Zu 10 Jahren Lehman-Pleite: Nichts gelernt

Von MAX ROLAND | Am Samstag hat sich die Pleite der US-Bank „Lehman Brothers“ zum zehnten mal gejährt. Entgegen des linken Narrativs war nicht der Kapitalismus an der Krise schuld, sondern massive Eingriffe der Regierung in den Markt. Und: Wir machen heute genau die gleiche Politik, die damals zum Crash geführt hat.

„Lehman Brothers“: Symbol der Finanzkrise.

Wir alle kennen den Namen „Lehman Brothers“. Vielleicht wissen wir nicht, was diese Bank ursprünglich gemacht hat, aber wir wissen: Ihre Pleite gilt als Initialzündung der internationalen Banken- und Finanzkrise von 2008. Eine Krise, die Kapitalismuskritiker auf die Straßen trieb und sich in Bewegungen wie „Occupy Wallstreet“ zusammenfinden ließ. Marx und seine Theorie über die große, alles enscheidene Krise des Kapitalismus wurden aus der Schublade (oder treffender: Vom Müllhaufen der Geschichte) geholt. Mit Kampfbegriffen wie „Neoliberaler Deregulierung“ oder „Turbokapitalismus“ wurde Stimmung gemacht: Ein entfesselter Kapitalismus sei an der Krise schuld. Dieses Narrativ steht bis heute – und könnte falscher nicht sein. Denn wie so oft ist die Ursache der Krise nicht im Kapitalismus zu finden, sondern in seinem Gegenteil: Im staatlichen Markteingriff. Um die Krise zu verstehen, müssen wir zurück zur Jahrtausendwende gehen.

Woher kam die Krise?

Die gesamte Krise wurde ursprünglich durch den Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA ausgelöst. Dort hatte sich über Jahre eine riesige Blase gebildet, die 2008 platzte. Entgegen der antikapitalistischen Mehrheitsmeinung sind Blasen nicht die Folge eines deregulierten Marktes, sondern entstehen durch Eingriffe. So auch hier. Die US-Regierung unter Präsident Clinton hatte sich damals ein Ziel gesetzt: Sie wollte aus den US-Amerikanern ein Volk von Eigentümern machen. Wohnungs-und Hauskauf wurde ermutigt und gefördert: Mit massiven, verbilligten Krediten und Subventionen. Niedrige Zinsen auf staatlich geförderte Kredite: Ein Träumchen für die, die in die eigenen vier Wände wollten. Diese „Subprime Morgages“ gaben den Kreditnehmern in den ersten zwei Jahren eine unter dem Markt liegende, also künstlich verbilligte Zinsrate. Nach zwei Jahren wurde der Zinssatz auf einen höheren Satz „zurückgesetzt“, was die monatlichen Zahlungen oft unbezahlbar machte. Die Idee war, vor der Zinserhöhung alles refinanziert zu haben. Den US-Amerikanern gefiel die Idee: Sie kauften. Sie nahmen die staatlich geförderten Kredite auf und kauften sich Häuser, die sie sonst nie hätten finanzieren können. Sie luden sich teils untragbare Lasten auf.

Natürlich passierte das unvermeidbare: Die immer größer werdende Blase begann zu platzen. Die massive Belastung der neuen Hauseigentümer mit ihren Kreditschulden ging gut, solange es dem Markt gut ging: Als der Markt jedoch Anzeichen einer Verschlechterung zeigte, brach das gesamte Gerüst zusammen. Die Menschen konnten weder ihre ursprünglichen Kredite, noch anderweitig aufgenommene Schulden oder begonnene Investitionen finanzieren. Panik erfasste den gesamten Markt. Die Staatsnahen Hypothekenbanken „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ waren die ersten, die als großes Rad im von der Regierung initiierten Blasensystem zusammenbrachen: Ihre Kurse stürzten ins Bodenlose. Die Bush-Regierung sah keine andere Möglichkeit, als die beiden Banken komplett zu übernehmen, was die Panik nur verstärkte. Die Akteure am Markt wollten der Krise einen Schritt voraus sein, wissen, welche Bank als nächstes dran wäre mit dem unvermeidlichen Kurssturz: Und der Verdacht fiel auf „Lehman Brothers“. Alle stellten die Interaktionen mit der Bank ein: Und am 15. September 2008 erklärte die Bank den Bankrott. Der Zusammenbruch dieser Institutionen, die aufgrund ihrer Rolle im von der Regierung aufgebauten System „too Big to Fail“ waren, schickte den Immobilienmarkt endgültig in den freien Fall und machte aus der US-Krise eine globale Krise. Der Rest ist Geschichte.

Nichts aus der Krise gelernt: die gefährliche Politik bleibt die gleiche

Man würde doch meinen, die Welt hätte ihre Lehren aus dem Crash gezogen – wer sich informiert, wird schnell eines besseren belehrt. Das System, was die Krise herbeiführte, ist noch genau so intakt: Mit dem Unterschied, dass die ehemals Regierungsnahen Banken „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ jetzt komplett in Staatshand sind. Schon wieder sehen wir eine Krise auf dem Immobilienmarkt, denn wie 2008 sind in den Städten die großen Investoren, die Wohnungen kaufen und verkaufen. Schon wieder spricht man von einer Immobilienblase. Nur werden Kredite nicht mehr ganz so leichtfertig verliehen. Raider heißt jetzt Twix- sonst ändert sich nix. Die gleiche Diktion, man müsse auf dem Immobilienmarkt eingreifen, ist heute präsenter denn je: Mietpreisbremse, Mietenstopp, Offensive Sozialer Wohnungsbau: All das ist die gleiche, sozialistische Idee, die den Markt schon einmal kaputt und hunderttausende Existenzen ruiniert hat, nur anders verpackt. Wenn sich Linke zum Jahrestag der Lehman-Pleite äußert und sich über „gewachsene Ungleichheiten“ beschwert, dann zeigt das, dass diejenigen, die ihre Thesen als „Antwort auf die Krise“ verkaufen, in Wirklichkeit nichts verstanden haben. Sie erkennen, dass durch die Zinspolitik und das billige Geld der Zentralbanken ein neuer Crash droht: Aber ihre Antwort ist nicht weniger staatliche Eingriffe, sondern mehr. Dabei war es doch der Versuch der Bekämpfung von Ungleichheit, der alles erst auslöste.

Wenn euch jemand erzählen will, dass der „Turbokapitalismus“ an der Krise schuld ist, dann haltet dagegen. Es ist nicht der Kapitalismus gewesen, der die Krise ausgelöst hat: Es war sozialdemokratische Politik der Regierung Clinton, die den Crash heraufbeschwor. Wenn wir das System krisenfest machen wollen, müssen wir aufhören, andauernd daran herumzupfuschen. Denn nur durch Regierungsinterventionen wird aus einer Rezession ein Chrash, aus einem temporären Abschwung ein massives Tief.

2 Antworten

  1. lieslkarlstadt sagt:

    Danke für die knackige Zusammefassung!

    Geht ja eigentlich auch gegen den gesunden Menschenverstand, mehr auszugeben, als man einnimmt, oder nicht…?!

  2. Mina sagt:

    Ist eigentlich irgendwer in Aktien, in US-Aktien, investiert? @Herr Stelter: Crashs herauf zu beschwören, kann nicht das Ziel sein. Keiner von uns kann vorhersagen, ob, geschweige wann, es zu einem Rückgang kommt. Wahrscheinlich ist, dass es passiert. Auch der nächste Auslöser kann nicht kalkuliert werden. Sind es wieder Kreditausfälle? Vielleicht. Allerdings ist sowohl der US-Immobilienmarkt als auch der der US-Unternehmenskrediten nicht von nennenswerten Ausfällen geprägt. Auch die Verzugsraten sind in diesem Segment nicht nennenswert angestiegen. Bei Krediten für Fahrzeuge, Kreditkarten und Studenten sieht es anders aus. Aber reichen die Volumina aus, um eine Krise auszulösen? Vielleicht wird die nächste Krise durch Währungen ausgelöst? Wer es weiß, melde sich bitte. Immmerhin hat die FED aus der Vergangenheit gelernt. Sie kommuniziert deutlich besser als vor 10 Jahren ihr Handeln und bereitet die Märkte somit vor. Und sie geht deutlich sanfter vor, als vor 10 Jahren. Wie gesagt, es darf als sicher gelten, dass es zu einer neuen Krise kommt. Das gesamte System bewegt sich in Zyklen. Diese Zyklen gehören zum wesen des Kapitalismus. Wenn also etwas geändert werden muss, dann das System. Möchten Sie das? Ich nicht. Und ich kenne niemanden, der bis heute eine wirklich attraktive Alternative gefunden hätte. Wenngleich das heutige System nicht perfekt ist, ist es das Beste, was es je gab. online pharmacy business model

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