Wie Menschen handeln


Von MARVIN WANK | Das einzelne Individuum und sein Handeln ist naturgemäß die unterste Ebene einer Volkswirtschaft. Alle weiteren Überlegungen zum Verhalten größerer Gruppen sind vom Individuum lediglich abgeleitet. Daher ist es auch die wichtigste Aufgabe der Ökonomie, das Handlen des einzelnen Menschens zu verstehen. Nicht umsonst hat Ludwig von Mises seinem Hauptwerk den Titel „Human Action“, also „menschliches Handeln“ gegeben.

Die Kernaussage dieses Buches lässt sich auf einen Satz herunterbrechen: Menschen handeln nicht beliebig, sondern auf eine Art und Weise mit der sie ihrer Meinung nach ihre Bedürfnisse am besten erfüllen können.

Hierbei ist zu beachten, dass jede bewusst ausgeführte, frewillige Aktion eine Handlung ist und alles ein Bedürfnis. Wenn ein Mensch also tatenlos im Bett liegt, dann handelt er trotzdem: Er hat das Bedürfnis, tatenlos im Bett zu liegen und handelt so, dass dieses Bedürnis erfüllt wird. Auch hat jeder Mensch natürlich gleichzeitig mehrere Bedürfnisse.

Stellen wir uns dazu Herrn Schmidt vor. Dieser ist gerade an einem schönen Sonntagmorgen in seinen Bett aufgewacht. Von draußen zwitschern die Vögel und er würde am liebsten noch den ganzen Tag in seinen Laken verbringen wollen, würde ihm nur seine Blase nicht so drücken. Hier kämpfen also zwei Bedürfnisse um ihre Befriedigung. Am Anfang ist das Bedürfnis Liegen zu bleiben noch voherrschend, doch mit der Zeit wird der Harndrang stärker und der Toilettengang schiebt sich in der Bedürfnishierachie von Herrn Schmidt nach oben.

Jeder Mensch hat eine individuell eigene Bedürfnishierachie oder auch Präferenzskala. Als großer Freund klassicher Musik hat Herr Schmidt auch das Bedürfnis, häufig in die Oper zu gehen, während Herr Müller als eingefleischter Metalfan dieser absolut nichts abgewinnen kann. Herr Schmidt würde sich zwar auch mal gern so ein Metal-Konzert anhören, allerdings schreckt ihn der Preis ab. Hier ist das Bedrüfnis „Metal-Konzert“ zwar vorhanden, andere Bedürfnisse, die er dann nicht mehr erfüllen könnte, sind ihm aber wichtiger.

Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse mit unterschiedlicher Priorisierung. Und weil wir nicht in der Lage sind, das Wesen eines anderen Menschen vollständig zu begreifen, können wir auch nie ganz genau wissen, welche Bedürfnisse ein anderer Mensch hat – zumal diese sich auch ständig ändern können. Nur eins haben alle Menschen gemeinsam: ihre Bedürfnisse sind unendlich. Zu keinem Zeitpunkt sind wir mit unserer Lebenslage vollständig zufrieden, dies liegt in der Natur des homo sapiens.

Diese Erkenntnis belegt die Überlegenheit der dezentralen Marktwirtschaft gegenüber der zentralen Planwirtschaft. Der Staat verplant sich immer, er kann die Wirtschaft nicht so steuern, dass sie die Bedürfnisse der Menschen erfüllt. Denn er kennt die Bedürfnisse der Menschen nicht und kann sie auch nicht kennen. Was bringt es dem Metallica-Jünger Müller, wenn der Staat von seinen Steuergeldern klassische Musik fördert?

Das entkräftet auch das Argument, der Staat würde mit unseren Steuergeldern ja auch gutes tun. Der Staat kann das Steuergeld eines Bürgers nur auf zwei Wege ausgeben. In seinem Interesse oder nicht in seinen Interesse. Gibt er das Geld im Interesse des Bürgers aus, dann wäre der Staat nicht nötig gewesen. Er das Geld des Bürgers für etwas ausgegeben, für das der Bürger auch frewillig bezahlt hätte und dabei auch noch Mehrkosten die Verwaltung verursacht. Hat er das Geld nicht im Interesse des Bürgers ausgeben, dann er hat er einen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht. Er hat knappe Ressourcen verschwendet und damit entweder gar kein Bedürfnis oder ein niederrangigeres erfüllt. Letzteres ist ohnenhin der häufigste Fall. Der Staat bringt durch Förderungen die natürlich Bedürfnishierachie der Menschen durcheinander, indem er durch Steuergelder die finanzielle Unattraktivität einzelner Bedürfnisse aufhebt. Gleichzeitig nimmt er den Menschen Geld weg, sodass sie eigentlich dringenderere Bedürfnisse nicht mehr erfüllen könne.

In der heutigen Ökonomie wird das Individuum eher stiefmütterlich behandelt. Volkswirte beschäftigen sich viel lieber mit Gruppendynamiken und lassen dabei außer Acht, dass Gruppen auch nur Zusammenschlüsse von Individuuen sind. Für Kollektivisten, insbesondere linke, ist das natürlich praktisch: Was kann man nicht alles im Namen des „Gemeinwohls“ machen?

5 Antworten

  1. Thomas sagt:

    Die Grundlagen einfach und sehr verständlich dargestellt. Und trotzdem hat’s DasLinkeParadox nicht verstanden 😉

  2. DasLinkeParadox sagt:

    Möglich, das ich dich missverstanden habe, aber soll der Artikel auf gar keinen Staat/Steuern hinauslaufen? Das iss mir zu anarcho-radikal.
    Wir brauchen einen schlanken, effizienten, auf seine Kernaufgaben reduzierten und optimierten Staat. „Gar kein Staat“ läuft schnell auf Egoismus, Faustrecht, Tribalismus, Verwahrlosung… hinaus. Wie willste bei purer Freiwilligkeit gewährleisten das unliebsame, aber verdammt noch mal nötige Abgaben erfolgen? Private Wege statt öffentlicher Strassenbau? Private Versicherung statt GesundheitsSYSTEM? Eigenbildung, statt allgemeines Schulwesen? Und was ist mit „unnötigen Kram“ wie Denkmalschutz, Sparten-Kultur-Fördeung, „brotlose“ Wissenschaft, hätten freiwillige Spendengelder Dresden rekonstruiert, wer zahlt für behinderte Kinder, Früh-Invaliden…?
    Ein schlanker Staat mit einen gewissem Recht auf SINNVOLLE Steuern halte ich hingegen für erstrebenswert. So dezentral und liberal wie möglich aber eben so „national“ und „mächtig“ wie nötig. Allerdings mit viel mehr Mitsprache-Recht jedes Bürgers. Brauchen wir wirklich Autobahn XY oder sollen dafür besser Schwimmbäder oder Schulen…. saniert werden? Im letzen Jahr mangelte es hier und dort an diesem und jenem, wollen wir diese Missstände beibehalten, oder sollen wir die Steurabgabe für dieses Ressort anheben? bei Fragen deren DIREKTE Auswirkungen jedem halbwegs informirten Menschen klar sind, sollte das Volk gehörig mitentscheiden. Bei eher abstrakten, auf langfristigen Nutzen angelegeten Projekten halte ich das derzeitige Volk für nicht ausreichend informiert, zu Suppenteller-horizontig. Wie willste Grundlagenforschung die sich erst in 30 Jahren amortisiert oder Kulturgut-Bewahrung schmackhaft machen, wenn gleichzeitig dein örtliches Strassennetz eher ne Moto-Cross-Bahn ist, oder Schwimmbäder wegen Geldmangel geschlossen werden müssen? Ideal wäre ein wahrhaft aufgeklärtes, allseits interessiertes Volk, aber solange das nicht gegeben sollte der Staat unpopuläre, aber nötige Steuern, für „Abstraktes und Langfristiges“ notfalls halt per „zwang“ eintreiben.
    Ein übetrieben schlanker Staat, mit Direkt-Entscheidung auch imm „Abstrakten und Langfristigen“ ist schon fraglich. Ein „gar kein Staat“ aber, ist nur eine andere Form des Totalitarismus! Des Totalitarismus der Faust!

    • Max Roland sagt:

      Kein Apollo-Redakteur verfolgt Anarcho-Gedanken. Keine Angst! Wir folgen dem Ideal des Minimalstaates.

  3. moneypenny sagt:

    Wieder mal sehr schön erklärt, Mr. Wank!
    Allerdings: Herr Schmidt mit Harndrang und Herr Müller auf Metal-Konzert…? 😂 Und was ist mit den Frauen mit Doppelnamen? Und unseren Mitbürgern aus fernen Ländern? Können Sie nicht noch Herrn Özguz einbauen, der zwischen Moschee-Besuch und Bratwurst-Bude schwankt und Frau Grummel-Schmalz mit Blasenschwäche? Vielen Dank!

  1. 20. April 2019

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