80 Jahre nach Kriegsbeginn – die wahre Lehre der Westerplatte

Von Max Zimmer | Vor 80 Jahre marschierte Deutschland in Polen ein, und begann damit den zweiten Weltkrieg. Die massiv überlegene deutsche Militärmaschinerie besiegte Polen innerhalb weniger Wochen, und besetzte das Land zusammen mit der roten Armee. Die Allierten mussten hilflos zusehen, wie Adolf Hitler mit Joseph Stalin einen Teil Europas unterwarf, den ersten von vielen weiteren die folgten. 

Anlässlich dieses düsteren Jahrestags fand in Warschau eine Gedenkveranstaltung statt, welcher auch der deutsche Bundespräsident Steinmeier und die Kanzlerin Merkel beiwohnten. Die Worte bekannt, die Botschaft nicht wirklich neu: Bekennung zur deutschen Schuld, Bitten um Vergebung. Eigentlich ein inhaltlich korrekter Auftritt, wäre da nur nicht die Phrase von der Schuld, die Steinmeier uns auch im Jahre 2019 noch anlastet. Ja, das NS-Regime hat unsagbare Verbrechen begangen, und die will auch niemand aus den Geschichtsbüchern streichen, genau so wenig wie den Krieg. Aber es gibt – 74 Jahre nach Ende des Krieges – keine “Schuld“ mehr, die das deutsche Volk zu begleichen hätte. 

Ich bin Jahrgang 2002, meine Eltern Jahrgang 1966. Jemand, der heute 90 ist, war bei Kriegsende 16, und damit wahrscheinlich nicht an Gräultaten beteiligt. Ergo: Der Krieg ist vorbei, Hitler ist lange tot, und genau so die Generation, auf die das Wort “Schuld“ vielleicht noch zutreffen mag. Das moderne Deutschland trifft keine Verantwortung für die Verbrechen, die von einem Regime begangen wurden, dessen Ende ein Dreiviertel Jahrhundert her ist. 

Erinnern und Gedenken, auch Lehren ziehen: alles kein Problem. Aber von einer deutschen Schuld zu sprechen, die nahezu vererbbar ist, wäre nicht nur unfair gegenüber den jungen Deutschen sowie kommenden Generationen, sondern auch eine fatale Missinterpretation der Geschichte. Wenn wir nämlich – zurecht – von einem “nie wieder“ sprechen, muss uns klar sein, was wir damit meinen, und um das zu wissen, müssen wir den Weg bis hin zum 1. September analysieren.

Nationalsozialismus und Tyrannei 

Der erste Schritt hin zum Krieg beginnt in Deutschland selbst, mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten. Um zu verstehen, warum wir heute “nie wieder“ sagen, müssen wir den Aufstieg der Nationalsozialisten verstehen, den “Weg zur Knechtschaft“, wie Friedrich August von Hayek ihn in seinem gleichnamigen Buch aus dem Jahre 1944 bezeichnete.

Hier bietet er einige interessante Denkansätze über die Korrelation von kollektivistischen und sozialistischen Tendenzen innerhalb der Gesellschaft, und der Errichtung autoritärer, antidemokratischer Regime.So schreibt der Österreicher, der selbst 1938 vor den Nazis nach England floh, dass es kein “den Deutschen inhärenter böser Wille“ sei, der Hitler den Weg ebnete, und die Deutschen kein von Natur aus böses Gen besäßen, dass den Nationalsozialismus und damit den Krieg bereits im Vorhinein in Stein meißelten. 

Er erkannte, dass der zunehmende Antikapitalismus in der Weimarer Republik der Hauptgrund gewesen ist, dass eine derart totalitäre Bewegung wie die NSDAP an die Macht kommen konnte. Die Gefahr, der wir uns folglich bewusst sein müssen, heißt nicht Deutschland, Sauerkraut oder Patriotismus – der Krieg war eine direkte Folge des autoritären und kollektivistischen Zeitgeistes, der die Diktatur der Nazis erst ermöglicht hat. Das zu verstehen ist elementar, um eben nicht – wie Steinmeier – die falsche Lehre aus der Geschichte zu ziehen.

Apeasement und schlechte Außenpolitik 

Der zweite fatale Schritt, der Hitler letzlich befähigte halb Europa zu unterwerfen, war die anfängliche Beschwichtigungspolitik der britischen Regierung unter Neville Chamberlain. Diese versuchte Jahrelang, Hitler durch Verhandlungen, Diplomatie und ständige Eingeständnisse zu beschwichtigen, und somit die nationalsozialistische Bestie in Schach zu halten. 

Hitler will Österreich? Geben wir es ihm! Hitler will das Sudetenland? Geben wir es ihm, unter der Bedingung, keine weiteren Forderungen zu stellen. Hitler marschiert im Rest der Tschechoslowakei ein? Schade, kann man leider nichts machen. Hitler greift Polen an? Das kommt überraschend.

Etwas überspitzt, war das exakt die Art Politik, die letzlich zur agressiven deutschen Expansion geführt hat. Hitler wurde von den Westmächten nie konfrontiert, er hat nie Konsequenzen für Vertrags- und Rechtsbrüche zu spüren bekommen. Das Ergebnis: mit jedem Finger, den die westlichen Demokratien ihm hin hielten, griff er nach der ganzen Hand, mit jedem Schritt, den sie zurück gingen, schubste er sie zwei zurück.

Die unumstößliche Lehre vom 1. September 1939 ist das Scheitern der Appeasement Politik. Das haben die Westmächte nach dem Krieg auch erkannt, und gaben der Sowjetunion keinen Spielraum für ihre Forderungen:Die Luftbrücke, der Marshall Plan, die Formation der Nato und letztlich auch die Gründung der Bundesrepublik auf Basis des demokratischen Grundgesetzes sind direkte Folgen jener Lehren, die Amerika und Großbritannien in der Nachkriegszeit im Gedächtnis behalten haben. Lehren aus 1939, das Wissen darum, dass man der Tyrannei keinen Spielraum geben darf. 

Wenn wir also von einem “nie wieder“ reden, muss uns klar sein, was wir meinen: 

Nie wieder Diktatur, 

Nie wieder Sozialismus, 

Nie wieder Appeasement. 

“Man kann mit einem Tiger nicht verhandeln, mit dem Kopf in seinem Maul. “Das ist die Lehre der Westerplatte.

9 Antworten

  1. Den Wein einzureichen geht ganz schnell.

  2. Medaillen sagt:

    Das betrifft beide Versionen des Spiels (INT, US).

  3. Wer der Superstar des aktuellen WSA ist.

  4. Hans Schneider sagt:

    Hinweis zum Hitler-Stalin-Pakt vom 23.8.39:
    Fast nie wird erwähnt: neben dem Freundschaftsvertrag vom 28.9.39 gab es einen Wirtschaftsvertrag vom 11. Februar 1940 über kriegswichtige Rohstoffe.
    Es wurden von der Sowjetunion an Hitlerdeutschland bis zum 22.Juni 1941 geliefert:
    Erdöl 900.000 Tonnen
    Eisenerze 500.000 t
    Getreide 1.000.000 t
    sowie Phosphate, Crom-Erze, Platin, Schrott 900.000 t
    Summe: 3,3 Mio Tonnen kriegswichtige Rohstoffe
    für die deutsche Rüstungsindustrie !
    Die kommunistische Sowjetunion hat das nationalsozialistische Deutschland im Krieg gegen den „Westen“ aktiv unterstützt.
    So begann der “Kalte Krieg” von Sowjet-Russland gegen den Westen.

  5. Paul sagt:

    Ein wichtiger Artikel. Die Reduzierung des Nationalsozialismus auf eine angebliche Boshaftigkeit der Deutschen verhamlost den Charakter und die Bedrohung totalitärer Ideen.

  6. DJ_rainbow sagt:

    Guter Artikel, aber unvollständig. Es fehlt, dass auch der Versailler Vertrag und seine unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen ihren Teil dazu beigetragen haben. Weniger zum 2. Weltkrieg an sich, aber zu dessen Vorgeschichte.

    Es gab damals – also um 1919 herum – auch bei den Alliierten schon Leute, die in Versailles keinen Friedensvertrag, sondern nur einen Waffenstillstand auf Zeit gesehen haben.

  7. dasLinkeParadox sagt:

    Hervorragend!

  8. baghira sagt:

    Schöner Artikel. Volle Zustimmung,

  1. 3. September 2019

    […] über 80 Jahre nach Kriegsbeginn – die wahre Lehre der Westerplatte — […]