Alle Jahre wieder – Mehrheit der Deutschen fordert Böllerverbot

Von Lucy Mai | In den letzten Jahren wurde der Ruf nach einem Böllerverbot an Silvester immer lauter. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov hat nun ergeben, dass 57 Prozent der 2000 Befragten ein Böllerverbot aus Umwelt- und Sicherheitsgründen befürworten. Nur 36 Prozent sprechen sich gegen ein Verbot aus, sieben Prozent sind unschlüssig.

Wie bei allen Verbotsdebatten ist hier das Hauptargument der Umweltschutz: Jedes Jahr wird spätestens an Silvester wieder über Feinstaub debattiert und Verbote werden gefordert. Doch ähnlich wie bei der Klimadebatte sollten wir uns auch hier die Frage nach der Glaubwürdigkeit solcher Forderungen fragen: Wenn doch 57 Prozent der Deutschen ein Böllerverbot fordern, wieso boomt die Feuerwerksindustrie trotzdem? Seit 2015 ist der Umsatz der Böllerindustrie nahezu gleich geblieben. Von einem Rückgang kann also keine Rede sein, obwohl seit Jahren ein Verbot von allen Seiten gefordert wird und jeder an die Vernunft seiner Mitmenschen appelliert. Wer sich wirklich ernsthaft für den Umweltschutz einsetzt, benötigt ohnehin kein Verbot, sondern kann auch einfach auf das Böllern verzichten.

Das zweite Argument für ein Böllerverbot ist die Frage nach der Sicherheit: Jedes Jahr dürfen wir von betrunkenen Jugendlichen und Erwachsenen lesen, die in ihrem Suff Unfälle mit Böllern haben. Im ersten Moment erscheint ein Verbot hier sogar sinnvoll. Bei näheren Betrachten fällt auf: Wer einen Böller nicht ordnungsgemäß oder in berauschtem Zustand zündet oder sogar einen illegalen Böller verwendet, ist selbst dafür verantwortlich. Böller stellen natürlich immer ein Sicherheitsrisiko dar, aber die meisten Unfälle sind eben selbstverschuldet und es wird immer Idioten geben, die Böller nicht ordnungsgemäß verwenden. Wieso sollte der Staat die gesamte Bevölkerung bevormunden, um wenige Idioten vor sich selbst zu schützen?

Böllern gehört zu Silvester dazu, es ist eine uralte Tradition. Schon vor 2000 Jahren kannte man im alten China Feuerwerk. Und zu dieser Tradition gehört eben ein gewisses Maß an Verschmutzung dazu. Wenn man die Umweltverschmutzung minimieren will, sollte man sich vielleicht nicht auf eine Maßnahme stürzen, die wirklich nur einen einzigen Tag betrifft und den Rest des Jahres absolut nicht relevant ist. Klar kann man damit arbeiten die ganze Aktion ungefährlicher für Mensch und Tier zu gestalten, aber warum muss man immer alles verbieten? Warum ist der einzige Ausweg, den man heutzutage noch sieht, wenn man mit einem Problem konfrontiert wird, dass man eine ganze Nation wie Kinder behandelt und einfach blind Verbote ausspricht? Ich bin zwar kein riesiger Fan von Böllern, aber ich will selbst entscheiden was ich kaufe. Und wenn man mir jetzt schon die paar Raketen nicht mehr gönnt, werde ich sie mir wohl auf Vorrat kaufen.

5 Antworten

  1. Deborah Meier sagt:

    Ich habe noch nie im Leben Böller gekauft und werde das persönlich nicht vermissen. Verbote haben aber trotzdem keinem was Gutes gebracht. Es wird noch mehr Unfälle und Opfer geben, weil die Leute irgendwas auf dem Schwarzmarkt kaufen oder selbst produzieren werden. Verstehen kann ich trotzdem nicht, wenn Menschen Geld für Feuerwerk ausgeben und z.b. in Tierheimen tausende Tiere am Limit leben.

  2. karlchen sagt:

    Verbote fordern! Wie pervers masochistisch ist das denn? Damit erkläre ich mich doch zum zu erziehenden Kleinkind! Ich persönlich wäre damit zufrieden, wenn man einfach die bestehenden Verbote (keine Leute gefährden oder gar absichtlich verletzen, nicht illegal einreisen, keine Drogen verkaufen etc.) umsetzen würde!

  3. nordseeschwalbe sagt:

    Ich fliehe zwar jedes Jahr vor den bürgerkriegsartigen Zuständen auf Kreuzbergs Straßen, aber das hat weniger mit den Böllern zu tun, als mit denjenigen, die sie gezielt auf Leute werfen… Böller-Verbot ist dasselbe wie Messer-Verbot: statt kriminelles Handeln zu bestrafen, tun wir mal so als wären die Dinge Schuld.

  4. dasLinkeParadox sagt:

    Wer unbedingt böllern muss, solls von mir aus machen, aber sinniger fände ich schon, ne Tüte Böller weniger zu kaufen und das gesparte Geld lieber der Meinungsfreiheit, alos Blogs wie diesem hier zu spenden. Da hat man das ganze Jahr was davon und nicht nur 5 Sekunden!
    Aber muss jeder selbst wissen, die Entscheidung liegt bei jedem Einzelnen.

  5. Andrés Ramos sagt:

    Guter Artikel. Es geht nämlich garnicht um die Sinnhaftigkeit eines Böllerverbotes. Ich finde, man kann sein Geld sinnvoller ausgeben als für Feuerwerk. Ich könnte auch mit Tempo 130km/h auf deutschen Autobahnen gut leben, aber ich bin trotzdem GEGEN diese Verbote! Es geht nicht darum, dass Menschen unter Vernunftszwang möglicherweise besser organisiert wären, es geht um unsere Freiheit! Freiheit darf nicht nur gelten wenn vernünftig gehandelt wird, sie muss immer gelten. Sie wiegt höher als Vernunft. Richtig wäre, dass Menschen auch die Konsequenzen ihrer freien Entscheidungen tragen. Das rechtfertigt aber keine Bevormundung!