12 Jahre Schule – meine Erlebnisse

Von Manuel Freund | Nur einmal vorweg: nein, das Mathe-Abi war nicht zu hart. Meine Schulzeit dagegen war wirklich hart. Mein „Problem“ ist nämlich, dass ich nicht nur einige Meinungen vertrete, die unter Lehrern und Schülern eher unpopulär sind – ich bin zudem noch ein Mensch, der seine Meinung sehr gerne breittritt. Und wenn die meisten Lehrer eins nicht ausstehen können, dann sind das Schüler, die ihnen widersprechen. Der Fairness wegen möchte ich einmal betonen, dass sich natürlich nicht alle meine Lehrer den falschen Beruf ausgesucht haben. Es gab auch diverse Lehrer und Schüler, die zwar völlig andere Ansichten vertreten haben als ich, aber trotzdem immer offen gegenüber meinen Positionen waren.

Desinteresse & frische Käsebrötchen 

Lehrer X ist zwar keiner dieser Lehrer, die ihre Meinung der ganzen Klasse aufzwängen wollen, trotzdem hat er eine Erwähnung in diesem Artikel verdient. Er ist nämlich einer dieser Lehrer, die es sich immer verdammt einfach machen. Er hat eine Präsentation, mit der er Unterricht macht, und ansonsten braucht er nicht viel Material. Das ist in meinen Augen sogar löblich – oft werden Schüler ja mit völlig sinnlosen Arbeitsbögen und “Handreichungen” bombardiert. Aber seine Faulheit geht noch viel weiter. Um uns allen zu zeigen, dass er noch weniger Bock auf Unterricht hat als wir, beendete er die Unterrichtsstunden diverse Male viele Minuten zu früh, um sich in der Cafeteria noch ein frisches Käsebrötchen zu kaufen. Zudem kam es vor, dass er etwas verspätet war – in der Regel konnte man fünf Minuten nach Pausenende zum Unterricht kommen und war noch vor ihm da. Durch das Zuspätkommen und die regelmäßigen Off-topic-Gespräche im Unterricht vermittelte er uns solch ein enormes Desinteresse am Fach, dass ich mich wirklich frage, wie irgendjemand aus unserer Klasse noch mündliche Prüfung in dem Fach machen wollte. 

Die Krönung erreichte Lehrer X jedoch bereits, als er mir in der Mittelstufe bei der Notenbesprechung ins Gesicht gesagt hat: „Am liebsten würde ich dir eine 5 geben, aber dafür bist du zu gut, deswegen gebe ich dir eine 4.“ Und die Note hatte ich – ich weiß das sagt jeder – wirklich nicht verdient. Er ist das typische Beispiel für Lehrer, die nur deshalb Lehrer geworden sind, weil sie möglichst wenig arbeiten wollen. Diese grundsätzliche Faulheit hat aber gerade im Beruf Lehrer nichts zu suchen, denn wenn darunter die Bildung leidet, schaden die Lehrer nicht sich selbst, sondern auch den Schülern.

Das Deutschlehrerphänomen 

Als nächstes sollte ich mit Deutsch abrechnen. Deutsch ist mein absolutes Hassfach und das aus diversen Gründen. Es gibt etwas, das ich das Deutschlehrerphänomen nenne. Viele dürften die Situation kennen, in denen euch der Lehrer erzählt, dass in der Analyse oder der Erörterung natürlich auch andere Interpretationsansätze oder Meinungen als die des Lehrers gültig sind, solange man diese nur gut begründe. Diese Geschichte ist allerdings frei erfunden.
In einer Klausur sollten wir beispielsweise einen Kommentar dazu schreiben, ob die örtliche Stadtbibliothek stehen bleiben sollte. Die Kleinstadt, in der ich wohne, ist finanziell ziemlich schlecht dran und das Geld fehlt an allen Ecken. Das liegt unter anderem daran, dass die Stadtführung seit Jahren Freizeitangebote wie die Bibliothek und das Schwimmbad am Leben hält, obwohl diese enorme Verluste einfahren. Naja, ich wünschte, ich hätte meiner Note zuliebe einfach geschrieben, dass Büchereien super sind…

Ein Malheur, das immer wieder vorkommt, sind spontane Lehrerwechsel kurz vor dem Abitur. So fiel zum Beispiel mein Englischlehrer wegen einer Operation sehr plötzlich ca. ein halbes Jahr vor unseren Abi-Prüfungen aus und wir hatten einige Wochen erstmal gar keinen Englischunterricht mehr. Nun hatten wir aber die Pflichtlektüre als einziger Kurs noch nicht gelesen, aber es ließ sich nur eine Ersatz-Englischfachkraft für montags organisieren.
Letztendliche Lösung: Montags haben wir das Buch gelesen und besprochen und Donnerstags wurden wir auf die anderen Kurse aufgeteilt. Letztendlich haben wir nur ca. fünf Kapitel des Buches gelesen und im Unterricht am Donnerstag waren wir meistens eher Deko, weil wir keine Ahnung hatten, worum es ging. Dem Lehrer kann man in diesem Fall nichts vorwerfen, hier haben einfach die Organisatoren nicht mitgedacht. Es kommt jedoch auch oft genug vor, dass gewisse Lehrerabgänge beispielsweise durch geplante Schwangerschaften oder Pensionierungen durchaus absehbar sind und trotzdem werden den Lehrern Abiturklassen zugeteilt.

Die berühmt-berüchtigte Stunde mit Lehrer Y

Bevor ich über den objektiv katastrophalsten Lehrer unserer Schule berichte, möchte ich noch ein Wort über meine Klasse loswerden. Ich habe vor einigen Monaten einen Artikel über den Umgang meiner Klasse mit der Fridays-for-Future-Bewegung geschrieben. Mir war bewusst, dass dieser Artikel in meiner Klasse wohl eher nicht gut ankommen würde. Aber wer auf eine andere Meinung direkt mit Beleidigungen antwortet, bei dem scheint meine Kritik ja doch ins Schwarze getroffen zu haben. 

Nun zum Schülerschreck schlechthin. Seine fehlende Qualifikation als Pädagoge zeigt sich meistens schon in den ersten paar Minuten einer Vertretungsstunde – auch „berühmt-berüchtigte Stunde mit Lehrer Y“ genannt. Er kommt in den Klassenraum, einer der Schüler isst noch. Der Lehrer macht ihn runter, geht aus dem Raum und sagt ihm dabei, dass sein Mund gleich – wenn er noch einmal reinkommen würde – gefälligst leer zu sein habe. Jeder Schüler kennt ihn und fürchtet sich vor ihm. Selbst meine Mutter bestätigte mir nach dem ersten Elternabend, dass er anscheinend alle bis auf sich für dumm hält.

Er ist so sadistisch, dass ich eine Zeit lang einfach davon ausgegangen bin, dass er nur Mittel- und Oberstufe unterrichtet, bis zu dem Tag, an dem er in die Klasse kam und uns erzählt hat, dass sein Tag super angefangen habe, weil er gerade zwei Mädchen aus der 5. Klasse zum Weinen gebracht habe. Das Problem ist, dass er das ernst meint. Zur Vorbereitung auf das mündliche Abitur haben wir in Geo alle als Ersatz zur halbjährlichen Präsentation bei ihm eine mündliche Prüfung simuliert. Und weil er es anscheinend so toll findet, uns alle zu quälen, nennt er diese „TortureTime“ oder übersetzt „Folter-Zeit“.

Mit dem Horror noch nicht genug; der Lehrer ist eher links-grün eingestellt. Dementsprechend kam es durchaus vor, dass er seine Meinung mal versteckt, mal komplett offen kundtat. Vor allem Trump stand in seinem Visier und auch, wenn ich nicht mit allen Ansichten von Trump übereinstimme, habe ich ihn diverse Male verteidigt. Komischerweise wurde ich seltener drangenommen, wenn ich das getan habe. Wirklich problematisch wurde es, wenn er anfing, fachübergreifend zu werden. Mein Geolehrer hat wirklich enorm viel Ahnung von Geografie – das muss man ihm zugutehalten. Das Problem war, dass sein Wissen nicht weit über das Fach hinausgeht. Er gab selbst regelmäßig zu, dass er im Prinzip keine Ahnung von Physik, Wirtschaft, Politik und diversen weiteren Bereichen hat, und trotzdem trug er regelmäßig ganze „Wirtschaftsberichte“ vor.

Wirklich schlimm war, dass selbst seine Kenntnisse über englische Aussprache zu wünschen übrigließen, und das, obwohl sein zweites Fach Englisch ist. Und jedes Mal, wenn jemand ihn fachlich korrigierte – also meistens ich – hat er sich mit Fachwörtern rausgeredet und am Ende versucht, den Schüler für blöd zu erklären. Das hat mich vermutlich einige Punkte gekostet. Selbst die Antifa-Anhängerin in meiner Klasse war der Meinung, dass unser Profillehrer mich ungerecht behandelt. Er hat sich offensichtlich nicht einmal darum bemüht, zu verstecken, dass er mich nicht mag und das auch in seine Bewertung einfließen lässt.

Abschließend lässt sich sagen, dass ich mich ungerecht behandelt fühle. Da das aber wohl jeder Schüler in Deutschland von sich behaupten kann, gibt es wohl doch insgesamt ein gewisse Form von ausgleichender Gerechtigkeit. Wenn man allerdings bestimmte politische Positionen vertritt, entsteht doch eine Schieflage. Das Lehrer-Kollegium ist weitestgehend in linker Hand.