eine Daseinsberechtigung hat.

In jedem Gespräch, das sich um Politik dreht, muss man vorsichtig sein, mit dem was man sagt. Mir persönlich fällt das häufig schwer, ich halte meine Einstellung nur ungern hinterm Berg. Dementsprechend bin ich schon mehr als einmal angeeckt – selbst hier in Sachsen. Das Resultat waren schockierte Blicke, ein „das hätte ich von dir nicht gedacht“ oder unangenehme Stille. Wir haben verlernt miteinander zu reden und Meinungen auch einfach mal stehenzulassen. Ich erwische mich auch manchmal dabei wie ich andere für ihre politische Meinung verurteile. Aber genau das ist der Fehler, den wir täglich machen und wegen dem unsere Demokratie wirklich stirbt.

Der Instagrampost des sächsischen Landesbischofs Tobias Bilz direkt nach der Wahl war frustrierend und zugleich leider nicht verwunderlich. Ein Statement voll von politischer Korrektheit. Besser lässt sich die Situation, die in Deutschland momentan herrscht nicht in Worte fassen.

https://www.instagram.com/p/CUVDZ6CM_0O/? utm_source=ig_web_copy_link

2 Antworten

  1. Jens F. sagt:

    Bei den Bewohnern des Bundeslands Sachsen handelt es sich nicht um Sachsen, schon gar nicht um „echte Sachsen“. Die Sachsen sind seit jeher in Nordwest-Deutschland zu finden.

  2. Olaf sagt:

    Ich sehe die Partei differenziert. Das Wahl- bzw. Parteiprogramm ist (soweit ich das gesehen habe) auf dem Boden der Verfassung und dürfte in vielen Bereichen dem entsprechen was vor dem Linksruck in der Union vertreten wurde. Auch ein Teil der Mitglieder und Abgeordneten wären bis weit in die Mittelschicht hinein wählbar. Leider haben sie immer noch die “Flügelleute”, die lange Zeit anscheinend einen Wettbewerb abgehalten haben wer den dümmsten Spruch der Woche absondert. Besser man ist negativ im Gespräch als gar nicht war anscheinend das Motto… Darauf haben sich dann die Medien und die Konkurrenz begeistert gestürzt. Dieses Negativimage bekommt man nicht mehr so leicht los. Wir bräuchten eine echte konservative Partei die für viele wählbar ist. Leider gibt es diese nicht im Moment. Die AfD hat das Momentum verpasst zu einer starken Kraft zu werden