70 Jahre Nato: Es lebe die Westbindung

Von Max Zimmer | Vor 70 Jahren – am 4. April 1949 – trafen in Washington Delegierte und Regierungschefs der westlichen Siegermächte des zweiten Weltkriegs zusammen, darunter die USA, Großbritannien, Frankreich, Kanada sowie kleinere, durch den Sieg über Nazi-Deutschland befreite Staaten wie Belgien, Norwegen und Dänemark, um ein Bündnis zu schaffen, das die westlichen Demokratien militärisch einen und vor dem Kommunismus im Osten verteidigen sollte.

Die Demokratien hatten gelernt: Vor dem Weltkrieg waren sie lose organisiert, ohne die Mittel oder den Willen, sich gegenseitig gegen Tyrannen wie Hitler verteidigen zu können.
Das Ergebnis jener Außen- und Verteidigungspolitik, in Verbindung mit den Beschwichtigungsversuchen Großbritanniens unter Chamberlain, sind uns allen bekannt: Hitler überfällt Polen und zwingt nicht einmal ein Jahr später komplett Westeuropa in die Knie. Durch grobe Fehler der militärischen Führung Deutschlands, konnte der Albtraum von der Invasion der britischen Insel in letzter Minute verhindert, und die faschistische Bestie nach insgesamt 6 Jahren Krieg bezwungen werden – Millionen Menschen zum Opfer.

Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, beschlossen die Demokratien des Westens nun, vor genau 70 Jahren, sich militärisch zu vereinen, und zukünftig Seite an Seite gegen aggressive Tyrannen stehen zu wollen – Stalin hatte gerade mit der Blockade des freien West-Berlins begonnen. Auch wenn die Bundesrepublik selbst erst 6 Jahre später – im Jahre 1955 – der Nato beitrat, kann man diesen Punkt als den Gründungsmythos der deutschen Westbindnung betrachten. Nur 4 Jahre, nachdem Alliierte Bomberverbände deutsche Großstädte in Schutt und Asche gebombt hatten, versorgten sie in einer historischen Operation nun 322 Tage lang die gesamte Bevölkerung West-Berlins – der sowjetischen Blockade zum Trotz – mit notwendigen Gütern aus der Luft, sicherten das Überleben der abgeschnittenen Berliner, und warfen aus den berühmten Rosinenbombern Süßigkeiten für die Kinder ab – ein Meilenstein der deutsch-amerikanischen Versöhnung. Das Ziel wurde erreicht: Stalin ließ von West-Berlin ab. Die Stadt blieb Teil der westdeutschen Demokratie. Mit der Gründung der Bundeswehr und dem Eintritt der Bundesrepublik 1955 in die Nato, nur 10 Jahre nach Kriegsende, vervollständigte sich die Westbindung Deutschlands. Adenauer gelang es, zumindest einen Teil Deutschlands von der Schmach des Faschismus zu rehabilitieren, und zu einem geachteten Partner zu machen. Deutsche Kanzler lachten nun zusammen mit amerikanischen Präsidenten, als hätte es all das Leid und den Hass, den der Krieg mit sich brachte nie gegeben.

“The Germans” waren nicht mehr der Feind – sondern ein Verbündeter in der historischen Auseinandersetzung zwischen Planwirtschaft und Kapitalismus, zwischen Tyrannei und Demokratie. Zum ersten mal in der Geschichte war ein deutscher Staat Teil der westlichen Alliierten, in einer Reihe mit gewachsenen Demokratien wie den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und Kanada.

Während die eine Hälfte Deutschlands den Segen der Demokratie, der europäischen Einigung, des Wirtschaftswunders und der nie dagewesenen Freiheit erfuhr, war die andere Hälfte eingesperrt im eigenen Land, terrorisiert von einer Ein-Parteien-Diktatur, und geknechtet von sowjetischer Besatzung.
Diese bittere Realität wurde den Ostdeutschen am 17. Juni 1954 auf brutale Weise klar gemacht, als sowjetische Panzer einen Volksaufstand blutig niederschlugen, wie sie es auch in Ungarn, Tschechien und Polen taten.
Die Notwendigkeit der westlichen Einheit wurde den Bürgern des Westens mit jedem Tag der Schreckensmeldungen von Stasi-Kerkern, Mauertoten und stalinistischen Säuberungen klarer.
Die NATO war nicht nur ein Mittel zur Rehabilitierung für Deutschland, sondern auch und vor allem eine rein pragmatische Notwendigkeit.
Die USA konnten es nicht alleine mit dem Warschauer Pakt aufnehmen – auch sie brauchten Verbündete in diesem Kampf um die Vorherrschaft der Systeme.
Die NATO war das zentrale Bollwerk im Kampf um die Frage, ob die Welt von der Demokratie, der Freiheit und der Marktwirtschaft dominiert sein soll, oder von Planwirtschaft, Totalitarismus und Willkür.

Mit Sicherheit, die politischen Systeme des Westens waren auch nicht ohne Fehler, wie Kennedy 1963 bei seiner Rede in West-Berlin konstatierte. Aber, um es in seinen Worten zu sagen: “Wir hatten es nie nötig eine Mauer zu errichten, um unsere Leute daran zu hindern, vor uns zu fliehen.”
Jenes westliche System war es letzlich, das den 50-jährigen Konflikt überlebte, und als Sieger aus der Konfrontation hervorging.

Zwar war der Kampf der Systeme vorbei, verteidigen musste man sich aber noch immer: Das aufstrebende China ist weiterhin eine kommunistische Diktatur, nachdem sie die Proteste auf dem Tiananmen-Platz 1989 genau so blutig niedergeschlagen hat, wie ihr einstiger Bruder – die Sowjetunion – in Osteuropa.
Auch im Nahen Osten entstanden mit aufsteigendem Islamismus neue Gefahren, das Mullah-Regime im Iran oder Hussein im Irak.
Mit den Terroranschlägen auf Amerika am 11. September 2001 begann der vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush ausgerufene “Kampf gegen den Terror”.
Das erste mal in der Geschichte der NATO wurde damals der Bündnisfall ausgerufen. Ergebnis waren die Einsätze im Irak und in Afghanistan.

Russland, China und der Iran fordern die nach 1989 verbliebene, westliche Ordnung heraus, und geben der NATO damit weiterhin eine Existenzberechtigung.
Vergessen wird oft, dass die NATO stets ein Garant für die Sicherheit und den Erhalt der Freiheit für alle ihre Mitglieder war.
Dazu kommt, dass dieser Jahrestag in eine Zeit fällt, in der sich die deutsche Regierung weigert, eigene Versprechungen und NATO-Verpflichtungen einzuhalten, und wider sämtlicher Abmachungen den sowieso mehr als ungenügenden Wehretat senkt.
Die Bundeswehr bröckelt, und mit ihr die Stabilität des westlichen Bündnisses.
Nur wenn Deutschland sich auf die eigene Geschichte zurückbesinnt, an eine Zeit, in der uns der Rücken durch die Westalliierten gestärkt wurde, können wir uns für 50 Jahre der ungebrochenen Loyalität revanchieren, und zumindest unseren Beitrag leisten, jenen Verbündeten heute den Rücken zu stärken.

3 Antworten

  1. Hajo Blaschke sagt:

    Geschichtsmärchen, nicht geschichtsträchtig. Sorry.

  2. Hajo Blaschke sagt:

    Geschichtsträchtig und Außenpolitikdilletantismus auf dem Niveau eines Vorschulanalphabeten. Gnade uns in Deutschland Gott, wenn Personagen dieser Generation in Deutschland Regierungsfunktionen übernehmen.

  3. moneypenny sagt:

    Hot agree, Mr. Zimmer!