Wie eine #Rolex die deutsche Linke zur Selbstzerstörung treibt

Von MAX ROLAND | Jedem sei die Wunschuhr gegönnt: Das beste Accessoire zu einer schönen Rolex ist aber Ehrlichkeit.

Sawsan Cheblis Rolex: Geschmacklich exzellent, politisch aber voll daneben.

Im Januar 2017 sprachen die Vertreter der großen Parteien, die Chance auf den Einzug in den Bundestag hatten, in der Sendung „Hart aber Fair“ über alles Mögliche. Dann fragte Moderator Frank Plasberg die Vertreterin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, ob die Partei eine Vermögenssteuer anstrebe. Nachdem sie hoffnungslos herumdruckste, zwang Plasberg sie quasi dazu, die Frage zu beantworten, für wen eine Vermögenssteuer gelten würde. Göring-Eckardt erwiderte: „Wir können uns das alle vorstellen: Es gibt Leute, die legen ihren Gästen als Betthupferl ne Rolex auf den Nachttisch“. Für diesen Vergleich wurde Sie von Christian Lindner und Volker Kauder an Ort und Stelle zerrissen.

Das soll aber gar nicht Thema sein. Die Rolex ist das Symbol des Reichen, der für die politische Linke in Deutschland das Feindbild ist, vielleicht noch vor dem nebulösen „Nazi“, der heutzutage alles und jeder sein kann, der dem linken Dogma widerspricht. Der Reiche, der Rolex trägt, der unverdient reich ist, während andere Pfandflaschen sammeln. Der Reiche, der Rolex trägt, der sein Geld in der Schweiz bunkert, während hier Schulen ( komischerweise gerade in rot regierten Ländern)  verfallen. Der Reiche, der Rolex trägt, während eine Mutter mit Hartz IV gerade so über die Runden kommt. Egal: Die Rolex ist das Symbol des dekadenten Reichtums, den laut der sozialistischen Umverteiler eigentlich keiner besitzen sollte.

Warum ich darauf komme? Jetzt hat die Staatssekretärin des Landes Berlin, Sawsan Chebli, Wellen geschlagen. Es ist nicht das erste mal, dass sie das tut: Sie ist selbst in ihrer eigenen Partei berüchtigt für ihre Fettnäpfchen auf Twitter. Von ihr tauchte ein Foto auf, auf dem sie mit einer schönen Uhr zu sehen ist. Bald fanden die ersten Leute heraus: Es handelt sich um eine Rolex Datejust 36, die über 7.000 Euro kostet.  Der Shitstorm auf Twitter war perfekt: Die sozialdemokratische Staatssekretärin mit einem teuren Klunker am Arm. Die linke Twitterblase sprang ihrer Sawsan natürlich bei: Kein Genosse wird zurückgelassen, so schwer das Handgelenk auch sein möge. Und so wurde gegen den Shitstorm angetwittert. Das Narrativ: Die „Hater“ seien doch eigentlich nur neidisch, und überhaupt, das werde nur thematisiert, weil sie eine Frau mit Migrationshintergrund sei.  Klar, dass die Diskriminierungskarte gezogen wird: Wer auf einen Vorwurf dieser Art nur mit „Aber wie viele weiße Männer tragen denn ne Rolex, hm?!“ antworten kann, der offenbart wirklich nur seine eigene, erbärmliche Hilflosigkeit. Interessanter an der ganzen Sache war aber etwas anderes.

Denn den Kritikern wurde Neid vorgeworfen. „Warum #Chebli eine #Rolex hat: sie hat was aus ihrem Leben gemacht und einen guten Job bekommen.  Warum du keine Rolex hast: weil du den ganzen Tag im Internet hängst und den Untergang Deutschlands herbeireden willst.“ heißt es. Selbst die TAZ stellt fest: „Jeder darf mit seinem Geld machen, was er will.“ Ich habe gar nicht den Platz, alle Tweets hier zu zitieren, in denen die Linken auf Twitter sich plötzlich selbst zerreißen.

Denn die Leute, die höhere Steuern, insbesondere auf Gutverdiener, fordern, die teilweise, wie Linken-Chefin Kipping, sogar eine Vermögensobergrenze einführen wollen, die sich über „obszönen Reichtum“ beschweren, für die Steuerhinterzieher wahrscheinlich noch vor Geschwindigkeitsüberschreitern die schlimmsten Kriminellen sind: Die sprechen auf einmal von „unerträglichem Sozialneid“, wenn es um die eigenen geht. Die Leute, die von morgens bis abends das Hohelied auf die „Gerechtigkeit“ singen (und damit die sozialistische Umverteilung meinen), deren gesamte politische Einstellung auf eben dieser Idee der Umverteilung beruht: Die berufen sich jetzt auf das Leistungsprinzip.

Um das klarzustellen: Frau Chebli sei doch jede Rolex der Welt gegönnt (selbst, wenn wir sie mit unseren Steuern bezahlen müssen). Aber die „Hater“ haben, vielleicht ungewollt, ein Kunststück vollbracht: Die Linken, deren politisches Programm doch der Sozialneid in Reinform ist, argumentieren plötzlich für das Leistungsprinzip und das Recht am eigenen Geld, und damit gegen ihre eigenen Überzeugungen. Man könnte auch sagen: Noch drei Rolex für Frau Chebli, und aus jedem Sozen ist ein Liberaler geworden.

Aber was für Frau Chebli gilt (Leistungsprinzip, Recht am eigenen Geld), das gilt für den Normalbürger noch lange nicht, versteht sich. Denn dem Sozialisten ist die Rolex gegönnt, aber wenn der Bürger mehr Netto vom Brutto will, so ist er „gierig“, und wenn er auch nur einen Euro in der Steuererklärung nicht angibt (oder gar im Ausland  hat), so trifft ihn die volle Kraft des Rechtsstaates (die anscheinend an den Grenzen und auf den Straßen der Großstädte nicht gebraucht wird). Wasser predigen und selbst Wein trinken: Es ist das altbewährte Prinzip der Linken. Schon Honecker hatte Privatinseln und Behandlungen im Westen, während das Volk der DDR nicht mal Bananen hatte. Kim Jong Un trinkt feinsten französischen Cognac, während die Koreaner im Norden verhungern. Und Sawsan Chebli gönnt sich eben eine Rolex, während ihre Partei über mehr „Gerechtigkeit“ spricht. Nein, Frau Cheblis Rolex ist nicht das Problem: Es ist die Heuchelei, die dadurch zum Ausdruck gebracht wird. Gelernt haben wir aber folgendes: Es kostet nur knapp über 7.000 Euro, das ideologische Konstrukt der Linken zum Einsturz zu bringen.

9 Antworten

  1. Umverteilungsfanatiker sagt:

    Ist es denn wirklich Sozialneid, wenn ich anprangere, dass die Welt, in der wir leben Menschen beherbergt, die soviel Geld haben, dass sie es nicht einmal ausgeben könnten, selbst wenn sie es wollten, weil sie vorher an Altersschwäche sterben würden und gleichzeitig 800 Millionen Menschen auf diesem Planeten Hunger leiden? Wenn das Sozialneid sein soll und nicht Kritik an den sozialen Verhältnissen, dann will ich fortan lieber ein „Neider“ sein, als mit diesem Scheiß zu leben.

    • karlchen sagt:

      Wir alle müssen mit dem Scheiß leben, dass die Welt ungerecht ist. Die Idee der Umverteilung ist ja nachvollziehbar, aber es funktioniert einfach nicht! Der Wohlstand für alle wächst durch freien Wettbewerb, im Sozialismus verarmen die Menschen.

    • Max Roland sagt:

      Hallo, Danke für den Kommentar. Das ist leider sehr, sehr kurz gedacht. Der Kommentar erinnert mich ein wenig an dieses Brecht-Zitat: „Reicher Mann und armer Mann standen da und sahn sich an. Und der Arme sagte bleich: Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich“. Das wird der Kompliziertheit der Frage der Vermögensverteilung aber nicht gerecht. 800 Millionen Menschen auf dem Planeten leiden Hunger? Nehmen wir diese Zahl und stellen ihr einen Milliardär wie Bill Gates gegenüber. Es ist also ungerecht, dass Bill Gates viel, viel Geld hat, während andere Verhungern? Abgesehen davon, dass das impliziert, dass jemand außer Gates ein Recht auf Gates‘ Vermögen hätte, was nicht der Fall ist und nicht der Fall sein darf: Niemand hungert, weil auf der anderen Seite der Welt jemand Reich ist, das ist viel zu kurz und einfach gedacht, lieber Umverteilungsfanatiker . Die Ursachen für Hunger liegen in politischem Missmanagement, Kriegen oder dem lokalen Klima, übrigens auch häufig im Sozialismus (also dem, was ein Umverteilungsfanatiker anstrebt, wenn der Name denn die politische Gesinnung beschreibt.) Im Sozialismus verhungern die Menschen. Siehe Venezuela, siehe Sowjetunion, siehe Nordkorea, siehe China. Bill Gates ist reich geworden, weil er die Welt revolutioniert und das Leben von Millionen Menschen verbessert hat. Ich denke, die Chance, dass auch du einen PC mit Windows benutzt, ist relativ hoch (Oder doch einen teuren Mac?). Bill Gates ist reich geworden, weil millionen Menschen ihm ihr Geld freiwillig gegeben haben, im Tausch gegen einen PC. Was hat das jetzt mit dem Welthunger zu tun? Bill Gates verbessert übrigens mit seiner Stiftung auch das Leben von Menschen in Entwicklungsländern. Du willst ihm jetzt sein Geld wegnehmen und wem geben? Dem Staat, der doch allzu häufig für die Hungersnöte verantwortlich ist? Oder den Menschen, die damit nichts anfangen können, weil Geld nicht essbar ist?

      Diese Gegenüberstellung von Milliardären und hungernden ist auch in sich selbst unschlüssig. Dazu müsste man ein Kollektiveigentum voraussetzen, sprich, dass alles Geld der Welt allen Menschen gehört und sich manche davon unverhältnismäßig viel genommen haben. Das ist absoluter Quatsch. Aber wenn wir davon ausgehen, würde ich den Ball zu dir spielen: Was tust du? Was ist mit deinem Vermögen, was wahrscheinlich größer ist als das der meisten Menschen der Welt? Warum gibst du nichts an die hungernden Menschen in Afrika? Findest du es gerecht, so zu leben, wie du lebst, während andernorts Menschen verhungern? Dieses dumme Spiel kann man mit jedem spielen. Mit mir, mit dir, mit Bill Gates, mit einem Hartz IV Empfänger und mit einem Unternehmer.

      Ich bin dankbar, dass du die Diskussion eröffnet hast, aber du zeigst, dass du nicht verstehst, wie manche Menschen an ihr Geld gekommen sind (Nein, nicht durch „Ausbeutung“) und was die Ursachen für Hunger auf der Welt sind. Umverteilung bringt hier gar nichts, sondern verschärft das Problem eher noch.

  2. Raubtierkapitalist sagt:

    Dieser Shitstorm muss ja schon fast ein Shitnado gewesen sein 😀

    Sawsan Chebli verkündete heute im Bundesrat, dass sie wegen dem (Uhrengate-)Shitstorm ihr Facebook-Profil gelöscht hat.

    Bundesrat: Hate Speech und Gemeinschaftsstandards (ab 48:40min)

  3. Raubtierkapitalist sagt:

    „In ihren drei Jahren im Auswärtigen Amt überwarf Chebli sich mit so ziemlich allen, vom direkten Vorgesetzten bis hin zum Fahrdienst. Der Personalrat war anscheinend mit Beschwerden über sie befasst. Das hing natürlich auch damit zusammen, dass Chebli im biederen Auswärtigen Amt auffiel wie ein Flamingo in der Arktis.

    Chebli trug teure Handtaschen, sie protzte mit ihren Kontakten ins saudische Königshaus (was unter den Diplomaten eher Skepsis als Bewunderung hervorrief), und es machte die Sache auch nicht besser, dass sie in Pressekonferenzen oft unvorbereitet wirkte und auf Nachfragen patzig reagierte. Aber Chebli macht einfach immer weiter, es ging ja auch. 》Sie ist im Grunde unkündbar, und sie weiß das.《, sagt ein ehemaliger Kollege, der sie sehr mag. Ein Rausschmiss Cheblis wäre ja irgendwie auch das Eingeständnis, dass die Integration gescheitert ist.

    […]

    Es gibt eine Geschichte, die über Chebli kursiert: Sie soll als Kind angeblich eine jüdische Mitschülerin gehänselt haben. Darauf angesprochen, bricht Chebli in Tränen aus und läuft weg […].“

    Quelle

    Nicola Abé: Löwenkind. Die junge Staatssekretärin Sawsan Chebli gerät zwischen die Fronten des Nahostkonflikts, Der Spiegel, 29/2018

  4. moneypenny sagt:

    Nein das ist ein Missverständnis – da geht es um Street-Credibilty! Frau Chebli versucht sicherlich nur das Vertrauen einer gewissen diskriminierten Klientel, die auf Rolexe und andere Statussymbole steht, zu gewinnen. Da tun sich Wählerstimmen ohne Ende auf! (Im Ernst: Wen sollen unsere neuen Mitbürger denn sonst wählen? Eine Partei mit “C“ im Namen? Autohassende Ökotanten? Nein nein – Sozialismus und Islam haben sich immer schon ganz gut verstanden!)