Wie privat wird die Bahn in Baden-Württemberg?

Von KARL DRAMM | Es steht nun fest! Mit einer Unterschrift des Verkehrsministers Hermann (Grüne) werden die sogenannten Stuttgarter Netze ab 2019 nicht mehr von der DB Regio bedient, sondern von den Privatunternehmen Abellio und GoAhead. Die Fahraufträge wechseln somit vom Privatunternehmen in Staatshand in reine Privatunternehmen. Abellio jedoch, ist eine Tochterfirma der Niederländischen Staatsban (NS).
Heißt das, dass die Privatisierung der Stuttgarter Netze wieder nur eine Scheinprivatisierung des Landes Baden-Württembergs sind?
Im Grunde genommen ja: Die DB Regio (Süd), welche in Baden-Württtemberg bis auf wenige Strecken das gesamte Regionalbahnnetz betreibt, wird vom scheinbaren Monopol verdrängt und nur ein kleiner Teil des Netzes in Baden-Württemberg (Stuttgarter Netz) wird an zwei Unternehmen abgegeben. Aufblicken lässt sich trotzdem, von den drei Großstrecken wird der komplett private Betrieb GoAhead zwei übernehmen (Stuttgart – Crailsheim/Ulm + Stuttgart – Karlsruhe/Aalen/Würzburg). Der Unterschied zwischen der DB Regio und GoAhead liegt hier bei einem moderneren Fuhrpark auf Seiten der GoAhead-Gruppe sowie ein dichterer Takt von 30-60 anstatt 60-120 Minuten. Die neuen Züge sollen auch unverkennbar baden-württembergisch lackiert sein: ein eher schwäbisch orientierter weiß-gelb-schwarz-Look soll in den Fahrgästen die Reiselaune wecken. Sowohl Austattung, als auch Komfort sollen die Privatunternehmen versprechen.
Der Grund, warum die DB Regio überraschenderweise den Auftrag verlor, waren teilweie falsche Berechnungen bei den Instandhaltungskosten sowie weniger überraschend: bessere Angebote auf Seiten der Privatunternehmen.
Die Regionalbahn in Baden-Württemberg wird ab 2019 nicht komplett privatisiert wird, aber gewinnt in einen einwohnerdichten Raum Baden und Schwabens rund um Stuttgart einen Wettbewerb – den Großkonzern und Marktführer, die staatliche Deutsche Bahn (DB Regio Süd), die Tochterfirma einer Staatsbahn Abellio, welche bereits in Nordrhein-Westfalen und Sachsen einige Strecken betreibt und den deutschen Neuling, GoAhead, welcher aus England als einziges reines Privatunternehmen sein Glück im Scheinprivatisierten Bahnnetz Deutschland versucht. Die Fahrtaufträge laufen ab Juni/Dezember 2019 bis Dezember 2032.
Es scheint so als würde der Privatisierungstrend in Deutschland langsam Fahrt aufnehmen, nachdem Abellio in NRW die S-Bahn Ruhr zu einem Großteil übernimmt, Teile Sachsens privatisiert werden sowie Bayern auch auf einem guten Weg ist.

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