An oder mit der Pest gestorben – Kann Corona mit der mittelalterlichen Seuche gleichgesetzt werden?

Von Marlene Linden | Die Sonderausstellung des Augusteums Wittenberg “Pest – eine Seuche verändert die Welt” vermittelt nicht nur historische Fakten. Neben frühneuzeitlichen Exponaten werden dort auch aktuelle Gegenstände der Coronazeitgezeigt – mit vergleichenden Kommentaren.

Pestilence, aera mors, Covid-19, Beulenpest” – am Eingang der Ausstellung begrüßt dieses farbenfrohe Plakat die Besucher. In seiner Mitte prangen in unübersehbaren Buchstaben die Worte “Corona” und “Pest”.

Neben den historischen Exponaten finden sich in den Räumen kleine Schaukästen, in denen Gegenstände der aktuellen Coronapolitk mit Erklärungen, die leider manchmal nicht ganz vollständig sind, ausgestellt werden.

So wird z.B. unter “Überträger” der Corona-Krankheit lediglich erwähnt, dass das Virus durch den Verkauf von Fledermaussuppe auf dem Markt in Wuhan übertragen worden sein soll. Diese Information wird als “Gerücht” bezeichnet – aber woher kommt das Virus denn nun wirklich? Darauf gibt die Ausstellung leider keine Antwort. Das kann sie auch nicht, denn diese Frage ist in der Wissenschaft umstritten.

Immer wahrscheinlich jedoch erscheint, dass das Virus aus einem Labor in der Nähe kommt. Obwohl China diesen Laborunfall abstreitet, scheinen einige Besonderheiten im Erbgut des Virus auf einen künstlichen Ursprung hinzuweisen. Endgültig bewiesen wurde jedoch noch nichts.

Einige Schritte weiter wird das berühmte Bild vom Militärkonvoi in Bergamo ausgestellt. Im Kommentar heißt es, das Coronavirus hätte die Menschen so schnell dahingerafft, dass einige Krematorien überlastet gewesen seien. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Normalerweise werden in Italien etwa die Hälfte der Toten in der Erde bestattet. Da man aber Corona zu dieser Zeit für eine gefährliche Krankheit hielt, wurde angeordnet, alle Toten zu verbrennen. Deshalb war das Krematorium in Bergamo zeitweise überlastet, nicht wegen einer erhöhtenSterblichkeitsrate durch Corona.

Der Vergleich zwischen Pest und Corona zieht sich durch die ganze Ausstellung. Am deutlichsten wird das an einem Memory, mit dem schon die Kleinsten lernen können, was zusammengehören soll: das Coronavirus und das Pestbakterium, die Maske des Pestarztes und die FFP2-Maske – letzteres eigentlich eine sehr gute Zusammenstellung, da beide gleich wirksamen Schutz biete.

Im Grunde müsste man für die Ausstellung dankbar sein, denn sie beruhigt: Ob gewollt oder ungewollt – noch nie kam mir Corona harmloser vor als im Vergleich zur Pest. Wer also immer noch wegen Corona beunruhigt ist, dem kann die Austellung empfohlen werden.

Dazu trägt vor allem ein Plakat bei, das in einem separaten Raum hängt. Es zeigt verschiedene Infektionskrankheiten mit ihrer jeweiligen Sterblichkeitsrate. Bis zu 30% der Bevölkerung sind vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert an der Pest gestorben – bei Corona sind es gerade mal 0,05% – also 5 von 10.000.  

“Werden wir eines Tages auch auf die aktuelle Sars-Cov-2-Pandemie mit wohligem Erschauern zurückschauen?” liest man kurz vor dem Ausgang. Die Antwort: Auf keinen Fall. Erschauern werden wir nicht bei dem Gedanken an die Pandemie, sondern wenn wir daran denken, was uns unsere eigenen Maßnahmen dagegen gekostet haben: die psychische und ökonomische Stabilität unsrer Gesellschaft, das Vertrauen in die Regierung, der Bildungsverlust und die psychischen Schäden bei einer ganzen Generation und Jugendlichen – ganz zu schweigen von den Menschen, die sich aus Einsamkeit und Verzweiflung selbst Leben genommen haben. Und das alles völlig umsonst. Man muss nur einen Blick nach North und South Dakota werfen: Während in North Dakota strenge Corona-Regeln galten, ließ die Regierung South Dakotas die Bürger uneingeschränkt. Ergebnis: Infektions-und Sterbegeschehen war in beiden Staaten ungefähr gleich. Aberin North Dakota wurden Wirtschaft und Freiheitsrechte geschädigt, während South Dakota unbeeinträchtigt blieb.  

Selbst wenn die Angst kein Überträger ist, wie man zu Pestzeiten glaubte, so ist sie doch ein Katalysator. Corona selbst ist nicht wie die Pest – die Gegenmaßnahmen sind es.

 

3 Antworten

  1. karlchen sagt:

    Der letzte Satz trifft den Nagel auf den Kopf!

  2. Olaf sagt:

    Es wäre besser gewesen ein Zwischenweg zwischen Schweden und unseren Lockdowns zu wählen mit mehr Schutz für gefährdete Gruppen und mehr Freiheiten für den Rest. Auch bin ich nicht mehr einverstanden wie die Maßnahmen weitergeführt werden. Es wurde zugesagt wenn alle ein Angebot haben werden alle Beschränkungen aufgehoben. Mittlerweile können alle ab 12 geimpft werden. Die Kinder unter 12 tragen so gut wie kein eigenes Risiko. Statt sich an Zusagen zu halten werden die Restriktionen fortgeführt. Was Corona und Pest angeht (ähnlich Corona und „Spanische Grippe“) die Unterschiede sind so gewaltig das man beides überhaupt nicht vergleichen kann.

  1. 30. September 2021

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