Baltimore: Wie Trump seine Gegner vorführt

Von Max Roland | Wer Donald Trump als dumm betitelt, der offenbart nur, wie er selbst es nicht vermag, seine Strategie zu erkennen. Neulich wurde er bereits sogar vom kommissarischen SPD-Fraktionschef Mützenich mit einer menge Gratismut als „Rassist“ bezeichnet, weil er vier linksradikalen Kongressmitgliedern der Demokraten empfahl, „in ihr Land“ zurückzugehen. Bereits das halte ich nicht für einen dümmlich-xenophoben Ausfall, sondern für kühle Taktik im Vorwahlkampf. Seine Rechnung, dass die Demokraten sich hintern den Extremistinnen versammelten, ging übrigens auf.

Jetzt hat er schon wieder einen Rassismus-Vorwurf auf sich gezogen – dazu noch einen ziemlich konstruierten. Auf Twitter empfahl er dem Kongressabgeordneten Elijah Cummings, welcher ihn scharf angegriffen hatte, er solle sich lieber um seinen Distrikt kümmern. Cummings ist Abgeordneter aus Baltimore. Trump nahm es daher zum Anlass, die Stadt scharf zu kritisieren: Die Stadt sei ein „widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Drecksloch“. Der Aufschrei der Trump-Gegner? Groß. Ein CNN-Moderator fing sogar an, live im Fernsehen zu weinen, weil es sich um seine Heimatstadt handelte, und alle bekundeten, wie toll Baltimore doch sei – Trump hatte schließlich das Gegenteil behauptet. Das Problem? Trump hat mit seiner Beschreibung, die noch so hart sein mag, trotzdem recht. Baltimore hat viele Probleme. Die Stadt hatte 2017 die höchste Mordrate aller US-Städte – das ist, mit Blick auf Konkurrenz wie Chicago, eine echte Leistung, möchte man zynisch einwerfen. Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit plagen die mehrheitlich afroamerikanischen Bewohner der Stadt. Die Stadt ist tatsächlich nicht die Schokoladenseite Amerikas. Und genau deswegen geht Trumps Rechnung auf.

Denn, wie es beim Trump-derangement-syndrome so üblich ist, wird ausgerastet und nicht nachgedacht. Und so beginnt das gesamte linke Amerika, sich mit Baltimore zu solidarisieren und zu schreien, wie toll und schön Baltimore doch eigentlich sei. Dabei ist Baltimore ein Ort mit vielen Problemen – und nicht schön. Trump hat seine hysterischen Gegner dressiert – wenn er pfeift, springen sie und produzieren das Bild, was er konstruieren will. So hat er sich zum Herren über das gemacht, was sie tatsächlich tun und kommunizieren. Wenn Trump sie richtig manipuliert, solidarisieren sich seine Gegner mit linksradikalen Antisemiten. Wenn Trump nur den richtigen Tweet sendet, meinen auf einmal alle, eine dreckige Stadt mit hoher Kriminalität sei in Wirklichkeit das Kronjuwel des Landes.  Ist diese Taktik weiter erfolgreich, wird er damit auch den Wahlkampf lenken – mit 240 Zeichen aus dem Oval Office. Trump twittert: Und seine Gegner schießen mal wieder den Vogel ab. 

3 Antworten

  1. Na dann hoffe ich, dass Trump auch die kommende US-Wahl gewinnt. Mit seinem Mauerbau und seiner Anti-Einwanderungspolitik und seinem Kampf gegen politische Korrektheit ist er für uns Patrioten in Europa durchaus ein Vorbild. Ich stelle hier einmal mehr fest, dass es richtig von mir war, ihm dieses Buch zu widmen: http://www.bernt.de/kaiserfront/extra4.htm
    Weiter so, Herr Trump.

  2. moneypenny sagt:

    Dumm ist doch, zu glauben, dass man einfach nur so Präsident der Vereinigten Staaten werden kann.

  1. 30. Juli 2019

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