Kritisches Interview mit der JuLi-Bundesvorsitzenden

Bild: Marvin Ruder | CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Von Niclas Bensberg | In Hamburg fand heute die Bürgerschaftswahl statt. Ersten Hochrechnungen zu Folge gehen die SPD und die Grünen als Sieger hervor, während die CDU abgerutscht ist. Die FDP liegt nach aktuellem Stand bei 5% und die AfD sogar unter der fünf Prozent Hürde, beide müssen also noch zittern. Unser Autor Niclas Bensberg ist live bei der Wahlparty der FDP vor Ort und befragte Ria Schröder zu ihrer Position zum schlechten Ergebnis der Hamburger FDP, der Rolle der FDP in Thüringen und dem unfairen Umgang mit der AfD in den letzten Tagen. 

Apollo News: Wie bewerten Sie das Ergebnis der FDP?

Ria Schröder: 5% so wie es im Moment aussieht, ist eine gute Ausgangslage. Wir freuen uns wenn die FDP wieder in der Bürgerschaft mit vorhanden sein wird, weil es eine wichtige Stimme ist, die wir in Hamburg brauchen. Das ist allerdings natürlich nicht das was wir uns gewünscht haben. Deswegen sind wir froh, aber ist auch ein bisschen mit nem Wermutstropfen verbunden.

Apollo News: Was sind, Ihrer Meinung nach, die Ursachen für das schlechte Ergebnis?

Ria Schröder: Wir haben ja gesehen, dass die Grünen und die SPD sich hier son Horse Race geliefert haben, und die Frage, die für Wochen die Medien bestimmt hat, war die Frage “Wer wird eigentlich Bürgermeister oder Bürgermeisterin und das hat sich auf alle anderen Parteien ausgewirkt, die haben alle eingebüßt. Auch die CDU ist ja stark abgeschmiert, die AfD unter 5% gerutscht, was ich sehr gut finde und deswegen sieht man da schon, dass sich das ganz besonders auf die FDP ausgewirkt hat.

Apollo News: Wie bewerten Sie die Rolle der FDP in Thüringen in den letzten Wochen?

Ria Schröder: Herr Kemmerich hat da nen großen Fehler begangen, indem er sich von den Stimmen der AfD hat wählen lassen, obwohl eine Wahl sonst garnicht möglich gewesen wäre. Dieser Fehler wurde rückgängig gemacht, das ist gut, aber ich glaube unsere Lehre daraus muss sein, dass wir noch wachsamer gegenüber den Feinden der Demokratie in Deutschland sein müssen und das ist das was wir aus Thüringen mitnehmen müssen.

Apollo News: Glauben Sie, dass das einen großen Einfluss auf die Wahl in Hamburg hatte?

Ria Schröder: „Ich weiß, dass es große Einflüsse gab. Ich stand ja am Wahlkampfstand und hab mit den Leuten gesprochen. Ich musste mir hier Beleidigungen dafür auch anhören, habe mit vielen Leuten aber auch gute Gespräche geführt, darüber was in Thüringen passiert ist, aber natürlich hat es einen Einfluss gehabt.“

Apollo News: Wie bewerten Sie das Ergebnis der AfD jetzt – nach Hanau und Thüringen?

Ria Schröder: Das Ergebnis der AfD jetzt bewerte ich als sehr positiv. Ich freue mich wenn wir am Ende des Abends auch wissen, dass die AfD tatsächlich nicht wieder den Eintritt in den Landtag geschafft hat. Dann ist das ein gutes Zeichen für ganz Deutschland und dann hoffe ich, dass wir nicht das letzte Landesparlament sein werden, in dem Rechtsextremisten auch wieder rausfliegen.

Apollo News: Finden Sie es denn fair wie in der Medienberichterstattung mit der AfD umgegangen wurde?

Ria Schröder: Ich finde es nicht fair wie die AfD mit der Demokratie umgeht und deswegen müssen alle Freunde der Demokratie die AfD ganz entschieden bekämpfen.

7 Antworten

  1. Gregor Kühn sagt:

    Liebes Apollo-Team,
    ihr tut der FDP keinen Gefallen, wenn ihr Frau Schröder in dem Interview mit ihren genormten, politisch-korrekten Phrasen ohne kritisches Nachhaken davon kommen lasst. Ein kritisches Interview geht aber ganz anders, es gab genug Möglichkeiten für unbequemes Nachbohren

  2. Martin Hahn sagt:

    Ich stimme meinen Vor-Kommentatoren zu. Um so bedauerlicher, dass der Interviewer bei dem Statement der Dame zur AfD nicht mal nachgehakt hat. Eine verpasste Gelegenheit. Ein “kritisches” Interview sieht anders aus.
    P.S. Nichts für ungut! Ich schätze Apollo-News und die Arbeit der jungen Leute hier ansonsten sehr!

  3. Joachim Bühler sagt:

    Ich fand das Interview gar nicht kritisch. Frau Schröder konnte ihren Standpunkt erschöpfend mitteilen, ohne mit entsprechenden Nachfragen konfrontiert zu werden.
    Nach meinem Eindruck hat sich in Folge der Thüringengeschichte innerhalb der FDP ein Riss aufgetan (der vermutlich latent schon vorher angelegt war). Die Einen (wie Frau Schröder, Herr Baum) sehen die Kemmerichwahl als Sündenfall. Sie begrüssen, dass sich die ganze Partei nun zur Strafe in den Schlamm wirft, Abbitte leistet, um Vergebung bittet und schwört nie wieder einen gemeinsamen Sachantrag aufrechtzuerhalten, sobald er auch nur von einer AFD-Stimme mitunterstützt wird. Die Anderen sehen genau in diesem Verhalten eine unzumutbare Demütigung und hätten es auch gern gesehen, dass Kemmerich die Sache durchgezogen hätte. Für sie stand die potentielle Chance im Vordergrund bürgerlich-liberale Politik zu realisieren, wenn auch unter schwierigen Voraussetzungen. Für beide Standpunkte finden sich sowohl Zustimmung als auch Ablehnung. Allerdings müssen auch Erstere erfahren und zugeben, dass Wähler, öffentliche Meinung und Medien unbarmherzig sind und Demutsgesten nicht wie erwartet mit Anerkennung, sondern mit Respektverlust und Verachtung belohnen. Resultat ist, dass nun eigentlich wieder beide Seiten im selben Boot sitzen. Über diesen Konflikt hätte ich gerne mehr erfahren.

  4. Ursula Oppermann sagt:

    Was macht denn die AfD in ihren Augen zu Feinden der Demokratie, bitte nicht in Floskeln antworten.

  5. Kowalski sagt:

    Wie geht die AFd denn mit der Demokratie um?Das sie nach dem Gesetz wählt?
    Was sagt die Dame denn zum Demokratieverständnis von Merkel die die Wahl in Thüringen rückgängig machen will weil die falschen gewählt haben!?Das ist dann schon ok,oder wie?

  6. Tom sagt:

    “Ich finde es nicht fair wie die AfD mit der Demokratie umgeht und deswegen müssen alle Freunde der Demokratie die AfD ganz entschieden bekämpfen.”

    — Was soll das bedeuten? Wie konkret unfair ist es denn, als gewählter Abgeordneter in einer freien, geheimen Wahl sein Wahlrecht auszuüben? Wie kann man überhaupt einen Mechanismus der politischen Willensbildung, der auf einer repräsentativen Mehrheitsentscheidung beruht “unfair behandeln”? Diese ganze hohle Phrasendrescherei ist doch für jeden halbwegs intelligenten Menschen nicht zumutbar. Und: Wenn angeblich Liberale rein moralisch argumentieren, warum soll man dann nicht gleich das linke Original wählen?

  1. 24. Februar 2020

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