Zwischenruf: Warum so viele junge Menschen Sozialisten sind

Von MARVIN WANK | Nach zwei Wochen Uni sind mir drei Dinge klar geworden: Studenten trinken entweder Bier oder Mate, ernähren sich wahlweise von Döner oder veganem Tofu-Salat – und sind zum allergrößten Teil Sozialisten. Doch warum eigentlich?

Wie passt es zusammen, dass gerade junge und gebildete Menschen, die sonst so viel Wert auf ihre Individualität legen, wirtschaftlich so extrem freiheitsfeindlich sind?
Eine mögliche Antwort auf diese Frage wäre die klassische Rebellion gegen das Elternhaus und die alte Gesellschaft. Als junger Mensch kapselt man sich mehr und mehr von seinen Eltern ab und beginnt sein eigenes Leben zu führen. Da man selber natürlich alles besser machen will, lehnt man die alten Werte und Normen schon aus Prinzip ab. Dazu zählen auch politische Ansichten und so wird man eben Sozialist.
Dieser Erklärungsansatz mag in den 60er-Jahren sicherlich einen gewissen Wahrheitswert gehabt haben. Doch aus den Rebellen von damals sind die Eltern von heute geworden – mit vielfach kaum veränderten politischen Ansichten. Wer als Jugendlicher heutzutage Sozialist ist, probt keinen Aufstand, sondern begeht einen Akt der Konformität.
Ebenso prävalent ist das Argument, die Jugend hätte am wenigsten zu verlieren und sei daher eher dazu bereit, gegen das herrschende System aufzubegehren. Darin liegt zumindest ein Fünkchen Wahrheit: Ja, junge Menschen, insbesondere Stundeten, sind in der Regel wenig vermögend.
Und doch ist das Argument falsch: Junge Menschen haben eine Menge zu verlieren. Schaut man nach Venezuela, dann wird schnell klar, wie viel selbst die aller Ärmsten in einem reichen Land noch zu verlieren haben.
Doch davor verschließen viele junge Menschen die Augen; sagen, dass der Sozialismus in diesen Ländern nur nicht richtig umgesetzt wurde und hoffen, dass die richtige Umsetzung eines Tages das Paradies erschaffen wird.
Und dies ist der eigentliche Grund: Hoffnung. Wenn Sozialismus in irgendetwas gut ist, dann darin, den Menschen Hoffnung zu geben. Hoffnung darauf, dass der Himmel auf Erden möglich ist, wenn man nur den Lehren der Kollektivdiktatur folgt. Hoffnung, nie wieder arbeiten zu müssen. Hoffnung auf eine Welt ohne Armut, ohne Hunger, ohne Elend.
Und das ist absolut nachvollziehbar. Sozialisten wollen die Welt verbessern. Wir alle wollen das, es ist Teil der menschlichen Natur. Sozialisten sind keine schlechten Menschen, sie haben häufig sehr edle Motive.

Nur kann der Sozialismus seine Versprechen nicht halten, im Gegenteil.
Und da müssen wir ansetzen: Wir müssen Sozialisten unerbittlich den Spiegel der Geschichte vorhalten. Wir dürfen nie aufhören, auf das Elend hinzuweisen, dass der Sozialismus unweigerlich verursacht und immer verursacht hat. Und wir müssen zäh sein, dürfen nicht locker lassen. Denn wir werden auf Gegenwind stoßen, auf schier unüberwindbare Hindernisse, auf Geister, die so festgefahren sind, dass scheinbar nichts sie umstimmen kann. Wir sind die Gegenstimme. Wir sind die jungen Menschen, die für die Freiheit kämpfen. Und es liegt an uns, eine weitere verlorene Generation zu verhindern.

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2 Antworten

  1. neversurrender sagt:

    Jawoll.
    Wünsche viel Kraft und gute Nerven beim unermüdlichen Kampf um die Vernunft und die Freiheit!

  2. Thorben Meyer sagt:

    Ein weiterer Grund dürfte sein, dass Besitz- und Bildungsbürgertum nicht identisch sind: Wenn der private Großbesitz verboten wird, stehen automatisch diejenigen mit der höchsten formalen Bildung an der Spitze, was für allem für diejenigen unter ihnen interessant ist, deren Fach keinen objektiv messbaren Wert hat. Das erklärt, warum ein steigender Bildungsabschluss mit linken Ansichten korreliert, obwohl damit im statistischen Mittel auch das Einkommen wächst. Es erklärt ebenso, warum dieser Effekt in den Geisteswissenschaften am Stärksten ist. Es erklärt auch, warum die Mehrzahl der Geisteswissenschaftler und der sich aus ihnen rekrutierenden Journalisten zahlreichen Technologien so feindlich gegenüber stehen.

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