Warum Bankenrettungen sozialistisch sind, oder: Über die Sozialisierung privater Verantwortung

Von MAX ZIMMER | Ein im Grunde genommen in Fleisch und Blut linker Kapitalismuskritiker übergegangener Reflex ist es, Bankenrettungen als ein selbstverständliches Produkt unserer achso kapitalistischen Wirtschaftsordnung anzusehen.
Während Linke oder gar Sozialisten zu Recht das Retten von privaten Banken mit öffentlichen Mitteln kritisieren, wenden sie jedoch dasselbe Prinzip in anderen Bereichen des Lebens an, nämlich das Vergesellschaften privater Verantwortung.
Dabei besteht rein ökonomisch gesehen ein Widerspruch darin, diese beiden Haltungen unter einem Dach vereinen zu wollen, sind sie doch letztlich aus dem selben Holz geschnitzt.
Es geht um die grundlegende Annahme, der Staat hätte das Recht, ja stünde gar in der Verantwortung, individuelle Probleme von der Gesellschaft tragen zu lassen.
Dabei stehen Linke mit ihrer Sozialpolitik, sei es ein starker Wohlfahrtstaat, gesetzliche Krankenversicherung, staatliche Rente oder sonstige vom Steuerzahler kollektiv finanzierte “Leistungen“ in eben jener Denktradition.
Nun müssen wir uns die ökonomische Natur von Bankenrettungen vor Augen halten.
Eine private Bank, die sich verzockt hat (oder schlichtweg auf dem Markt gescheitert ist) soll nach diesem Verfahren von den Steurergeldern aller wieder auf die Beine gebracht werden, häufig mit der Begründung, es käme der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur, und somit auch allen zu gute.
Im Grunde ist das nichts anderes, als die Idee des Wohlfahrts- bzw. des Sozialstaates, nur auf den Finanzmarkt bezogen.
Zudem wenden linke Politiker häufig gewisse Tricks an, um von eben jener logischen Konsequenz der eigenen Ideologie abzulenken.
Und zwar wird die Idee der Verstaatlichung ins Spiel gebracht, was im Grunde eine Übernahme des gescheiterten privaten Vorhabens in die Hand des Steuerzahlers ist, also im Grunde wie Bankenrettung, nur mit einer totalen staatlichen Kontrolle über diese im Anschluss (und entsprechende Machtakkumulation zwischen Politik und Wirtschaft).
Die eigentliche, fundierte und moralisch sinnvolle Kritik am Prinzip der Bankenrettung kann folglich nur von konsequenten Marktwirtschaftlern, Liberalen und Libertären kommen.
Denn hier existiert kein versteckter Doppelstandart, es gibt keine Hintertür und keine abstrakte Argumentation.
Lediglich die moralische als auch ökonomische Illegitimation dieses Prinzips wird als Ablehnungsgrund angeführt, und ohne aber so vertreten.