Zinsen – Preis des Geldes Teil 1

Wirtschaft einfach erklärt von MARVIN WANK.

Die Älteren unter den Lesern mögen sich vielleicht noch dunkel an die grauen Vorzeiten erinnern, in denen man sein Geld zur Bank schaffte und es nur dadurch mehr wurde. Glaubt man der modernen Archäologie, so nannten unsere Vorfahren dieses Phänomen „Zinsen“. Auch der antike Gelehrte Friedrich August von Hayek (1899-1992 n. Chr.) beschäftigte sich mit diesen: „Der Markt steuert die Zeitpräferenz über den Zins“ – so fasst Hayek seine Thesen zusammen. Doch was ist diese „Zeitpräferenz“ und was hat sie mit den Zinssätzen zu tun?

„Zeitpräferenz“ heißt nichts anderes, als dass Menschen möglichst sofort alles konsumieren wollen. Natürlich kann das nicht funktionieren, denn Konsumgüter sind endlich. Deswegen schafft der Markt Anreize zum Konsumverzicht und Strafen für vorzeitigen Konsum.

Ein Beispiel: Herr Schmidt möchte sich ein Auto kaufen. Da er bald Vater wird, ist diese Anschaffung sehr dringend. Er hat aber nicht genug Erspartes, um sich ein Auto direkt zu kaufen. Also geht er zur Bank (eine Finanzierung beim Autohaus funktioniert genau gleich) und nimmt einen Kredit auf. Diesen muss er die nächsten fünf Jahre mit Zinsen zurückzahlen. Ökonomisch betrachtet hat Herr Schmidt sich Geld bei der Bank gekauft und muss dieses mit Zinsen zurückzahlen.

Herr Müller hingegen ist mit seiner Familienplanung noch nicht soweit. Er wohnt in einer Großstadt und ist innerhalb von 10 Minuten mit der U-Bahn auf Arbeit. Ein Auto möchte er zwar auch irgendwann einmal haben, braucht er im Moment aber nicht. Also spart er jeden Monat etwas Geld bei der Bank, um sich irgendwann einmal ein Auto davon kaufen zu können. Ökonomisch gesehen hat Herr Müller sein Geld der Bank verkauft und wird dafür mit Zinsen belohnt.

Fünf Jahre später kauft sich Herr Müller dann sein Auto und Herr Schmidt hat seinen Kredit abbezahlt. Der Einfachheit halber nehmen wir an, dass sie sich beide das gleiche Auto für jeweils 10.000€ gekauft haben. Dennoch hat Herr Schmidt für das Auto 11.000€ bezahlt, Herr Müller aber nur 9.000€. Wie kann das sein?
Während Herr Müller die ganze Zeit Zinsen bezahlt hat, bekam Herr Schmidt die ganze Zeit Zinsen gezahlt. Für Herrn Schmidt hat es sich also finanziell gelohnt, zunächst auf seinen Konsum zu verzichten. Er hat Zeit gegen Geld getauscht. Herr Schmidt hat am Ende mehr bezahlt, hatte dafür das Auto aber fünf Jahre eher als Herr Müller. Damit schließt sich der Kreis: Der Markt steuert Zeit mit Zinssätzen. Vorzeitiger Konsum kostet bares Geld, denn für Kredite muss man Zinsen zahlen. Auf der anderen Seite bringt Konsumverzicht Geld ein, denn fürs Sparen bekommt man Zinsen.

Doch tun sich dem geneigten Leser an dieser Stelle womöglich mehr Fragen als Antworten auf: Was passiert, wenn alle nur noch sparen? Dann geht doch die ganze Wirtschaft zugrunde? Was passiert, wenn alle nur noch konsumieren? Dann sind wir doch alle hoffnungslos überschuldet? Warum krieg ich dann keine Zinsen auf mein Sparbuch? Hat der Markt da versagt? Diese Fragen sind berechtigt. Dieses Fragen sind auch der Grund, warum dieser Artikel ein „Teil 1“ im Titel trägt. Denn keine Sorge: auf all diese Fragen gibt es Antworten. Antworten, die im zweiten (und vielleicht sogar dritten) Teil beantwortet werden.

1 Antwort

  1. nordseeschwalbe sagt:

    Super erklärt – warte gespannt auf die Fortsetzung….!