Unruhe in der CDU – Zeit für Friedrich Merz?

Foto: Harald Dettenborn via Wikimedia Commons (Lizenz)

Von Sebastian Thormann | Nach dem für die CDU desaströsen Ergebnis der Thüringer Landtagswahlen gibt es aus der Partei heftige Kritik an der Parteiführung um Annegret Kramp-Karrenbauer. Zurecht, denn die Saarländerin hat bewiesen, dass sie der Aufgabe nicht gewachsen ist. Für ihre Partei ist es an der Zeit, die Entscheidung von 2018 zu korrigieren und die Weichen zu stellen für einen anderen Kanzlerkandidaten. Beste Chancen unter allen AKK-Konkurrenten hat Friedrich Merz. 

Der frühere Unionsfraktionsvorsitzende genießt eine hohe Popularität in weiten Teilen der Wählerschaft und  Parteibasis. Vor allem aber gilt: Er steht für eine eher liberal-konservative Ausrichtung und kein Anbiedern an Sozialdemokraten, was in den letzten Jahren leider Gang und Gebe war. In den Merkel-Jahren wurden in der Union viele Fehler begangen und er könnte die Parteiführung jetzt wieder auf Kurs bringen. 

Das Fass zum Überlaufen gebracht haben jetzt Gedankenspiele aus dem Konrad-Adenauer-Haus, als Juniorpartner in eine Koalition mit der SED-Nachfolgerpartei Die Linke einzutreten und dabei einen Verrat an den eigenen Wählern und den eigenen Werten zu begehen. Der heftige Widerstand  hat das Vorhaben anscheinend zunächst gestoppt. Das hat jetzt die Kritiker des Kurses von Merkel und AKK mobilisiert. Christian von Stetten, Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand der Unionsfraktion im Bundestag, etwa stellte treffend fest: “Allein die Tatsache, dass im CDU-Bundesvorstand ernsthaft über eine mögliche Zusammenarbeit mit den Kommunisten der Links-Partei diskutiert wurde, zeigt doch, in welche falsche Richtung sich die Parteiführung und das Kanzleramt entwickelt […] Ich bin nicht bereit, diese Entwicklung widerspruchslos zu akzeptieren.”

Merz hingegen setzt anscheinend Akzente für mehr Freiheit, Marktwirtschaft und Rechtsstaat. Außerdem steht er für viele für einen anderen Politikstil. Sie sehen in Merz Klartext statt Wegducken. Damit könnte er eine breite Allianz an bürgerlichen Wählern für sich begeistern. In der hochemotionalisierten hysterischen Klima-Debatte z.B. hat er – anders als manch Anderer in seiner Partei – den kühlen Kopf bewahrt und betont: “Es geht [dabei] gegen unsere freiheitliche Lebensweise, um die Zerstörung der marktwirtschaftlichen Ordnung.” Beim Thema Innere Sicherheit steht er für einen durschsetzungsfähigen und konsequenten Rechtsstaat, ebenso wie für eine durchdachte Migrationspolitik statt eine naive Politik der offenen Grenzen. In der öffentlichen Wahrnehmung steht er auch in der Finanzpolitik für einen andere Richtung, nämlich für mehr steuerliche Entlastung, was für Deutschland auch dringend nötig ist. Doch bisher hat die Realpolitik noch viele zunächst vielversprechende Kandidaten gebrochen – Merz als Heiland ist mit Vorsicht zu genießen. 

Gerade beim aktuellen medialen Hype um Grüne & Co braucht die Union jetzt jemanden der klar Kontra bietet und bei diesen Thema eine andere Linie vorgibt. Die Frage stellt sich: Ist es Zeit für Friedrich Merz?

4 Antworten

  1. Bennet Jäger sagt:

    Merz ist Teil der Systemparteien. Sein einziges Verdienst ist die Daebatte um die Leitkultur, das ist aber lange her. Ihm geht es nicht um das Land, sondern um sein Ego, so mein Eindruck.

  2. Valentin sagt:

    Wäre schön, ist aber zu spät. Die Merkelei hat großen Schaden angerichtet, und Merz kann den nicht beseitigen. Die AfD wird der ewige Zwilling der CDU sein. Und zweitens, es gibt zuviele Neider auch in der CDU. Seine eigenen Leute werden ihn bremsen.

  3. karlchen sagt:

    Ach, der Merz… Der hat wohl leider nicht den Mumm und wohl auch nicht das Rückgrat dazu.

  1. 3. November 2019

    […] Spitze soll ausgetauscht werden. Zeit für Friedrich Merz? Das fragte Sebastian Thormann in seinem Apollo-Artikel vom Donnerstag. Ich sage: das Problem liegt tiefer. Die Union ist kaum noch zu […]