Wie militante Umweltrechtler Bauern die Existenz zerstören

Von Leopold Vogt | Nicht nur die SPD bekommt Morddrohungen und -briefe, es scheint sogar: je friedlicher die Aktionen, umso aggressiver sind teilweise die Reaktionen von der anderen (politischen) Seite. So gehen auch bei der niederländischen FDF (Farmers Defence Force) neuerdings Briefe ein, deren Absender die friedlichen Demonstranten als “Terroristen” deklariert und sogleich mit Sabotage, wie zum Beispiel Brandstiftung an Wirtschafts- und Wohngebäuden droht. Bei den nicht selten Reetgedeckten traditionellen Gebäuden dort besonders leicht.

Diese ‘Form’ der politischen Auseinandersetzung ist jedoch auch hier nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Gerade auf Seiten militanter Tierrechtler (zu unterscheiden von Tierschützern, die meist weniger radikal in Erscheinung treten), zeigte sich in der Vergangenheit sehr oft eine große Bereitschaft zur Kriminalität.

Dieser Brief ist also symptomatisch für die Spannungen zwischen radikalen Natur- und Tierschützern und der Branche, die uns alle zuverlässig ernährt.

Und dies, obwohl genau diese Aktivisten 2019 Oberwasser wie nur selten hatten: verschiedene Volksbegehren, Düngeverordnungen und andere legislative Daumenschrauben, die effektiv oft wenig für die Menschen auf dem Land (gerade auch die nicht-Landwirte) bringen und die oft eh schon unter Druck stehenden Kleinbauern weiter in den Ruin treiben könnten.

Die neuen Gesetze können sogar den Artenschutz drastisch behindern, etwa wenn Streuobstwiesen zu Biotopen umdeklariert werden, was eine Umwidmung mittelfristig unmöglich macht und die Fläche für den Besitzer wertlos. Hier in Süddeutschland sind früher (nicht so früh – ich kann mich ja noch daran erinnern) oft kleine Parzellen in der Landschaft aufgefallen, auf denen von früher (jetzt viel früher) her noch alte, große Obstbäume standen. 

Diese Flächen wurden die letzten Jahrzehnte nicht mehr groß bewirtschaftet, sondern höchstens ein paar Mal jährlich gemäht – und genau das machte ihren Charakter ja auch aus. Sie waren die reine Liebhaberei der Bauern, die sich an ihnen erfreuten und denen sie etwas schrumpeliges Obst abwarfen, wirtschaftlichen Nutzen brachten sie keinem wirklich. Doch dies änderte sich, sobald ein neues Gesetz im Rahmen des Volksbegehrens “Rettet die Bienen” verabschiedet war, welches Streuobstwiesen und -weiden zu Biotopen ummünzte und damit ihre Besitzer faktisch enteignete. Daraufhin ging eine Rodungswelle durch Bayern, als die Bauern diese kalte Enteignung nicht mehr mitgingen, die ihnen auch nahezu jegliche Bewirtschaftung verboten hätte. Damit wurden Streuobstwiesen auch für Menschen, die an ihnen verdienten, wie Schnappsbrenner, zum unternehmerischen Totalrisiko, was sie nicht eingehen konnten. 

Das Ziel der Volksbegehrler war damit sicher nicht erreicht, mit einer Subvention für diese Flächen hingegen wäre dies sicher nicht passiert. Diese wäre nicht einmal teuer für den Staat, da die Subvention ja nur dem kläglichen Ertrag eines vergleichbar großen Feldes entsprechen müsste.

Doch Tierrechtler und andere Menschen aus dem Öko-extremistischen Spektrum waren sich in der Vergangenheit oft auch zu schade, sich an geltendes Recht zu halten. So warfen zum Beispiel Anhänger der Organisation PETA – vielleicht erinnert sich noch einer daran – Farbbeutel durch Fußgängerzonen, andere brechen in Ställe ein um dramatische Nachtaufnahmen zu erstellen. Daran, dass auch Schweine schlafen, dachten sie wohl nicht, erst recht nicht daran, dass diese vom Lärm dieser Hallodris aufgeschreckt werden und in die letzte Ecke des Stalls getrieben werden. In diesem unglaublichen Stress (nachts – alles ist dunkel, die Tiere werden aus dem Schlaf aufgeschreckt von komischen Gestalten, die auf sie zulaufen) verfallen die Tiere dann in ungekannte Panik, laufen mitunter über ihre Artgenossen, wodurch alle noch mehr gestresst werden. Diese Einbrüche führen damit oft zu riesigem Tierleid und auch zu hohen Verlusten. 

Dies alles zeigt die Irrationalität und auch die Gleichgültigkeit der Aktivisten dieses Spektrums gegenüber dem was sie tun und denen, die ihr Handeln betrifft.

Leidtragende von Sabotage und Brandstiftungen, aber auch manchen populistischen Gesetzen, sind letztlich immer die Landwirte, vor allem aber auch Tiere.

Was passiert, wenn ein Stallgebäude anthropogen abbrennt, hat jüngst der Krefelder Zoo bewiesen. Ich sehe keinen Grund, warum sechshundert Hühner, Schweine oder Rinder weniger wichtig wären. Doch an die Konsequenzen ihrer Aktionen denken diese Menschen – wie in der Vergangenheit schon – nur wenn die sie selbst betreffen. Und so träumt so mancher vermutlich auch heute von brennenden Dächern, zerstörten Existenzen und dem Geruch angekokelter Tierkadaver.

Vielleicht sollte am Schluss noch auf ein Faktum hingewiesen werden: Laut jüngeren Umfragen haben zwei drittel der niederländischen Bevölkerung Verständnis für die Anliegen der Bauern. Die militanten Extremisten sind offensichtlich in der Minderheit, auch wenn sie das selber vielleicht nicht wahrhaben wollen.

2 Antworten

  1. Gebhard sagt:

    Solche Beispiele wie mit den Streuobstwiesen gibt es in hundertfacher Form und hat die Bauern sehr vorsichtig werden lassen. Nach Auffassung der Umweltbürokratie entsteht ein Biotop aus sich selbst heraus (und nicht durch den liebevollen Umgang des Bauern mit der Natur). Wenn das Biotop erst einmal erfaßt und kartiert ist, ist es in der Welt und entfaltet seine rechtliche Wirkung, bis hin zu einer enteignungsähnlichen. Es darf eben nicht jeder die Natur lieben. Wo käme man da hin!

  2. nordseeschwalbe sagt:

    Schützt die Umwelt vor den Umweltschützern!
    Danke für diesen erhellenden Bericht aus Bayern, gerne mehr davon.