Trumps schwerster Fehler im Nahen Osten

Von Sebastian Thormann | Es ist der bis jetzt wohl folgenreichste und schwerste außenpolitische Fehler der Präsidentschaft von Donald Trump: Durch den Abzug aller US-Truppen aus Syrien macht er den Weg frei für Erdogans Angriff auf die Kurden. Was zuvor einer der effektivsten US-Auslandseinsätze war – eine sehr geringe Anzahl an spezialisierten Bodentruppen, die die Kurden im Kampf gegen den IS unterstützt haben – ist jetzt vorbei. Die Präsenz der US-Truppen hatte zuvor die Türkei von ihrem Einmarsch ins kurdische Gebiet abgehalten. 

Die Kurden, sowohl in Syrien als auch im Irak, waren mit die wichtigsten Verbündeten des Westens im Kampf gegen den IS-Terror, jetzt überlässt man sie schutzlos dem türkischen Machthaber. Was für ein Signal sendet das an zukünftige Partner? Warum sollte überhaupt in Zukunft jemand in der Position wie den Kurden mit den USA zusammenarbeiten? Der Schaden, den Trump damit für spätere Bündnisse anrichtet, ist enorm. 

Die gefangenen IS-Terroristen konnten dank der türkischen Angriffe nun schon teilweise fliehen. Das kann nun zum Wiederaufstieg des IS in der Region führen. Was in jedem Fall aber klar ist: Sicherer wird es dort nun nicht – im Gegenteil, und das bereitet zukünftigen Terror den Boden.

Und das wirklich Schlimmste an Trumps Entscheidung? Türkische Truppen und ihre radikal-islamistischen syrischen Verbündeten begehen jetzt grausame Morde an der kurdischen Zivilbevölkerung als direktes Resultat des Abzugs der US-Truppen. In den Medien u.a. wird von der brutalen Ermordung einer kurdischen Politikerin berichtet.

Von der Trump-Administration verraten, greifen die Kurden jetzt als letzte Option zu einem Zweck-Bündnis mit dem syrischen Diktator Assad, was weder wirklich in ihrem eigenen noch im Interesse der USA ist. 

Und das alles passiert während der amerikanische Abzug noch im Gange ist, US-Soldaten wurden nun bereits – angeblich fälschlich – durch türkische und deren verbündete Truppen beschossen. Die Türkei will natürlich den Abzug der Truppen noch möglichst beschleunigen, und das wird auch passieren wenn Trump Erdogan nicht die Stirn bietet.

Zurecht musste Trump dafür auch heftige Kritik aus den Reihen der Republikaner einstecken. Senator Lindsey Graham (Republikaner aus South Carolina) schrieb auf Twitter: “Beten Sie für unsere kurdischen Verbündeten, die von der Trump-Administration schamlos im Stich gelassen wurden. Diese Entscheidung sichert den Wiederaufstieg des IS.”

Der angesehene ehemalige US-Verteidigungsminister unter Trump, James Mattis, warnte ebenfalls vor dem erneuten Aufstieg des IS: “Wir müssen den Druck gegen den IS aufrechterhalten, damit sie nicht wiedererstarken können.”

Auch aus Deutschland gab es natürlich Kritik, wobei man sagen muss, dass vor allem Grüne, SPD & Co. wohl kaum einem Einsatz deutscher Truppen gegen den IS zugestimmt hätten und damit einmal mehr ihre Doppelmoral entlarven: Einerseits selbst sich nicht an Einsätzen beteiligen und die USA kritisieren wenn sie solche durchführen, und andererseits die Trump-Regierung ebenfalls kritisieren wenn sie es nicht mehr tun. Selbst gegen die aktuelle Aufklärungsmission dort stellten sich ja viele Grüne und Linke. 

Es bleibt allerdings dabei: Mit dem Abzug hat Präsident Trump einen seiner schwersten Fehler begangen und eine gefährliche Krise in der Region befördert. Eine Krise, für die neben den Kurden und anderen in der Region auch Europa bezahlen wird – denn Terror und Flüchtlingsströme, die aus dieser Entscheidung resultieren werden, werden auch unseren Kontinent treffen. 

2 Antworten

  1. dasLinkeParadox sagt:

    IdT dürfte das der schwerste Fehler Trumps sein! Ein erneuter Krieg scheint nahezu vorprogrammiert. Schön das ihm auch aus eigenen Reihen heftiger Wind entgegenschlägt, ich hoffe er korrigiert diesen Fehler asap und begrenzt somit zumindest den Schaden schnellstmöglich, den er mit dieser bescheuerten Entscheidung SELBSTVERSCHULDET herauf beschworen hat!

  2. moneypenny sagt:

    Ja, furchtbar. In Israel ist man ebenfalls entsetzt – die Nachrichten sind voll davon. Und heute Nachmittag konnten wir vom Strand aus eine Demonstration mit israelischen und kurdischen Fahnen sehen, die Richtung US-Botschaft Tel Aviv zog.
    Hoffentlich korrigiert Trump seinen Fehler – und zwar ganz bald!