Auf der Anti-Corona Demo

Von Oskar Luis Bender | Heute, am traditionellen Demo-Tag, war es, wie seit dem 28. März diesen Jahres üblich, wieder soweit: Die Querfrontler um Anselm Lenz haben sich wieder zum Demonstrieren getroffen. Die üblichen Verdächtigen, wie Billy Six, Ralph Boes, Ken Jebsen und Co. waren heute auch da. Um mir den Haufen mal anzuschauen, bin ich also zum Rosa-Luxemburg-Platz gefahren und habe versucht, mit den Leuten zu sprechen.

Auf dem Weg zur Demo habe ich bereits die ersten verwirrten Gestalten getroffen, ein älterer Mann im Bademantel und in Flip-Flops, ein Mann mit einem Lederschnabel als Maske und eine Frau in einem pinken, halb-bauchfreien bzw. zu kleinen, Glitzer-Gewand. 

Als ich dann am Ort des Geschehens eingetroffen war, wurde ich von einem Passanten gefragt, was denn hier los sei. Bevor ich antworten konnte, war bereits ein junger Mann, etwa um die 20 und ohne Maske, in einem T-Shirt der Berliner Feuerwehr, zur Stelle. Er hat natürlich auch nicht den Sicherheitsabstand beachtet. Er erklärte uns, dass das hier eine Demo „für das Grundgesetz und unsere Menschenrechte“ sei und, dass es auch eine Gegendemo gebe, er aber nicht wisse, wogegen die denn demonstrieren. „Demonstrieren die etwa gegen das Grundgesetz oder was?“. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen Gesprächsbedarf und wollte mich erstmal umschauen. 

Als ich mich gerade in Richtung einer größeren Ansammlung an Menschen bewegen wollte, stellte sich mir und anderen Passanten, ein Polizist in den Weg und sprach uns einen Platzverweis aus. Daraufhin bin ich dann zu ein paar anderen Polizisten gegangen, die mich allesamt böse angeschaut haben, bis ich ihnen eröffnete, dass ich einen Beitrag schreiben werde, sie meinten dann, dass ich mich gerne auf der Demo umschauen könne. 

Also bin ich los, um mir ein Bild von der Lage zu machen und mich mit den Demonstranten zu unterhalten. Der Erste, mit dem ich gesprochen habe, eröffnete mir direkt, dass er nicht dazu in der Lage sei, rational zu argumentieren (wer hätte es gedacht) „Ich kann nicht rational darüber sprechen, ich folge nur meinem Herzen.“. Viel mehr wollte oder konnte er mir dann allerdings auch nicht sagen.

Der nächste Kandidat war, laut eigener Aussage ein Unternehmer, obwohl er für mich eher wie eine Mischung aus einem Antifa-Mitglied und einem Pirat aussah. Er erzählte mir, dass er im Lebensmittelhandel tätig sei und nicht unter Corona leiden würde, er die Maßnahmen allerdings nicht gutheiße. Er erzählte mir auch, dass er sich zwar noch nicht wirklich mit der Thematik beschäftigt habe, aber der Überzeugung sei, dass Corona „von einer großen Macht zu uns geschickt wurde, um uns zu unterdrücken“. Er war nach eigener Aussage schon zum zweiten Mal auf der Demo dabei und hat dadurch auch Ken Jebsen kennengelernt, den er „sehr gut“ findet.

Eine Frau erzählte, dass „das alles“ durch eine „amerikanische Weltverschwörung“ entstanden sei, genauer erklären wollte sie das dann aber auch nicht.

Mehr Leute wollten leider nicht mit mir sprechen, als ich eröffnete, dass ich diesen Beitrag für Apollo News, einem liberalen Jugend-Blog schreibe, wendeten sich viele ab.

Sonst war die Demo sehr eigenartig, zumindest in dem Zeitraum, in dem ich vor Ort war. Die Demo war eigentlich mehr eine Ansammlung an Leuten, die verwirrt rumstanden und nicht wirklich etwas gemacht haben, außer sich zu unterhalten. Es waren bestimmt doppelt so viele Polizisten wie Demonstranten da. Es gab einige Festnahmen, aufgrund von Provokationen seitens der Demonstranten gegenüber der Polizei. Bei den Festnahmen gab es dann meist eine kurze Schubserei, ein bisschen Geschrei und dann war die ganze Sache auch wieder vorbei. Die Prominenteste Festnahme war wohl die von Ken Jebsen, der sich aber ohne Widerstand hat abführen lassen.

Es war interessant zu sehen, was für ein Schlag Menschen sich auf der Demo des ehemaligen Journalisten Anselm Lenz, des ehemaligen Volksbühne-Besetzers und „Rubikon“-Autors Hendrik Sodenkamp und Batseba N’Diaye tummelt. Es waren keine Leute, die einfach nur die Maßnahmen kritisieren und sich sorgen um unsere Wirtschaft machen, sondern es waren Leute, die alles als Grund bzw. Vorwand nehmen, gegen die Regierung, gegen die USA und gegen internationale Organisationen, wie die WHO,  zu sein. Sie allesamt waren scheinbar der Auffassung, dass Corona von Verschwörern zu uns gebracht wurde und/oder, dass es eigentlich harmlos ist und nur als Vorwand verwendet wird, uns zu unterdrücken und uns unsere Rechte zu klauen.

Unter den Demonstranten waren viele Antisemiten, Antiamerikanisten, Russlandanhänger und andere Verschwörungstheoretiker, die zwar gerne ihre Theorien zum besten geben, aber keine Belege liefern können und wollen. Viele von ihnen behaupteten, nicht „rechts“ zu sein. Von Linksextremisten bis Rechtsextremisten war auf dieser Demo wieder einmal alles dabei. Eine klassische Querfront-Veranstaltung, organisiert von russlandfreundlichen Verschwörungstheoretikern.

10 Antworten

  1. Andreas sagt:

    Hallo Oskar, ich bin der junge Mann den du als erstes interviewed hast. Es war nicht gerade einfach ein entspanntes Gepräch mit dir zu führen während die Polizei teilweise gezielt, teilweise aber auch wahllos um einen herum Menschen festgenommen hat (meinen Freund zb der dort friedlich mit Mindestabstand stand und ein Transparent hielt, er ging widerstandslos mit, trotzdem wurden ihm Schmerzen zugefügt). Unser Gespräch wurde dann schnell durch die sich uns nähernden Polizisten unterbrochen. Das ist schade und unprofessionell finde ich, dass du Gesprächsfetzen herausnimmst ohne den Kontext dazu zu liefern. Vielleicht ist das auch deinem jungen Alter oder der fehlenden Erfahrung als Journalist geschuldet.
    Bezogen auf mein Kommentar mit dem rationalem Denken: In einer nie dagewesenen Lage wie dieser finde ich es anmaßend und dumm wenn Menschen behaupten, sie wüssten zu 100% welche Maßnahmen für alle richtig sind. Das wissen selbst die Politiker und die Virologen nicht. Und das ist auch ok und nachvollziehbar. Man kann es nicht jedem Recht machen. Was dem einem hilft schadet dem anderem.
    Ich wusste, bis ich am Rosa Luxemburg Platz ankam, nicht, dass dort anscheinend Rechte, Linke und Verschwörungstheoretiker auf einander treffen und wollte mir so wie du ein Bild von der Lage machen.
    Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner weiteren Entwicklung und fände es toll, wenn du in Zukunft objektiver und weniger emotional und bewertend berichten würdest. Alles Gute!

    • Max Roland sagt:

      Hallo Andreas. Wenn du tatsächlich falsch oder irreführend zitiert wirst, schicke mir bitte eine E-Mail an max.roland@apollo-news.net und lege das ausführlich dar.Wenn die Zitate aber nicht falsch oder irreführend sind, sondern du nur andere Faktoren, Momente oder Szenen während des Interviews auch gerne beschrieben gesehen hättest, ist das deine persönliche Stilkritik und nicht der “Unprofessionalität” des Autors geschuldet.

      Viele Grüße

  2. fineart sagt:

    Ups, das ist wirklich nicht die Qualität die man sonst von hier gewöhnt ist – nee, das ist sogar mal ein richtig, richtig schlechter Artikel..

    Der Autor war also auf einer Demonstration, worum´s da ging weiß man leider nicht so genau, irgendwas mit Corona und Grundgesetz, vielleicht?

    Mehr war aber nun mal nicht rauszufinden, denn der Autor hatte eben irgendwie “keinen Gesprächsbedarf”.

    Aber egal, in Summe wird´s schon reichen um treffsicher zu dem Schluss zu kommen, dass da lauter Spinner waren.

    Was wollten die Spinner eigentlich? – weiß man nicht, was Spinner halt so wollen wahrscheinlich..

    Haben die Spinner sich vielleicht darüber aufgeregt, dass das Infektionsschutzgesetz dahingehend geändert werden soll, dass die Bürger/innen zukünftig mit einer Reihe übelster Konsequenzen rechnen müssen wenn sie sich nicht nach staatlicher Vorgabe impfen lassen?

    Noch dazu mit Impfstoffen die – siehe gleicher Gesetzentwurf -dann auch deutlich weniger umfangreich getestet werden müssen?

    Das sollte eigentlich besonders liberale Geister in höchste Sorge versetzen,möchte man meinen, oder ist es denen das Recht auf körperliche Unversehrtheit neuerdings egal?
    Aber davon müsste man halt erstmal Kenntnis haben, nicht wahr?

    Aber wie mühsam ist es denn bitte erst gründlich zu recherchieren und dann vielleicht noch irgendjemand dessen Nase einem nicht gefällt vorurteilsfrei zuzuhören?

    Oder glaubt der Autor, dass es schon reicht gegen Jebsen zu schreiben weil den der Herr Broder auch schon mal kritisiert hat?

    Der Artikel jedenfalls entbehrt jeder Sachlichkeit und verlässt sich einzig auf seine zahlreichen ad hominem Argumente um in letzer Konsequenz diejenigen, die sich Frau Merkels Vorgaben nicht duckmäuserisch beugen in eine von zahlreichen seltsame Ecken zu stellen.

    Wenn der Autor besser schreiben könnte würde, ihm sicher eine große Karriere in den Kommentarspalten der Mainstreammedien offen stehen.

    Das Handwerkszeug dafür -und genau dafür – hat er ja schon.

    Von dem hingegen , was einen liberalen Geist so ausmachen könnte , ist allerdings leider weit und breit nichts zu sehen.

    Sorry, aber wenn das der liberale Nachwuchs sein soll, dann braucht kein Mensch mehr den Liberalismus.

    • Raubtierkapitalist sagt:

      fineart schrieb:

      >Das sollte eigentlich besonders liberale Geister in höchste Sorge versetzen

      Macht es. Bedeutet aber nicht, dass man sich deswegen zusammen mit
      Irren* auf die Straße stellen muss.

      *Sicherlich nicht alle Anwesenden, aber ihnen ist dieses Milieu doch
      bekannt: USA-Hasser, Anti-Zionisten/Anti-Semiten, Putin-Lover,
      Chemtrail-Kranke, Reichsbürger, Peaceniks, Kommunisten,
      Nationalbolschewisten/-sozialisten…

      Leute, die gerne unter Putins Knute „leben“ möchten, aber hier nach
      Freiheit schreien. Lol.

      • fineart sagt:

        So what?

        wenn etwas wahr ist, dann bleibt es auch wahr, wenn es “der Falsche” sagt

        und in der Not…
        (haben Sie schon von den Ideen zur Änderung des Wahlrechts für die BT-Wahl 2021 gelesen?)..

        ..muss man nehmen was da ist.

        Wie würden Sie heute leben, wenn die USA sich damals gesagt hätten

        “eigentlich müssten wir Europa befreien, aber weil die Kommunisten auch gegen das Deutsche Reich kämpfen, sind wir uns zu schön dafür…” ?

        Wenn -um die junge Schwedin zu zitieren, der wir alle von Herzen gute Besserung wünschen – Ihr Haus brennt dann durchsuchen Sie doch sicher nicht erstmal den Twitteraccount der örtlichen Feuerwehr bevor Sie entscheiden, wer da mitlöschen darf, oder?

        Wenn das Haus erstmal gelöscht ist,dann kann man anfangen, sich wieder Gedanken über die B-Note machen.

  3. Raubtierkapitalist sagt:

    Er hier hätte noch gefehlt 😀

    Und vielleicht noch Xavier Naidoo mit Jürgen Elsässer als Backgroundsänger begleitet von Markus Frohnmaier auf der Balalaika.

  4. nordseeschwalbe sagt:

    Vielen Dank, dass Sie sich in diesen Irrsinn gewagt haben, um darüber zu berichten. Das ist Journalismus der guten alten Schule: hingehen, anschauen, mit Leuten reden. Tut gut in Zeiten, wo alle voneinander abschreiben!

  5. J sagt:

    Danke für den Überblick!

  6. Fred G. Eger sagt:

    Tja, Gottes Zoo ist gross…

  7. David sagt:

    Sie sind nach meinem EIndruck ziemlich voreingenommen zur Demo gegangen. Das ist natürlich ok, wobei mir der Grund nichtoffensichtlich ist. Das, was Sie gesehen haben, hat sich bei den letzten Terminen genauso dargestellt, darüber wurde auch berichtet. Also nichts Neues!

    Das ist dann halt eine “klassische Querfront-Verantstaltung”. So what? Entscheidend ist doch, daß sich überhaupt etwas rührt und die aus meiner Sicht völlig überzogenen Maßnahmen von Bund und Ländern massiv kritisiert werden. Daß die Polizei zumindest nicht glücklich agiert, aber wohl nicht anders kann, ist natürlich schade.

    Ihr Hinweis auf “rußlandfreundliche Verschwörungstheoretikern” zeigt, daß Sie gut auf der Regierungswelle schwimmen. Da ist ja alles schlecht, was Rußland NICHT kritisiert, und das Wort vom “Verschwörungstheoretiker” wird allseits gern bemüht, um nicht genehme Meinungen zu klassifizieren.