Zinsen – Preis des Geldes Teil 3: Probleme unseres Systems

Wirtschaft einfach erklärt von MARVIN WANK.

Im ersten Teil dieser Artikelreihe haben wir uns damit beschäftigt, welche Wirkung Zinsen auf das Individuum im freien Markt haben. Im zweiten Teil legte ich dar, welche Konsequenzen das für eine gesamte Volkswirtschaft hatte.

Doch während ich stets die Situation in einem freien Markt schilderte, ist unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem mit dem Unkraut des Sozialismus durchwachsen. Deswegen können Zinsen ihre ausbalancierende Wirkung nicht mehr entfalten – mit fatalen Auswirkungen.

Wer gegen nicht vorhandene Sparzinsen protestieren will, der muss nach Frankfurt am Main fahren. Aber nicht etwa zum Firmensitz der Hausbank. Nein, der Schuldige sitzt in einem gläsernen Elfenbeinturm am nördlichen Mainufer – im 1,2 Milliarden Euro teuren Hochhaus der Europäischen Zentralbank.

In einem freien Markt gibt es Sparzinsen als Anreiz, der Bank Geld zu überlassen, womit diese wiederum Kredite vergeben kann. Was aber, wenn die Bank gar nicht auf Spareinlagen angewiesen ist um Kredite zu vergeben? Was, wenn Banken einfach aus dem Nichts Geld erschaffen könnten und dieses Geld dann als Kredit auszahlen würden? So absurd dies klingen mag: Das ist die Realität. Mit dem sogenannten „Teilreservesystem“ muss nur noch ein Bruchteil des Kreditvolumens als Spareinlage vorliegen. In der Eurozone sind das lächerliche 1%. Für das Geld müssen die Banken lediglich den Leitzins der EZB zahlen. Theoretisch. Denn aktuell liegt dieser bei 0%. Nicht mehr der Markt legt den Zins, den Preis des Geldes, nach Angebot und Nachfrage fest, sondern Bürokraten und Funktionäre nach eigenem Gutdünken.

Warum sollte eine Bank also Sparzinsen zahlen, wenn man sich das Geld zur Kreditvergabe auch einfach für lau bei der EZB beschaffen kann? Selbst wenn die Bank das wollen würde: der Konkurrenzdruck macht es ihr unmöglich. Ein sehr gutes Beispiel übrigens, wie sich Marktmechanismen um ein unmarktwirtschaftliches System herum bilden. Ohne Zinsen gibt es keinen Anreiz zum Konsumverzicht, gleichzeitig sorgen extrem niedrige Kreditzinsen für einen starken Konsumanreiz.

Perfekt, höre ich die Keynesianer sagen. Dann haben wir doch einen starken Stimulus, alle kaufen ganz viel und schaffen damit Wirtschaftswachstum und Arbeitskräfte. Doch wenn die Geldmenge auch unbegrenzt ist: Ressourcen sind es eben nicht. Und so kommt es zur Blasenbildung: Alle investieren in alles, natürlich auf Pump und ohne Sinn und Verstand, weil, hey, wir haben das Geld ja und wenn wir es sparen frisst die Inflation es auf, also raus damit. Somit boomen Märkte, die eigentlich gar nicht wirtschaftlich sind. Ein gutes Beispiel ist die Immobilienblase in den USA vor 2007, die letztlich zur Finanzkrise geführt hat.

Man setzte das natürliche Zinssystem außer Kraft und erzwang billige Kredite für den Erwerb eines Eigenheims. Am Ende hatte man tausende leerstehende Neubauten, die mit aus dem Nichts erschaffenen Geld gebaut wurden. Es wurden enorm viele Ressourcen verbraucht, die jetzt keinem mehr etwas nützen. Die zerbrochene Glasscheibe hat die Volkswirtschaft eben doch nicht reicher, sonder ärmer gemacht.

Wer denkt, es gab nach der großen Krise ein Umdenken, der irrt. Im Gegenteil: Ein Start-up, das heute Erfolg haben will, muss fast zwangsläufig rote Zahlen schreiben. Man siehe sich etwa Netflix an, dessen Aktienkurs trotz Verlusten in Milliardenhöhe (!) auf Rekordniveau gestiegen ist.

Und das ist durchaus logisch. Die Schuldenaufnahme gewährt Netflix einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, da Netflix mehr Kapital zur Verfügung steht und das Unternehmen so entweder eine höhere Auswahl oder geringere Abopreise bieten kann. Um ihrerseits keine Kunden zu verlieren, zwingt dieses Vorgehen auch die Konkurrenz zum Schulden machen.

Im Gegensatz zum freien Markt führt das gegenwärtige Geldsystem die Funktion des Zinses ad absurdum. Es beraubt dem Zins seiner Informationsfunktion und seiner Balancewirkung. Deshalb kommt es zu katastrophalen Fehlinvestitionen, Blasenbildung und letztlich Krisen. Es ist höchste Zeit, zum Marktzins zurückzukehren und die Stabilität unserer Wirtschaft wiederherzustellen. Anstelle eines turbulenten Zyklus aus exorbitanten Booms und gewaltigen Rezessionen würde sich ein stetiges Wachstum mit nur geringen Ausschlägen nach oben und unten einstellen, dass die Gesellschaft langfristig wohlhabender macht.

3 Antworten

  1. Dirk Müller sagt:

    Lieber Marvin,

    ich beschäftige mich auch schon einige Zeit mit dem Thema „Zinsen“ und „Schuldenbasierte Währungssysteme“. Daher bin ich mit Ihren Erklärungen nicht konform – sie (die Erklärungen) beschränken sich für meinen Geschmack zu sehr auf den Rahmen des bestehenden Geldsystems.
    Das Buch Das Geld „Syndrom 2012: Wege zu einer krisenfreieren Wirtschaftsordnung“
    von Helmut Creutz könnte für sie sehr interessant sein. Eine anschauliche Kurzfassung (meine Wertung) über heutige Geldsysteme findet sich im 15min.. Clip „wie funktioniert Geld“ (youtube https://www.youtube.com/watch?v=2M3Y_HaST2w).

    Ansonsten weiter so – auch ich bin über „achgut.com“ auf diesen Blog gestoßen und als Mitte 50-Jähriger freut es mich, dass es junge Leute wie Sie gibt, die den Dingen auf den Grund gehen, und Wissen vor den Glauben stellen.

  2. Jürgen Wanninger sagt:

    Ein schönes anderes Beispiel für ‚Blasen’wachstum ist auch die deutsche Energie’wende‘. Durch extremes Subventionieren (Windstrom beispielsweise wird mit rund dem Dreifachen bezahlt, was der Strom eigentlich wert ist), wird ein extremes Wachstum erzeugt, dem dann aber keine adäquatre Wertschöpfung folgt. Windräder kosten rund das Dreifache dessen, was sie in ihrer Lebenszeit an Strom zurückliefern. Da Kosten (und damit auch die Preise) letztlich ein Maß dafür sind, wieviel Energie und Ressourcen zur Herstellung eines Produkten verbraucht werden, zeigt das überdeutlich, dass Windkraft (und natürlich auch Solarstrom und damit eigentlich die ganze Energiewende) MEHR ENERGIE VERBRAUCHEN, als die Anlagen wieder zurückliefern. Die deutsche Energiewende ist tatsächlich nur eine gigantisches Geldumverteilung von unten nach oben und alles andere als ökologisch. Sie ist sogar das genaue Gegenteil.
    Bleibt die Frage, warum rund 80% der deutschen Bevölkerung diesen ganz offensichtlichen Umstand nicht erkennen und die uns betrügenden Politker aus CDUSPDGRÜNEN weiterhin wählen. NICHTS, das subventioniert werden muss, könnte nachhaltig sein! Aber grüne Dumpfbacken verdummen Millionen Menschen.

  3. Krumhardt sagt:

    Junger Mann, beeilen Sie sich mit Ihrer Ausbildung und gehen Sie in die Politik – Leute mit gesundem Wirtschaftsverständnis sind dort ebenso selten wie sie dringend benötigt würden!