Tilo Jung und die Juden

Von MAX ROLAND | „Jung und Naiv“ heißt das Erfolgreiche Format des Journalisten Tilo Jung. Er hat Wellen mit einem Interviewpartner geschlagen. Eine kleine Analyse.

Tilo Jung (Jung & Naiv) moderiert auf den Jugendmedientagen 2015 in Bonn. Foto: Florian Timpe. Quelle 

„Politik für Desinteressierte“ ist das Motto von „Jung und Naiv“, einem Format des unabhängigen Journalisten Tilo Jung, welches wohl den allermeisten politisch-interessierten Jugendlichen ein Name ist. Jung ist beliebt – sein Stil ist erfrischend. Er geht z.B. in die Bundespressekonferenz und stellt bewusst naive Fragen, die die Sprecher der Ministerien auch mal ordentlich in Schwierigkeiten bringen. Er führt viele, oft gute Interviews. Jung ist politisch – das kann man ihm auch an sich nicht zum Vorwurf machen. Junge Leute an Politik heranzuführen ist etwas gutes, und er und sein Format schaffen das. Aber die Art, in der er seine politische Meinung einbringt, nervt mich persönlich. Es ist eine dieser naiven, linken Weltsichten, die man vielleicht ab und an als „gutmenschlich“ bezeichnen könnte. Besonders interessant: Seine Haltung zu Israel.

Für einen kleinen Aufschrei in den sozialen Medien sorgte eines von Jungs Interviews. Er war nach Israel gereist, und sprach dort mit verschiedensten Interviewpartnern. Unter anderem mit Ahed Tamimi. Ahed ist ein palästinensisches Mädchen und eine Friedensaktivistin: So zumindest stellte Jung sie vor. Sie ist eine Art Ikone der Antizionisten: Sie wurde verhaftet, nachdem sie einen israelischen Soldaten tätlich angegriffen hatte. Sie wird „Friedensaktivistin“ genannt: In Wirklichkeit ist sie mit ihren 17 Jahren selbst bei Wikipedia schon als „millitante, antizionistische Aktivistin“  geführt.  Mehr noch: Ihre Familie, die als Tamimi-Clan bekannt ist, hat viele Verbindungen zum palästinensischen Terrorismus. Ein kleiner Ausrutscher von Timo jung, möchte der geneigte Beobachter meinen. Wer jedoch recherchiert, der findet schnell heraus, dass es genau das eben nicht sein kann: Durch Jungs gesamtes Wirken zieht sich der rote Faden des Antizionismus und Antisemitismus, teils auf offensichtlichste, widerlichste Art und Weise.

So findet Tilo Jung den Gründer der BDS-Bewegung, die einen Boykott von Israel zum Ziel hat und klar antizionistisch motiviert ist, „einfach Wundervoll.“

Barghouti, der Gründer der BDS-Bewegung, benutzt ein klassisches Antisemiten-Argument: Die Gleichsetzung von Israel mit dem NS-Regime. Das stört Jung nicht: Er findet es „einfach Wundervoll.“. Klar, denn er macht es selbst. In der 293. Folge seines Podcasts „Aufwachen“ spielen Jung und sein Kollege Stefan Schulz, mit dem er den Podcast zusammen betreibt, dasselbe Spiel. Schulz sagt im Bezug auf die Palästinenser: „Ich finde, man sollte den Begriff „Ghetto“ wieder benutzen“ .  Genau die gleiche, antisemitische Masche wie beim „wundervollen“ Barghouti.

Der Podcastkollege Schulz ist generell kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um antisemitische Äußerungen und Verharmlosung von Terror geht. Schulz zu den Aufständen an der Gaza-Grenze, die maßgeblich von der Hamas geführt wurden: „Das einzige, was manche Palästinenser da wollen, ist: Die bauen da kleine Fallschirme, kleben da irgend so einen Riegel mit irgendeinem brennbaren Material, zünden den an, schleudern den dann über die Grenze (…) Materiell ist das das aggressivste, was da aus Palästina vor sich geht.“

Eine Verharmlosung sondergleichen, denn was dort passierte, waren organisierte Aktionen. Mehr als 25 Quadratkilometer Land brannten ab, die Hamas versuchte, die Grenze zu stürmen, versuchte sich landesweit an Terroranschlägen, verbrannte Autoreifen, schmiss Steine und hisste Hakenkreuzflaggen. 

Hat Stefan Schulz vielleicht einfach keine Ahnung, ist er, was das Thema angeht, ist er einfach „Jung und Naiv“? Nein. Seine Agenda ist offensichtlich. Bereits 2009 offenbarte Schulz in einem Blogpost, wie er die Situation sieht: „Seit 20 Jahren höre ich vom Leiden der Juden, deutscher Verantwortung gegenüber Israel und den ganzen Rest. Alles Schlagartig vorbei bei mir. Contra-Israel zu sein heißt ab sofort vernünftig zu sein, Pro-Israel heißt hingegen faschistisch zu sein (…) Was ab jetzt bleibt ist, dass Israel ein faschistischer Staat ist.“

Stefan Schulz hat natürlich auch Verbindung zu einem der bekanntesten deutschen Verschwörungstheoretiker und „Friedensaktivisten“: Ken Jebsen. Schulz setzte sich ernsthaft mit Ken Jebsen hin und diskutierte über 9/11. Was da wohl der Ton war…

Mit so einem Mann arbeitet Jung gut und gerne zusammen: Es scheint ja zu passen. Dass Jung bei seinem Israelbesuch von den Verwaltern des Felsendoms nicht aufs Gelände gelassen wurde, weil sie ihn für einen Juden hielten, war wohl kein Anstoß, um einen kritischen Gedanken gegen Palästina zu fassen. Nein, die Bösen sind die Juden, der faschistische Staat Israel.

Passend zu diesem Bild ist Jungs dezidiert antiwestliche Haltung: Aus seinen Fragen bei der Bundespressekonferenz hört man eine deutliche Abneigung gegen die USA heraus.  Die antiamerikanische Rhetorik vom „völkerrechtswidrigen Drohnenkrieg“, dem gekreische um die Ramstein-Airbase, US-Atomwaffen in Deutschland. Jung ist auf dem Pfad, den auch einer wie Ken Jebsen beschreitet. Antiwestlich, Antiisraelisch, Antiamerikanisch.

Mit einem Mädchen, welches die Israelis und ihren Staat vernichten will, macht man ein Foto. Für Rechtsstaat und Demokratie im Nahen Osten – denn das bedeutet Israel – reicht es bei Jung nicht für ein Lächeln. Genau wie bei seinem Kollegen Schulz (der sich nicht zu Schade ist, sich an faschistischen Stränden in Tel Aviv-Jaffa zu sonnen) scheint bei ihm eine klare, antizionistische Agenda vorzuliegen.  Der Eindruck steht: Wir haben es bei Tilo Jung mit einem der modernen antizionistisch-friedensbewegten „Kritikern“ und Augenöffnern zu tun.

1 Antwort

  1. baghira sagt:

    Schlimmer Typ. Wie wäre es im Sinne journalistischer Redlichkeit mit einer Umbenennung in “Gar nicht mehr so jung und trotzdem noch strohdumm?”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.