Wir sind der Feind – und die erst Recht

Von MAX ZIMMER | In der “Gegengesellschaft“ der alternativen Medien, aber mittlerweile auch im “Mainstream“ herrscht ein Bild von der Weltlage. Ein ziemlich einseitiges Bild.
Ein Bild, welches so schwarz-weiß gezeichnet wird, dass man dies überhaupt nicht aufzeigen braucht, ein Bild, das aber dennoch erstaunlich viele Anhänger findet.
Das Bild von dem ich Rede ist, wenn man so will, ein Feindbild, welches in Friedensliebe getarnt wird.
Es geht, wie so oft, um Amerika.
Die allmächtige, dämonische Kriegsnation, von der aus die reichen, jüdischen Banker die ganze Welt kontrollieren. Oder?
Naja, zumindest sind sie böse.
Und mit ihnen auch wir.
Denn sie haben uns ja auch unter Kontrolle.
Wir sind ja nur Vasall.
Und die Nato, die ist ein Angriffsbündnis.
Eben jener, dunklen Mächte auf der anderen Seite des Teichs.
Und wer ist der gute?
Der Gegner des Bösen.
Amerika ist ja das böse, und sein Gegner ist Russland.
Also ist Russland gut?
Ja, Russland. Und Putin.
Gegen den wird ja eh nur gehetzt.
Von der Nato Westpresse.
Russland wird umkreist.
Von uns.
Oder von denen?
Vom Ami.
Wir sind doch nicht der Ami?
Also sind wir ja nicht das Problem.
Also sind die schuld.
Die Amis.
Da drüben.
Wir sind die guten.

Das, mal ganz simplifiziert, ist so etwa das Bild, von dem ich rede. Und ich denke jeder, der sich mit Geopolitik und den verschiedenen Ansichten dazu befasst, weiß was ich meine.
Diese, gar nicht immer schlecht gemeinte, aber oft ziemlich penetrante Art, im Westen ein Feindbild konstruieren zu wollen.
Irgendeinen Schuldigen auszumachen, und im Sinne des Altruismus am besten bei sich selbst.
Aber es ist dann doch irgendwie so schön einfach, wenn man “wir“ sagen kann, aber “die“ meint.
Nämlich Amerika.
Denn “die“ sind ja schuld.
An den Kriegen, an den Krisen, an der Armut. Ja, wahrscheinlich sogar am schlechten Wetter.
Würde mich nicht wundern, wenn da auch die CIA hinter stecken würde.

Die Friedensinitiativen sind ja überhaupt nicht schlecht gemeint und die meisten ihrer überzeugten Anhänger meinen das, was sie sagen.
Wenn dort bloß diese auf 10 Kilometer zu riechende Doppelmoral und Einseitigkeit nicht wäre.
Auf der einen Seite “den Westen“ ewig und drei Tage anprangern, aber mit einer beinahe verblendeten Kurzsichtigkeit die Dinge auf der anderen Seite nicht beim Namen nennen wollen.
Russland, China, Iran, Nordkorea. Sie alle werden ignoriert, ihre Menschenrechtsverletzungen und Kriege unter den Tisch gefegt, ja teilweise sogar relativiert, geleugnet oder gar in Schutz genommen.
Es gibt nur den Westen und Amerika als ewigen Sündenbock.
Wenn irgendwo mal was nicht rund läuft, eine Wirtschaftskrise, ein Konflikt oder auch Putsch stattfindet, braucht man sich nicht mit der Lage und den Hintergründe auseinandersetzen, und sich gar eine komplexe, differenzierte Meinung aneignen.
Es reicht, wenn das eigene dogmatische Denken den Schuldigen bereits ausmacht, am besten bevor etwas überhaupt passiert ist.
Und dann ganz laut schreien, wenn jemand was anderes sagt.
“Propaganda!“, “Lügen!“, “Kriegshetze!“.
Von einem ruhigen, sachlichen Diskurs? Keine Spur.
Erstaunlich ist es, wie sich so ein Weltbild, zusammen mit seiner Form der Argumentation, in der Gesellschaft etablieren konnte.
Nicht erst seit kurzem wird man mit genau dieser Sicht auf die Dinge auch in den öffentlich Rechtlichen, namentlich der “Anstalt“, “Mann Siebert“, oder Volker Pispers konfrontiert.
Dort kann man sich in regelmäßigen Dosen dass alternative schwarz-weiß Welterklärungsmuster ins eigene Wohnzimmer holen.
“Die sind schuld“ ist im Jahre 2018 also endlich wieder im Mainstream angekommen.
Wir mussten auch 73 Jahre warten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.