Amnesty-Bericht zur Todesstrafe 2018

Von ELISA DAVID | Der Amnesty-Bericht zur Todesstrafe 2018 ist veröffentlicht worden – und die Ergebnisse sind nicht wirklich überraschend, wohl aber bezeichnend. Es wird vermutet, dass im vergangenen Jahr mindestens 690 Menschen in etwa zwanzig Ländern hingerichtet wurden. 78% der dokumentierten Hinrichtungen fanden im Iran, Saudi-Arabien, Vietnam und dem Irak statt. Die meisten Hinrichtungen hat aber mit Abstand China, wie in sämtlichen vorherigen Jahren auch. China gibt die Anzahl zwar nicht offiziell bekannt, doch Schätzungen zufolge wurden dort erneut Tausende Menschen hingerichtet, also mehr als im Rest der Welt zusammen.

Vergleicht man die fünf Länder, fällt eine Gemeinsamkeit auf, denn sie haben alle ideologische Regierungen. Im Iran, im Irak und in Saudi-Arabien geschieht das Ganze im Namen des Islam, alle drei Länder wenden die Scharia an. Vietnam und China sind beides sozialistische Staaten. Der Islam und der Sozialismus – in der Todesstrafe vereint. Ein bisschen beunruhigend, wenn man bedenkt, welches Ansehen beide Weltanschauungen gerade in der deutschen Gesellschaft genießen. Vor allem, wenn man auf den ersten Platz der Liste schaut. Die Internetseite des Auswärtigen Amtes bezeichnet unsere die Beziehung mit China sogar als „freundschaftlich“. Aber sollte nicht ausgerechnet Deutschland Abstand zu solchen Ländern haben, wo wir doch sonst immer die Welt retten wollen?

Denn im Moment machen wir eher das Gegenteil – wir machen uns abhängig. Man braucht sich nur umzuschauen es kommt doch alles aus China, es ist schon etwas besonderes, wenn irgendwas mal nicht von dort kommt. Aber China ist wohl schon zu mächtig um kritisiert zu werden. Und der zweite Platz, also Iran? Freunde kritisiert man nicht. Aber es ist schon seltsam, es ist zwar keine große Überraschung, Länder wie China oder Iran auf dieser Liste wiederzufinden, nur mit dem Vietnam hätte ich nicht gerechnet. Aber, verglichen mit dem internationalen Aufruhr, den das Thema bekommen hat, vermisse ich die USA. Sonst zeigen doch immer alle auf den bösen Staat auf der anderen Seite des Atlantiks, wenn es um Hinrichtungen geht? Immer wenn die Todesstrafe besprochen wird, ist das beliebteste Beispiel Amerika. Europäische Pharmaunternehmen sind schon länger aus ethischen Gründen nicht mehr bereit, den US-Behörden die tödlichen Substanzen zu liefern, die für die Hinrichtungen nötig sind. Das hat zur Folge, dass dort mit Giftmischungen experimentiert wird – was ganz sicher auch nicht ethisch korrekt ist. Die Todesstrafe ist abzulehnen, und das sowohl in den USA als auch in China. Aber: Bei den einen nehmen wir um jeden Preis Abstand, bei den anderen ignorieren wir das Thema komplett. Klingt als würde da jemand nach zweierlei Maß messen. Hauptsache, wir kriegen unser chinesisches 5G-Netz!