Wirtschaftswachstum nur mit Inflation?

Wirtschaft einfach erklärt von MARVIN WANK | Durch Inflation wächst keine Wirtschaft. Von ihr profitieren alle Verschuldeten und unter ihr leiden alle Sparer. 

Regelmäßig geben die Zentralbanken der Welt sogenannte „Inflationsziele“ heraus, die die angestrebte Teuerungsrate angeben. In Europa beträgt dieses beispielsweise knapp 2%. Glaubt man den Zentralbanken, so ist Inflation für das Wirtschaftswachstum essentiell.

Inflation kommt vom lateinischen Verb „inflare“, was unter anderem „aufblähen“ bedeutet. Entsprechend ist „Inflation“ die Aufblähung der Geldmenge durch die Gelderschaffung der Zentralbank. Wenn Ökonomen von „Inflation“ sprechen, meinen sie damit allerdings meist die Teuerung oder Preisinflation, mit der man einen allgemeinen Lohn- und Preisanstieg bezeichnet.

Lohnanstieg? Das klingt doch erstmal gar nicht so schlecht. Eine Lohnerhöhung um 10% nützt dem Arbeitnehmer aber herzlich wenig, wenn im gleichen Atemzug die Verbraucherpreise ebenfalls um 10% steigen. Für diesen Arbeitnehmer wirkt eine solche Inflation zunächst wie ein Nullsummenspiel. Hierbei ist zu beachten, dass in diesem Fall die Lohnerhöhung nur durch die künstliche Geldschöpfung hervorgerufen wurde und nicht durch ein reelles Wachstum; der Arbeitnehmer kann sich von seinem Geld schließlich auch nicht mehr kaufen als vor der Lohnerhöhung.

Ohne Inflation kann es zu keinem allgemeinen Lohnanstieg kommen. Und dennoch kann die Wirtschaft wachsen. Wenn durch ein neues Fertigungsverfahren Autos 10% billiger werden und der Arbeitnehmer immer noch das Gleiche verdient, dann kann er sicher eher ein neues Auto kaufen. Er hat mehr von seinem Geld – ohne absolut mehr Lohn ausgezahlt zu bekommen. Nicht der absolute Lohn ist entscheidend für den Lebensstandard, sondern die relative Kaufkraft. In einer Welt ohne Geldmengeninflation kann ein Arbeiter sein Leben lang das gleiche Gehalt bekommen und wird dennoch jedes Jahr reicher.

Wenn aber Inflation irrelevant für das Wachstum ist, warum sind Zentralbanken dann so versessen darauf, ihr Inflationsziel einzuhalten? Weil Inflation eben doch kein Nullsummenspiel ist. Man kann von der Inflation durchaus profitieren – oder von ihr aufgefressen werden.

Zu den Gewinnern der Inflation dürfen sich alle Schuldner zählen. Die Inflationsrate muss nur höher sein als die Kreditzinsen und schon zahlt sich der Kredit von alleine. Die größten Gläubiger sind in der Regel Staaten und entsprechend profitieren diese auch am meisten von einer Inflation.

Verlierer sind alle, die ihr Geld konservativ auf einem Tagesgeldkonto oder in festverzinsliche Wertpapier investiert haben. Hier musst der Ertragszins höher sein als die Inflationsrate, damit man kein Geld verbrennt. Wie alle Sparbuchanleger leidlich bekunden können, ist dies heutzutage nur selten der Fall. Betroffen sind vor allem Leute mit eher geringem bis durchschnittlichen Einkommen.

Den Zentralbanken geht es nicht um Wirtschaftswachstum, wenn sie Inflationsziele festlegen. Denn Wirtschaftswachstum hat mit Inflation überhaupt nichts zu tun. Stattdessen sichern sich Zentralbankökonomen mit der Inflation ihre Existenzgrundlage. Denn trotz der so gern heraufbeschworenen „Unabhängigkeit“ der Zentralbanken gilt auch hier: Wessen Brot ich fress‘, dessen Lied ich sing‘.

2 Antworten

  1. Libertarist sagt:

    Was bei den 10% Lohn- und Preissteigerungen auch passieren kann ist, dass man durch den gestiegenen Lohn in eine höhere Steuerklasse aufrutscht, diese werden ja (höchstwahrscheinlich) nicht jedes Jahr an Inflationsraten angepasst. Also sinkt die relative Kaufkrauft noch weiter als sie es ohnehin schon tut.

  2. baghira sagt:

    hab ichs doch geahnt – man sollte bei allem aufgeblähten misstrauisch sein…
    inflation gut und leicht verständlich erklärt – merci!

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